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Blutwäsche hilft bei blasenbildenden Krankheiten

Hautmedizin Blutwäsche hilft bei blasenbildenden Krankheiten

24 junge Ärzte aus ganz Europa werden eine Woche lang in Marburg auf den neuesten Stand der Forschung in Sachen blasenbildende Erkrankungen gebracht.

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Professor Michael Hertl (kleines Foto, von links), Professorin Kerstin Steinbrink und Dr. Rüdiger Eming leiten die ärztliche Weiterbildung, die auch im Labor der Uni-Hautklinik stattfindet.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Es sind lästige und in Einzelfällen sogar lebensbedrohliche Erkrankungen, für deren Diagnose und Therapie Dermatologen an der Marburger Uni-Hautklinik die Spezialisten sind: Die Rede ist von blasenbildenden Erkrankungen wie dem „Pemphigus“. In Marburg befindet sich ein deutschlandweit anerkanntes Zentrum für die Behandlung dieser Krankheit. „Zwischen 50 und 60 Pemphigus-Patienten kommen pro Jahr an die Hautklinik nach Marburg“, erklärt Professor Michael Hertl, der Direktor der Uni-Hautklinik.

Zusammen mit seiner Kollegin Professorin Kerstin Steinbrink (Mainz) und Dr. Rüdiger Eming leitet Hertl eine einwöchige Fortbildungsveranstaltung zu den bullösen Erkrankungen, wie sie in der Fachsprache heißen. Gekommen sind junge Ärzte aus europäischen Ländern von der Ukraine über Polen bis hin nach Spanien oder Italien, in denen der Erkenntnisstand bei der Behandlung der blasenbildenden Erkrankungen nicht so weit fortgeschritten ist wie in Deutschland. Neben Vorträgen über den aktuellen Stand der Forschung sollen die Nachwuchs-Ärzte in Marburg möglichst viel praktisches Wissen erwerben: bei der Diagnose von Blut- und Gewebeproben im Labor oder zur Frage, wie man Studien anlegt, die zum Verständnis der Erkrankung beitragen können.

Patienten mit schwerer Krankheit können profitieren

Am Uni-Klinikum Marburg werden mehrere neue Therapie-Ansätze entwickelt und erprobt, die zur nebenwirkungsärmeren Behandlung der schmerzhaften und langwierigen Erkrankungen beitragen sollen. Das gilt beispielsweise für eine Blutwäsche, bei der in Zusammenarbeit mit den Nierenheilkundlern des Klinikums Antikörper aus dem Blut der Patienten entfernt werden, und die die Behandlung mit speziellen Medikamenten ergänzt.

In einer von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierten Studie wurden die Effekte dieser Blutwäsche untersucht. Das erste Zwischenergebnis zeigt, dass vor allem Patienten mit schweren Verlaufsformen davon profitieren können, erläutert Professor Hertl.

Die seltene „Pemphigus“-Krankheit, die vor allem Patienten im Alter zwischen 40 und 60 Jahren betrifft, kann sich so ausweiten, dass bis zu 90 Prozent des Körpers von Blasen und offenen Stellen befallen sind. Das besonders Schlimme daran ist, dass die Haut sich zusätzlich zur Blasenbildung flächendeckend ablösen kann. „Die Haut verliert so ihre Schutzfunktion“, erläutert Hertl. Bei anderen blasenbildenden Erkrankungen, die ebenfalls im Mittelpunkt der Fortbildung stehen, sind die Schleimhäute von Mund oder Augen oder Stellen an den Händen, Füßen oder Ellenbogen betroffen.

Bei allen blasenbildenden Erkrankungen bilden Zellen des Immunsystems bestimmte Eiweiße (Antikörper), die im Zusammenwirken mit den körpereigenen T-Zellen Strukturen der Haut angreifen. In der Folge kommt es zur Blasenbildung. Neben den Autoimmunerkrankungen wie der „Pemphigus“-Krankheit, deren Ursachen bisher kaum erforscht sind, gibt es auch blasenbildende Erkrankungen, die auf erbliche Veranlagung zurückzuführen sind und häufig schon im frühesten Kindesalter auftreten.

von Manfred Hitzeroth

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