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Briefe von Behrings Schwester bleiben in Marburg

Behring-Archiv Briefe von Behrings Schwester bleiben in Marburg

Nachschub für die Behring-Forschung: Christian-Ulrich Behring, Großneffe von Emil von Behring, hat Briefe der Schwester des Medizin-Nobelpreisträgers entdeckt und gestern in die Behring-Bibliothek gebracht.

Marburg. Mit einem kleinen Päckchen kam Christian-Ulrich Behring gestern vormittag in der Emil-von Behring-Bibliothek in Marburg vorbei. Der Großneffe des Marburger Nobelpreisträgers Emil von Behring (1854 - 1917) hatte die Tatsache, dass der Förderverein Emil von Behring am Wochenende getagt hatte, für seinen Marburg-Besuch genutzt. Bereits im vergangenen Jahr war er in Marburg anlässlich der Eröffnung der Behring-Nachlassdatenbank.

Sehr erfreut waren Dr. Ulrike Enke und Dr. Kornelia Grundmann von der Arbeitsstelle für Geschichte der Medizin über das „Mitbringsel“ Behrings. Dabei handelt es sich um Briefe aus dem Nachlass seines 1913 verstorbenen Großvaters Albert Behring, die er bei Aufräumarbeiten in einem Schrank entdeckt hatte. Die Aufschrift „Briefe von Emma an Albert“ machte deutlich, dass es dabei wohl in der Hauptsache um Dokumente aus einem Briefwechsel der beiden Behring-Geschwister ging.

Erwartungsfroh packten Grundmann, Enke und Christian-Ulrich Behring gestern vormittag unter Beobachtung der Presse aus und sichteten den Bestand von mehr als 25 handgeschriebenen Briefen. Dabei wurden die Erwartungen der beiden Mitarbeiterinnen der Emil-von-Behring-Bibliothek bereits bei der ersten Durchsicht erfüllt, denn sie fanden Briefe Emmas, die auf das Jahr 1895 datiert waren. Sie stammten also aus der Zeit als Emil von Behrings Schwester zusammen mit ihm in Marburg lebte und dort als seine Haushälterin tätig war. „Das Behring-Archiv erwartet sich von diesen Briefen wichtige neue Hinweise auf Behrings erste Zeit in Marburg, als er als 41-jähriger Junggeselle und frischgebackener Hochschullehrer nach Marburg kam“, erläutert Ulrike Enke. Die detaillierte Auswertung wird noch folgen, doch soviel ist schon klar: In vielen dieser Briefe spielt Geld eine wichtige Rolle.

Und eine kleine Besonderheit gab es gestern schon zu vermelden: In dem Päckchen fand sich sogar eine Postkarte, die Emil von Behring selber verfasst hat. Geschrieben hat er die Urlaubsgrüße aus seiner Villa in Capri, und darin berichtet er von seinen Reiseplänen. Dabei zählt er mehrere italienische Städte auf, die er besuchen möchte.

Emma Behring zog übrigens im Jahr 1897, also ein Jahr nach Emil von Behrings Heirat mit Else Spinola nach Hannover. Denn auch sie heiratete, und zwar den Obergeneralarzt Wilhelm Schumburg.

Für die Marburger Behring-Forscherinnen dienen die gut erhaltenen Briefe als kleine Mosaiksteine, die vielleicht auch einen kleinen Teil zu einer neuen umfassenden Biografie des Nobelpreisträgers beitragen können. Und aus Sicht von Christian-Ulrich Behring ist Marburg als Stätte der BehringForschung für die Briefe genau der richtige Aufbewahrungsort.

von Manfred Hitzeroth

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