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Blutjung geheiratet, 60 Jahre glücklich

Diamantene Hochzeit Blutjung geheiratet, 60 Jahre glücklich

Kinobesuch mit Folgen: Der Zufall brachte Hannelore und Daniel Laukel erst im Kino und später im Leben zueinander.

Hannelore und Daniel Laukel können sich nicht nur über 60 gemeinsame Ehejahre freuen, sondern auch über ihre erste Urenkelin Emma.

Quelle: Ina Tannert

Marbach. Im Kreise ihrer Familie, mittlerweile bestehend aus vier Generationen, sitzen Hannelore und Daniel Laukel zufrieden in ihrem Familienhaus in der Marbach.

Dort hat erst vor fünf Wochen das neueste Familienmitglied Einzug gehalten, ihre Urenkelin Emma. Ganz vernarrt sind die frischgebackenen Urgroßeltern in die Kleine, ineinander verliebte sich das Paar vor mehr als 60 Jahren und legte damals den Grundstein für das heutige ­Familienglück.

Alles begann mit einem Kinobesuch im Jahr 1955, bei dem Kommissar Zufall zuschlug: Das spätere Liebespaar erhielt Plätze nebeneinander zugewiesen, im „Capitol“ lief „Die Familie Hesselbach“. Von den Abenteuern der beliebten Fernsehfamilie der 50er-Jahre bekamen beide wohl nicht allzu viel mit, „wir haben gleich angefangen, uns zu unterhalten“, erinnert sich die Seniorin noch heute mit einem Lächeln.

Ganz Gentleman brachte Daniel Laukel seine Hannelore­ nach dem Filmabend im Regen nach Hause, traf sie jedoch erst Wochen später bei einem Tanzabend wieder. Auf einem Fest in Goßfelden sprang dann der Funke endgültig über zwischen dem damals 18-Jährigen und seiner zwei Jahre jüngeren Flamme, „von da an wurde es ernst“, erzählt der Senior.

Viel zu sehen bekamen die beiden Verliebten erst einmal nicht voneinander, nur sonntags hatte der gebürtige Sterzhäuser Zeit, sich aufs Fahrrad zu schwingen und seine Holde in der Marbach zu besuchen. Er arbeitete als Lokführer bei der Bahn, nebenher in seinem gelernten Beruf als Schmied. Auch sie war als Verkäuferin in einem Marburger Warenhaus voll eingespannt. Nur an den Wochenenden verbrachten beide wertvolle Zeit miteinander und gingen am liebsten spazieren, „das machen wir bis heute gerne“.

Am 3. November 1956 heiratete das Paar, beide damals noch unter 21 Jahre alt. „Wir waren blutjung“, erinnert sich die 77-Jährige noch gut. Daher mussten sich beide auch vom Marburger Amtsgericht erst einmal für volljährig erklären lassen, bevor sie vor den Altar treten konnten. Mit Erfolg, „wir wollten ja unbedingt“, erzählt sie lachend.

Seine gute Laune lässt sich das Paar nicht vermiesen

Zusammen lebten sie einige Zeit in einer Dienstwohnung der Bahn, bauten sich Anfang der 60er-Jahre ein Haus in der Marbach, zum Teil mit den eigenen Händen und mit großem Garten, in denen der Gatte bis heute gerne werkelt. Das Paar bekam zwei Töchter und einen Sohn und kann sich heute über vier Enkel und neuerdings über ihre erste Urenkelin freuen.

Getrübt wurde das große Familienglück nur von dem zeitaufwendigen Beruf des Gatten. Insgesamt 40 Jahre lang arbeitete Daniel Laukel als Lokführer, war ständig im ganzen Land unterwegs und dabei viel zu selten bei seiner wachsenden Familie: „Ich war oft nicht da, fuhr immer durch die Gegend, sie hat alles alleine gemeistert“, erzählt er. Der Beruf bestimmte das gemeinsame Leben, selbst so manches Weihnachtsfest mussten Frau und Kinder ohne ihn feiern, „das war überhaupt nicht schön“, ergänzt Hannelore Laukel.

Doch wie stets nahm das Paar diese Hürde im Leben mit Langmut und machte das Beste daraus, „es war eben so“, sagt er. „So ist das eben, wir haben das trotzdem gut hingekriegt“, ergänzt sie gleichzeitig. Beide stutzen, lachen sich an und erzählen, dass sie ständig die Sätze des anderen beenden oder ergänzen. „Wir haben eine starke Verbindung, oft den selben Gedanken und waren uns schon immer ähnlich“, schwärmt Hannelore Laukel und lächelt ihrem Mann zu. Mit ein Grund, warum das Paar die häufige Trennung voneinander gut verkraftete. Die verlorene Zeit holten sie stets im Urlaub nach, fuhren gerne nach Südtirol und fanden auf Sylt sogar „eine zweite Heimat“. Dorthin reisen sie seit 35 Jahren regelmäßig, der nächste Urlaub ist bereits geplant, auch mit 77 und 79 Jahren sind die rüstigen Senioren noch gerne unterwegs.

Gemeinsam mit ihrer weiter wachsenden Familie können sie heute ihre diamantene Hochzeit feiern und zurückblicken auf 60 nicht immer ganz einfache Ehejahre. Doch auch wenn das gemeinsame Leben so einige Hürden für das fröhliche Paar bereit hielt, ihre gute Laune lassen sich Hannelore und Daniel Laukel wohl von nichts und niemandem vermiesen.

Selbst im Gespräch mit einem Fremden lächelt und lacht sich das Paar immer wieder an, reißt hier einen Witz, bringt dort eine Lebensweisheit. So wie diese: „Was soll man sich ärgern, man muss das Leben nehmen, wie es kommt“, sagt der Hausherr und schmunzelt seiner Herzensdame gleich noch ein weiteres Mal zu.

von Ina Tannert

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