Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 2 ° Regen

Navigation:
Braucht Marburg eine „Bleibekultur“?

Magistrat setzt Signal Braucht Marburg eine „Bleibekultur“?

Mit Anträgen zur Flüchtlingspolitik beschäftigte sich am Mittwochabend der neu konstituierte Ausschuss für Soziales, Jugend und Gleichstellung.

Voriger Artikel
Beckmann hat den Mantel mit aufgebaut
Nächster Artikel
Der Wolf ist wirklich ein Wolf

Flüchtlinge stehen auf dem Bild vom März dieses Jahres im Flüchtlingslager auf der griechischen Seite in Idomeni an der Grenze zu Mazedonien hinter einem Zaun.

Quelle: Kay Nietfeld

Marburg. Dass die den ankommenden Flüchtenden entgegengebrachte „Willkommenskultur“ in der Universitätsstadt durchaus Vorbildcharakter hat, ist – nicht zu Unrecht – in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder betont worden.

Es klingt plausibel: Wer einmal irgendwo angekommen ist und dort willkommen geheißen wurde, der möchte bleiben. Plausibel und folgerichtig fanden es zumindest die Fraktionen der Linken und der Grünen, dass es neben der Willkommenskultur eben auch eine Bleibekultur geben sollte.

„Es geht darum, eine wechselseitige Akzeptanz zu schaffen“, begründete Dr. Christa Perabo für die Grünen den Antrag, in dem der Magistrat aufgefordert werden sollte, „Strukturen für eine Lebens- und Bleibeperspektive von Geflüchteten in Marburg zu entwickeln und entsprechende Maßnahmen zu erarbeiten“.

„Man sollte hier 
nichts überfrachten“

„Es geschieht doch bereits alles, was dafür nötig ist“, entgegnete Dr. Hermann Uchtmann (FDP/MBL); und auch die Sozialdemokratin Erika Lotz-
Halilovic hielt den Antrag „für erledigt“. Der CDU-Stadtverordnete Winfried Kissel äußerte 
ebenfalls die Auffassung, der Magistrat tue bereits sehr viel in Sachen Flüchtlingsbetreuung: „Man sollte hier nichts überfrachten.“ Gegen die Stimmen der antragstellenden Fraktionen wurde die Initiative im Ausschuss schließlich ad acta gelegt.

Vor wenigen Wochen hatten sich in der Marburger Flüchtlingshilfe tätige Ehrenamtliche in einem offenen Brief für die dauerhafte Erhaltung der Erstaufnahmeeinrichtung in Cappel sowie des „Portals“ in Gisselberg ausgesprochen.

Die Schließung von Grenzen und Fluchtrouten hat bekanntermaßen dazu beigetragen, dass die in Deutschland und insbesondere auch in Marburg aufgebauten Strukturen zur Unterbringung und 
Betreuung Geflüchteter derzeit sehr viel weniger ausgelastet sind als noch vor einem halben Jahr.

Gleichzeitig spielen sich in den provisorischen Flüchtlingslagern in Griechenland und an der Grenze zwischen Syrien und der Türkei humanitäre Katastrophen ab, zehntausende Menschen sind ohne konkrete Perspektive im Niemandsland zwischen ihren Herkunftsstaaten und ihren Fluchtzielen gefangen.

Dank an ehrenamtliche Helferinnen und Helfer

Linke, SPD und Grüne unterstützen diesen offenen Brief durch einen Antrag, dessen Ziel die schnelle Aufnahme zusätz­licher Flüchtlinge sein soll. Marburg will dabei kurzfristig 200 Plätze bereitstellen. Realisieren lässt sich dies allerdings nur, wenn Bund und Land die Voraussetzungen dafür schaffen. Bürgermeister Dr. Franz Kahle sagte dazu: „Es ist ein symbolischer Antrag aus der Stadt Marburg heraus, um dafür zu sorgen, dass die Bundesregierung einem solchen Symbol Taten folgen lässt.“

Die Aufnahme von 200 Flüchtlingen in Marburg befürwortete der Sozialausschuss ebenso mehrheitlich wie das in dem Antrag formulierte Bekenntnis zu „dem humanitären Gebot, Menschen in Not Schutz zu gewähren“. Auch teilte die Mehrheit des Gremiums die Kritik an der Verschärfung des Grundrechts auf Asyl sowie der zunehmenden Abschottungspolitik in Deutschland und Europa.

Einstimmigkeit herrschte über den letzten Passus des Antrags: „Die Stadtverordnetenversammlung bedankt sich bei der überwältigenden Zahl ehrenamtlicher Helfer/innen sowie den Kolleg/innen in der Stadtverwaltung, die mit ihrem täglichen Einsatz wesentlich mit dazu beitragen, dass die Situation der geflohenen Menschen in Marburg erträglich gestaltet wird.“

von Carsten Beckmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr