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Bluttat in Praxis schockt Marburg

Tödlicher Konflikt Bluttat in Praxis schockt Marburg

Vor dem Geschäfts- und Ärztehaus am Bahnhofsvorplatz steht eine Gruppe Arzthelferinnen in ihren kurzärmeligen, blauen Kasacks. Es ist kalt. Mitarbeiter des Kriseninterventionsdienstes bringen Decken. Um sie herum stehen Polizisten, teilweise in schweren Schutzanzügen und mit Gewehren im Anschlag. Der Bahnhofsvorplatz ist weiträumig abgesperrt.

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Marburg. Wo sonst Busse anfahren, reihen sich Notärzte, Rettungswagen und Polizeiautos ein. Mehrere Hundert Menschen stehen auf den Verkehrsinseln des Busbahnhofs, vor ihnen flattert das Absperrband der Polizei. Sie blicken verängstigt, keiner weiß, was genau passiert ist. Manche tuscheln etwas von einer Geiselnahme, andere wollen von Schüssen gehört haben.

Täter besaß einen Waffenschein

Im Ärztehaus, dort befinden sich mehrere Praxen, werde es jetzt keine Sprechstunde mehr geben. Diese Auskunft erteilen die Polizisten den Patienten, die zu ihrem Termin wollen. Auch Post werde dort heute ganz sicher niemand mehr annehmen, handelt sich eine Kurierfahrerin eine Abfuhr ein, als sie in Eile unter dem Absperrband hindurch auf das Haus zusteuert.

Drum herum warten die Menschen. Auf ihre Busse. Und darauf, zu erfahren, was im Ärztehaus eigentlich geschehen ist. Sie schauen gebannt auf das Ärztehaus. In den sozialen Netzwerken überschlagen sich derweil die Nachrichten. Zwei Tote habe es gegeben. Das bestätigt dann auch der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Marburg, Christian Konrad Hartwig, im Gespräch mit der OP.

Am Donnerstagmittag fand die Polizei zwei tote Männer in einer Arztpraxis in der Bahnhofsstraße 30. Es handelt sich um zwei Mediziner.

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Gemeinsam mit Polizeisprecher Martin Ahlich hat er sich ein Bild von der Lage im Ärztehaus gemacht. Nach der erschreckenden Nachricht hat er auch eine beruhigende Information: „Wir haben zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Geschädigten als die zwei tot aufgefundenen Männer.“ Es gebe außerdem keine Hinweise, dass eine Gefahr für die Bevölkerung besteht.

Auch Gerüchte, wonach die Züge nicht in Marburg abfahren können, werden dementiert: Trotz der Absperrung habe es keine Einschränkungen im Bahnverkehr gegeben, teilt eine Bahnsprecherin mit.

Im Laufe des Nachmittags kann die Staatsanwaltschaft mehr über die beiden Toten sagen und dazu, was passiert ist.
Als die Polizei eintraf, fand sie die beiden Männer tot in der Praxis auf, wie Hartwig der OP sagte. Bei den beiden Toten handelt es sich um zwei Radiologen im Alter von 53 und 67 Jahren. Der 53-Jährige soll mehrmals auf seinen älteren Kollegen geschossen und sich dann mit der selben Waffe getötet haben.

Die Waffe wurde neben der Leiche gefunden. Er soll einen Waffenschein besessen haben.

67-Jähriger wollte im Januar neue Praxis eröffnen

Die Ermittlungen laufen seit dem Mittag auf Hochtouren. Die Befragung der Praxis-Mitarbeiter – einige von ihnen befanden sich zur Tatzeit in der Praxis – dauerten bis spät in die Nacht an und werden am Freitag ausführlicher fortgesetzt.

Auch erste Hinweise für ein Motiv zeichnen sich ab: Es habe Streit um die Praxis gegeben. Dabei könnte es um unterschiedliche geschäftliche Interessen gegangen sein. „Das ist zunächst eine Vermutung“, betonte der Staatsanwalt. Beide Radiologen waren nach Informationen der OP bisher Teilhaber der Gemeinschaftspraxis.

Der 67 Jahre alte Mediziner wollte ab Januar eine neue Praxis im Stadtallendorfer Gesundheitszentrum eröffnen (die OP berichtete). Er wollte demnach aus dem Marburger Diagnostikzentrum aussteigen. Möglicherweise wollte er seine Patienten aus der Marburger Praxis mitnehmen. Ob es vor diesem Hintergrund auch Streit um Entschädigungszahlungen gegeben hat, ist unklar.

Nach dem ersten Schock am Nachmittag zeigte sich am Abend die Betroffenheit der Marburger. Vor dem Hauseingang wurden in Gedenken an die Toten Kerzen aufgestellt (Foto: Nadine Weigel).

UPDATE, 16. Dezember, 08.30 Uhr: UKGM bietet Patienten Hilfe an

Der ärztliche Direktor Professor des Uniklinikums Marburg Harald Renz hat gegenüber der OP erklärt, dass das UKGM den Mitarbeitern und Patienten des Diagnostikzentrums helfen wolle. Patienten, die in diesen Tagen dringend geröntgt oder radiologisch diagnostiziert und behandelt werden müssen, können sich unter anderem an das UKGM wenden. Weitere Informationenm erhalten Sie hier.

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Auch die Ärzte am Uniklinikum in Marburg trauern um ihre beiden Kollegen. Am Donnerstag erschoss im Diagnostikzentrum in der Bahnhofstraße ein 53-jähriger Radiologe seinen 67 Jahre alten Kollegen und dann sich selbst.

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Zwei Mediziner sterben durch Schüsse in Marburg

Drama in einer Arztpraxis in Marburg: Am Mittag fand die Polizei zwei tote Männer in einer Gemeinschafts-Facharztpraxis in der Bahnhofsstraße 30. Bei der Bluttat hat ein 53-jähriger Mediziner laut Staatsanwaltschaft erst seinen Kollegen erschossen und dann sich selbst.

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Tödlicher Konflikt
In diesem Ärztehaus in der Marburger Bahnhofstraße erschoss vergangene Woche ein 53-jähriger Radiologe seinen Kollegen. Foto: Thorsten Richter

Nach weiteren Zeugenvernehmungen scheint sich im Fall der beiden toten Radiologen das Motiv eines geschäftlichen Hintergrunds zu bestätigen.

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