Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 8 ° Regen

Navigation:
Brandstifter bleibt in der Psychiatrie

Aus dem Landgericht Brandstifter bleibt in der Psychiatrie

Der Wohnungsbrand vom 24. März in Wehrda ist weitestgehend aufgeklärt. Der Verursacher stand jetzt wegen schwerer Brandstiftung vor dem Marburger Landgericht.

Voriger Artikel
Dinge mit Gesichtern
Nächster Artikel
„Auf Polizei warten ist nicht hilfreich“

Am Gründonnerstag musste die Feuerwehr einen Wohnungsbrand in Wehrda löschen.

Quelle: Tobias Hirsch (Archiv)

Wehrda. Wie ein Mosaik verdichtete sich der Tathergang durch die geladenen Zeugen Teilchen für Teilchen zu einem kompletten Bild.

Den Anfang machte der Onkel des russischstämmigen Deutschen. Die Deutschkenntnisse des Angeklagten, der seit fast zwei Jahren in Marburg lebt, sind so schlecht, dass an beiden Verhandlungstagen ein Dolmetscher gebraucht wurde.

Durch einige Merkwürdigkeiten alarmiert, hatten sich der Onkel und dessen Schwester, die Mutter des Täters, auf den Weg in dessen Wohnung nach Wehrda gemacht. Mit dem Schlüssel der Mutter in die Wohnung gekommen war das Verhalten des heute 37-Jährigen mehr als sonderbar.

Mit einem Messer und einer Art Küchenbeil in der Hand wollte sich dieser verteidigen, sprach wirres Zeug und habe letztlich seine Mutter im Bad eingesperrt, ihn aus der Wohnung gedrängt und diese verschlossen, berichtete der Onkel.

Da die Mutter nicht gegen ihren Sohn aussagen wollte, mussten die geladenen Zeugen Licht ins Dunkel bringen.

Der Brand sei durch Inbrandsetzung des Sofas absichtlich entstanden, erläuterte der Brandsachverständige der Polizei, der wegen der Hitze am Brandort erst am Tag nach der Tat die Räume in Augenschein nehmen konnte.

Der Einsatzleiter der Polizei bestätigte, dass zum Zeitpunkt des gewaltsamen Eindringens in die Wohnung nach bemerkter Rauchentwicklung der Bewohner aus dem Fenster des zweiten Stockwerks gesprungen sei und sich dabei beide Fersenbeine sowie die Schulter gebrochen habe.

Im Krankenhaus wurde bei der Behandlung festgestellt, dass der Beschuldigte sowohl HIV-positiv sowie auch mit Hepatitis C infiziert ist. Danach sei er in das Psychiatrische Krankenhaus nach Haina überstellt worden.

Der Laborleiter der forensischen Toxikologie in Gießen, Dr. Florian Veit, bestätigte nach Analyse einer Blut- und Haarprobe, dass der Angeklagte zum Zeitpunkt der Tat unter dem Einfluss von Drogen stand. Durch die Analyse der Haarprobe, womit ein Zeitfenster von etwa vier Monaten beobachtet werden könne, sei der Konsum von Cannabis, Kokain und Amphetaminen nachzuweisen.

Weitere Aufklärung, insbesondere zum Vorleben, brachte das Gutachten der Direktorin der Klinik für forensische Psychiatrie im Kloster Haina, Dr. Beate Eusterschulte.

Bereits in seinem Geburtsland sei der Auswanderer durch seinen inzwischen verstorbenen Vater mit Kriminalität in Berührung gekommen, habe schon im jungen Alter Verhaltensauffälligkeiten gezeigt und die Schule ohne Abschluss verlassen.

Erste Kontakte mit Cannabis habe er im Alter von 15 Jahren gehabt und sei später auf Heroin umgestiegen. Als Dealer erwischt sei er zu einem Jahr und sieben Monaten Haft verurteilt worden. Zwei kurzfristigen Aufenthalten in einer Entzugsklinik folgte ein längerer im Jahre 2014.

Psychologin: Angeklagter zur Tatzeit nicht schuldfähig

Die Übersiedlung nach Deutschland habe einen Rückfall, auch aufgrund der großen Sprachschwierigkeiten, zur Folge gehabt.

Durch multiplen Substanzgebrauch sei der Angeklagte zum Zeitpunkt der Brandstiftung nicht schuldfähig gewesen, testierte Dr. Eusterschulte. Er habe sich verfolgt gefühlt, wollte sich mit Messer und Beil verteidigen und habe letztlich mit einer Zeitung den Brand gelegt. Mit Eindringen der Polizeibeamten in die Wohnung habe er seine „Verfolger“ als dunkle Gestalten im Rauch wahrgenommen und sei deswegen aus dem Fenster gesprungen.

Sowohl Staatsanwalt Nicolai Wolf als auch Verteidiger Sascha Marx sahen die Schuldunfähigkeit des Beschuldigten zum Tatzeitpunkt.

Da die Psychologin keine positive Zukunftsprognose gestellt hatte, entschied das Gericht unter Vorsitz von Dr. Marco Herzog auf eine Fortdauer der Unterbringung in Haina und eine anschließende Überstellung in eine Entzugseinrichtung.

Die große Chance des Beschuldigten bestehe darin, dass nach dem Entzug geprüft werde, ob der Patient auf freien Fuß gesetzt werden könne.

von Heinz-Dieter Henkel

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr