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Brandbekämpfung wie vor 100 Jahren

Historisches Löschfahrzeug Brandbekämpfung wie vor 100 Jahren

Seit 130 Jahren besitzt die Feuerwehr Cappel eine Gespann-Handdruck- und Saugspritze. Trotz mäßigem Wetter war Feierstimmung angesagt.

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In alten Uniformen, mit einem Traktor als Zug-Fahrzeug und einer 130 Jahre alten Feuerspritze löschte die Cappeler Feuerwehr in bewährter Tradition ein künstlich erzeugtes Feuer. Anlässlich des Jubiläums der Feuerspritze, zeigte die Feuerwehr, wie ein Feuer vor mehr als 100 Jahren bekämpft wurde.Fotos: Matthias Weber

Cappel. Mit einem Hornisten, der Alarm bläst und die Bevölkerung warnt, einem Traktor und einer historischen Feuerspritze aus dem 19. Jahrhundert, eilte die Cappeler Feuerwehr herbei, um einen Brand am Feuerwehrstützpunkt zu löschen. Waren die modernen Geräte ausgefallen? Nein, und das Feuer war nur künstlich erzeugter Rauch. Denn bei der Cappeler Feuerwehr gab es am Sonntag Grund zum Feiern.

Eine Gespann-Handdruck- und Saugspritze aus dem Jahr 1883 feiert ihren 130-jährigen Geburtstag. Die Feuerwehr hatte dafür auf ihrem Gelände zur Feier eingeladen. Mit Grill- und Getränkestand sowie Biertischgarnituren in der Halle hatte selbst das regnerische Wetter keine Chance, die Stimmung zu trüben. Für die Kinder wurde eine Hüpfburg aufgebaut und Mitglieder der Oldtimerfreunde Marburger Land hatten einige alte Traktoren ausgestellt. Zudem hatten befreundete Feuerwehren aus Ebsdorf, Ronhausen und Wittelsberg ihre alten Feuerspritzen zur Schau gestellt.

„Natürlich ist die alte Feuerspritze nicht mehr im Einsatz, aber für Vorführungen dieser Art wird sie noch verwendet. Sie ist auch noch voll funktionsfähig“, sagte Peter Bartelmess, Wehrführer und Vereinsvorsitzender der Feuerwehr Cappel.

Bis 1945 habe man mit Handdruckspritzen das Feuer bekämpft, gezogen von Pferdegespannen oder Traktoren. Wie genau die Brandbekämpfung aussah, wurde am Nachmittag demonstriert.

Nachdem Rauch erzeugt worden war, eilten die Feuerwehrleute in alter Uniform und mit Stahlhelm herbei. Auf jeder Seite der Spritze positionierten sich drei bis vier Leute, um Wasser in den Schlauch hineinzupumpen. Deswegen benötigte man damals auch eine große Anzahl von Feuerwehrleuten. Doch wo kam das Wasser her?

Eimerkette der Zuschauer

Die Feuerwehr stellte mittels eines Wasserbassins einen Löschteich dar, von dem aus sich einige Zuschauer fanden, die prompt eine Kette bilden mussten, um dann mit Eimern das Wasser vom Bassin zur Feuerspritze zu befördern.

Einsatz, Zusammenhalt und Teamarbeit war also gefragt. Letztendlich war der Einsatz erfolgreich und das Feuer wurde bekämpft. Nach vielen Stunden Arbeit, in denen die Spritze wieder aufgearbeitet und funktionstüchtig gemacht wurde, hatte es sich bewahrheitet, dass das alte Modell noch verwendbar wäre. Natürlich sind moderne Fahrzeuge und Geräte leistungsfähiger. „Wir nutzen Veranstaltungen dieser Art, um Mitglieder und befreundete Feuerwehren anzusprechen. Wir wollen zeigen, was bei uns aktuell passiert, aber auch wie es früher war“, sagte Bartelmess.

Je nachdem wie viele Personen in der Pumpmannschaft sich befinden, kann die Spritze 220 bis 250 Liter pro Minute befördern. Am besten empfehle es sich daher, acht bis zehn Mann zu haben.

Die Cappeler Feuerwehr hatte außerdem noch ältere Modelle aus dem 20. Jahrhundert zur Schau gestellt. Aufgefallen ist dabei ein Feuerwehrfahrzeug, welches nicht die typische rote, sondern grüne Farbe hatte.

In den 30er Jahren wurde die Feuerwehr offiziell in die deutsche Polizeiorganisation eingegliedert und zur „Feuerlöschpolizei“ umbenannt. Das äußere Erscheinungsbild änderte sich dadurch und wurde der tannengrünen Polizei-Lackierung angeglichen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Feuerwehr wieder den Ländern und Kommunen unterstellt.

Ebenfalls waren zwei ältere Modelle aus den 50er und 60er Jahren zu sehen. Augenscheinliches Merkmal ist die sogenannte Drehleiter. Mit dieser wurde eine Gesamtlänge von 32 Metern erreicht. Dadurch war es möglich, auch in den engen Gassen der Oberstadt Brände zu bekämpfen.

Auch wenn das Wetter wahrscheinlich einige Menschen von einem Besuch abgehalten hat, war die Feierlichkeit für alle beteiligten Grund zur Freude. Eine Feier zum 140-jährigen Geburtstag ist angedacht.

von Matthias Weber

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