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Bouffier unterstützt Ebola-Forscher

Hochsicherheitslabor Bouffier unterstützt Ebola-Forscher

Großer Bahnhof im Virologie-Institut auf den Lahnbergen: Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) besuchte das Hochsicherheitslabor der Uni auf den Lahnbergen.

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Ministerpräsident Volker Bouffier besichtigt das virologische Hochsicherheitslabor, auch begleitet von Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause (rechts).

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. „Der Ebola-Virus in Westafrika hat uns an unsere Grenzen gebracht. Es war einige Nummern größer, als wir erwartet hatten“, erzählte der Marburger Virologe Professor Stephan W. Becker beim Besuch des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier. Dementsprechend sei er froh, dass der Ausbruch jetzt langsam weniger dramatische Ausmaße annehme, sagte Becker.

Als Chef des Virologie-Institutes und des angegliederten BSL-4-Hochsicherheitslabors auf den Lahnbergen hat Becker mit seinem Team in den vergangenen Monaten eine Menge Zusatzarbeit in Sachen Ebola-Krisenbekämpfung bekommen.

So initiierte Becker eine klinische Studie für den Test eines präventiven Ebola-Impfstoffs.

"Verstehen, wie Viren Krankheiten auslösen"

Die Marburger Forscher können auf eine jahrzehntelange Beschäftigung in der Erforschung hochgefährlicher und tödliche Krankheiten auslösender Viren zurückgreifen, berichtete Becker. Diese habe einen Ausgangspunkt in der Erforschung des erstmaligen Ausbruchs des Marburg-Virus im August 1967. Wie sich später herausstellte, hatten sich Laborarbeiter in den Marburger Behringwerken über die Übertragung durch aus Uganda importierte Affen damit infiziert.

Dieser Marburg-Virus wurde von Marburger Forschern um Werner Slenczka zusammen mit internationalen Experten identifiziert und in der Folgezeit weiter erforscht. „Der Marburg-Virus ist eng verwandt mit dem Ebola-Virus“, erläuterte Becker.

Für die Erforschung dieser und anderer hochgefährlicher Viren benötige man ein Labor der höchsten Sicherheitsstufe wie das 2007 für insgesamt elf Millionen Euro fertiggestellte Labor auf den Lahnbergen. „Das Ziel unserer Forschungsarbeiten ist es,  zu verstehen, wie die Viren sich vermehren und wie sie Krankheiten auslösen“, erklärte der Forscher.

Gespannt hörte der Ministerpräsident den detaillierten Erklärungen Beckers zu, wonach der Schlüssel für die Erkrankung in den infizierten Zellen liegt. In einem Video konnte der hohe Besucher aus Wiesbaden  sogar einen Blick in das Innere einer solchen Zelle werfen, in der sich  per fluoreszierender Farbe die Viren als winzige Punkte hin- und herbewegten.

Bei einem Rundgang schaute der Ministerpräsident von außen durch ein großes Fenster in das Labor, wo zwei Mitarbeiter im „Echtzeit“-Betrieb Ebola-infizierte Zellen untersuchten.

Tropentauglichkeit und Spezialkenntnisse

Besonders interessierte sich Bouffier für die Sicherheitsvorkehrungen in dem Herzstück der virologischen Forschung auf den Lahnbergen. So nahm er einen der Spezial-Schutzanzüge unter die Lupe, die alle Mitarbeiter anziehen müssen, die beispielsweise mit Ebola-Viren arbeiten. Dazu erläuterte Dr. Markus Eickmann, der für den Betrieb des BSL-4-Labors verantwortlich ist, dass im Vorfeld alle Szenarien durchgespielt worden seien, damit weder Mitarbeiter, noch die Umwelt gefährdet würden.

Auch die beiden Marburger Virologen Dr. Thomas Strecker und Dirk Becker, die an Ebola-Hilfseinsätzen bei der Auswertung von Proben in einem mobilen Labor in Westafrika im Einsatz waren, standen Bouffier anschließend in einem Labor der niedrigeren Sicherheitsstufe Rede und Antwort.

Tropentauglichkeit und Spezialkenntnisse aus einem Hochsicherheitslabor seien Grundvoraussetzung für diese Einsätze im Ausland.

Ausdrücklich dankte Bouffier, den beiden Forschern für ihr Engagement im Kampf gegen die Ebola-Epidemie. „Das universitäre Kompetenzzentrum bildet national und international ein Alleinstellungsmerkmal in der Diagnostik und Forschung hochinfektiöser Erkrankungen“, sagte der Ministerpräsident am Ende seines knapp zweistündigen Besuchs. Er sicherte Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause zudem die weitere Unterstützung des Zentrums zu.

von Manfred Hitzeroth

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