Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 0 ° wolkig

Navigation:
Brandgeschädigtes Haus ist abrissreif

Denkmalschutz Brandgeschädigtes Haus ist abrissreif

Das bei einem Großbrand im Januar 2012 schwer beschädigte Haus Am Grün 21 darf abgerissen werden, wenn eine denkmalschutzrechtlich genehmigungsfähige Neubauplanung vorgelegt wird.

Voriger Artikel
Ein Fehler, den man korrigieren kann?
Nächster Artikel
Junkie-Prozess steht vor dem Abschluss

Am 28. Januar 2012 brannte das Haus Am Grün 21. Seitdem ist das unter Denkmalschutz stehende Gebäude nicht mehr bewohnbar.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Bei einem Großbrand vor mehr als drei Jahren – am 28. Januar 2012 –  wurde das Dachgeschoss des Wohnhauses Am Grün 21 zerstört. Zudem wurden unter anderem auch die darunter liegenden Wohngeschosse durch das Löschwasser stark geschädigt. Insgesamt wurde das aus dem 18. Jahrhundert stammende und unter Denkmalschutz stehende Gebäude so stark beschädigt, dass es seitdem nicht mehr bewohnbar ist. Abriss und Neubau oder Sanierung? Über diese Frage machten sich jetzt städteplanerisch interessierte Marburger Gedanken, und am vergangenen Freitag beschäftigte das Thema auch das Marburger Stadtparlament.

„Ein Abbruch des markanten Hauses Am Grün 21 wird den schlechten Ruf in aller Welt von Marburg als Stadt des Abbruchs und der Verunstaltung weiter bekräftigen“, meinen Friedrich Dickmann und Angus Fowler in einem Schreiben, das der OP vorliegt. „Häuser in weitaus schlechterem Zustand  hat man in der Vergangenheit gerettet und renoviert“, heißt es weiter in dem Schreiben, dessen  Verfasser alle Bau- und Denkmalschutzverantwortlichen in der Stadt dazu auffordern, das Haus „noch in letzter Minute“ vor dem Abriss zu retten.

„In Sorge um ein Kulturdenkmal, das dem Verfall ausgesetzt ist“ zeigt sich in Sachen Haus Am Grün 21 auch Claus Schreiner, Vorstandssprecher der Initiativgruppe Marburger Stadtbild (IG Marss) in einem Schreiben an die bei der Stadt angesiedelte Untere Denkmalschutzbehörde, die zusammen mit dem Landesdenkmalamt in denkmalschutzrechtlichen Fragen Ansprechpartner ist.

Für die rot-grünen Mehrheitsfraktionen im Stadtparlament war das Thema ebenfalls so wichtig, dass sie es am vergangenen Freitag per Dringlichkeitsantrag auf die Tagesordnung brachten.
Baudezernent Dr. Franz Kahle (Grüne) gab daraufhin Auskunft über den Sachstand.

Kahle erläuterte dabei, dass  neben dem ausgebrannten Dachstuhl und den Löschwasserschäden beim schrittweisen Rückbau der Brandschäden sowie weiteren Begutachtungen der Innenwände und Decke noch zusätzliche massive Schäden an der Fachwerk-Konstruktion des Hauses zu Tage getreten seien. Daraufhin habe die Eigentümerin des Wohnhauses bei der Stadt Marburg einen Antrag  auf Abbruch und Neubau des Hauses gestellt.

Die Untere Denkmalschutzbehörde habe der Eigentümerin daraufhin mitgeteilt, dass sie keine Zustimmung zu dem Vorhaben erteile und stattdessen die Sanierung vorschlage.  Dem Abriss stehe vor allem der Denkmal-Status des Gebäudes als Bestandteil einer geschlossenen Hofanlage entgegen. Daraufhin habe die Eigentümerin Widerspruch eingelegt, weil es ihr aus wirtschaftlichen Gründen  nicht möglich sei, das schwer brandgeschädigte Haus zu sanieren.

Neubau-Konzeption bei Bauaufsicht eingegangen

Die Untere Denkmalschutzbehörde habe daraufhin eine detaillierte Wirtschaftlichkeitsberechnung gefordert. Diese Berechnung sei dann dem Anhörungsausschuss der Stadt Marburg vorgelegt worden, so Kahle. Der Baudezernent machte deutlich, dass die Stadt eine Summe von 50 000 Euro als finanzielle Unterstützung einer Sanierung avisiert hätte und das Landesdenkmalamt für einen solchen Fall zusätzlich 10 000 Euro gegeben hätte. Insgesamt sei es in diesem Fall jedoch um Sanierungskosten von mehr als  300 000 Euro gegangen.

Die Wirtschaftlichkeitsberechnung sei für das Landesdenkmalamt, die Untere Naturschutzbehörde und das Rechtsamt der Stadt nachvollziehbar gewesen. Eine Genehmigung des Abbruch-Antrags sei somit unvermeidlich, erläuterte Kahle.

Dies habe auch der Denkmalbeirat in seiner Sitzung am 3. März  nachvollzogen und einem Abriss und dem nachfolgenden Neubau bei einer Gegenstimme zugestimmt.

Eine entscheidende Auflage für diese Vorgehensweise ist laut Kahle die Vorlage einer aus Sicht von Bauleitplanung, Bauaufsicht und Denkmalschutzrecht genehmigungsfähigen Neubauplanung. Inzwischen sei diese Neubau-Konzeption als Bauantrag bei der Bauaufsicht eingegangen und werde von den zuständigen Fachbehörden geprüft. „Es ist schade, dass man dem Abriss zustimmen muss. Aber Bedingung dafür ist, dass die historische Baulücke fachgerecht geschlossen wird“, sagte der Baudezernent.

von Manfred Hitzeroth

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr