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Breitband GmbH will den Ball abspielen

Schnelles Internet Breitband GmbH will den Ball abspielen

Unternehmen, die interessiert sind, den Breitband-Ausbau im Landkreis vorzunehmen, können sich bei der heimischen Breitband GmbH melden. Deren Pläne für einen Ausbau in eigener Hand liegen zunächst auf Eis.

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So sieht es aus, wenn Vorbereitungen für den Breitband-Ausbau getroffen werden. Bereits im Mai 2011 geschah dies in Unterrosphe, wo Bauarbeiter den Graben mit den Leerrohren fürs Glasfaserkabel bestückten.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Die Ausgangslage für den Breitbandausbau in kommunaler Hand sei nun noch ungünstiger geworden, sagt Landrat Robert Fischbach (CDU) und bezieht sich auf die Entscheidung der Bundesnetzagentur über den Vectoring-Antrag der Telekom.

Die Bundesnetzagentur hat am Dienstag die großangelegten Internet-Ausbaupläne der Deutschen Telekom genehmigt – allerdings mit Auflagen. Die Telekom darf ihr VDSL-Breitbandnetz mithilfe eines Datenturbos in Gebieten aufrüsten, in denen Kunden auch die Dienste von Kabelnetzanbietern und Glasfasernetze nutzen können. Dies teilte die Netzagentur am Dienstag mit. Die Telekom muss der Regulierungsbehörde zufolge allerdings sicherstellen, dass auch Konkurrenten ohne eigenes Netz auf die geplanten Turbo-Internetleitungen (sogenanntes Vectoring) zugreifen können, und deshalb die Anschlüsse zur Miete anbieten. Diese Vorgabe sichert die Geschäfte von Internet-Wiederverkäufern wie United Internet oder Vodafone, die DSL-Anschlüsse von der Telekom übernehmen und unter eigenem Namen vermarkten.

Die Behörde hat noch keine endgültige Entscheidung veröffentlicht, sondern einen Regulierungsentwurf – die Telekom, ihre Wettbewerber und die EU-Kommission können dazu noch Stellung nehmen. Wenn alle Parteien zustimmen, tritt der Entwurf im Frühsommer in Kraft.

Bislang sei noch unklar, wie die Vorfahrtsregelungen auf der letzten Meile vom Kabelverteiler bis zum Hausanschluss dann aussehen werden, erklärt Fischbach. Zu viel Ungewissheit, zu viel Risiko für das kommunale Vorhaben Breitband-Ausbau für Marburg-Biedenkopf, das mit 43 Millionen Euro veranschlagt war? „Für uns ist es jedenfalls Anlass, jetzt den anderen Weg einzuschlagen, auf den wir uns bereits vorbereitet haben“, erklärt der Landrat. Dieser andere Weg führt zunächst in die hessische Ausschreibungsdatenbank, wo in diesen Tagen das Interessenbekundungsverfahren für Bau und Betrieb eines Breitbandnetzes im Landkreis anläuft. Drei Wochen soll es dauern. „Und dann schauen wir uns an, wer infrage kommt, wer das leisten kann, was wir wollen“, sagt Fischbach.

Kreis und Kommunen wollen Anreiz schaffen

Allerdings geht er davon aus, dass sich, wie schon in früheren Markterkundungsverfahren, kein Anbieter findet, der diese Investition allein und ohne Vorleistung der Kommunen erbringen will. „Daher fragen wir gleichzeitig ab, was die Anbieter von Telekommunikationsnetzen an Beihilfe benötigen, um den Landkreis komplett auszubauen und zu betreiben. Der Landkreis wäre bereit, eine vertretbare Deckungslücke in Form von Leistungen gemäß der Bundesrahmenregelung Leerrohre zu übernehmen“, führt Fischbach aus und hofft, dass die von Kreis und Kommunen gegründete Breitband GmbH dann nicht mehr als ihre gemeinsam erbrachten Einlagen dafür aufwenden muss. Es gehe bei den Vorleistungen um das Ziehen von Gräben und vielleicht auch noch um das Verlegen von Leerrohren für das Glasfaserkabel – je nach dem, was mit einem potenziellen Bauherrn ausgehandelt und vereinbart werden kann.

Offen bleibt indes, an welchen Orten im heimischen Landkreis die Telekom ihrerseits durch Vectoring eine Verbesserung des Internetangebots leisten kann. Dabei müsse man berücksichtigen, dass durch Vectoring jetzt nicht einfach das schnelle Internet durch die Kupferleitung in die Dörfer kommen könne, betont Fischbach. Erst wenn die Kabelverzweigzentren in den Dörfern mit Glasfaser angeschlossen sind, sei Vectoring überhaupt möglich. „Im Landkreis ist das aber nicht der Fall“, sagt Fischbach, „daher muss der geplante Ausbau des Glasfasernetzes auf jeden Fall erfolgen.“ Erst dann könne Vectoring dafür sorgen, dass sich die Bandbreiten von 25 bis 50 Mbit pro Sekunde mehr oder weniger verdoppeln.

„Dass die Telekom das platte Land anschließt, glauben wir nicht, weil das nach wie vor nicht gewinnbringend ist“, hebt Fischbach hervor und vermutet: „Die Telekom wird von sich aus eher in die Städte gehen und dort ausbauen.“

Gleichwohl sei denkbar, dass der Konzern wenigstens einige Orte im Kreis selbst erschließt. Und das sei mit Blick auf das ursprüngliche Ansinnen der Breitband GmbH dann doch ein erhebliches wirtschaftliches Risiko. „Von daher sind wir froh, dass wir jetzt einen zweiten Weg probieren“, sagt Fischbach.

Ob der Baubeginn fürs Breitbandnetz durch die aktuelle Entwicklung nach hinten rückt? Fischbach weiß es nicht. Doch erscheint nach Beurteilung der jüngsten Ereignisse ein Start in diesem Sommer gegenwärtig eher unrealistisch. „Dann vielleicht etwas später“, hofft Fischbach und hält fest an der alten Maßgabe: „In drei Jahren soll der Kreis vollständig mit Breitband erschlossen sein.“

von Carina Becker

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