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„Blödsinn“ aus „Nordrhein-Germanien“

Muslimischer Schützenkönig „Blödsinn“ aus „Nordrhein-Germanien“

Dass ein Muslim im westfälischen Werl nur „ausnahmsweise“ Schützenkönig geworden ist, können die Vereine im Landkreis nicht nachvollziehen.

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Marburg. Mihat Gedik ist Schützenkönig der 30000-Einwohner-Stadt Werl in Nordrhein-Westfalen geworden. Das alleine wäre noch keine Meldung wert, wenn nicht anschließend der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS) sein Abdanken gefordert hätte. Denn der 33-Jährige mit türkischen Wurzeln ist Muslim und hätte kein Mitglied des Werler Schützenvereins werden dürfen, der dem katholisch orientierten BHDS angehört

Als Ausdruck von Respekt und Integration würden „ausnahmsweise“ keine Einwände gegen seine Königswürde in seiner Bruderschaft erhoben, teilte der Dachverband in dieser Woche mit. Am Bezirkskönigsschießen dürfe er allerdings nicht teilnehmen.

Die Satzungen unterscheiden sich deutlich

Deutliche Worte für die Diskussion fanden Schützen aus dem Landkreis. „Es ist ein Blödsinn und unmöglich, was da passiert“, sagte Gerhard Dörr, Schützenmeister des Kreises Marburg, dem insgesamt 53 Vereine mit mehr als 4000 Schützen angehören. Diese Vereine sind Mitglied im Deutschen Schützenbund (DSB) und im Hessischen Schützenverband (HSV). „Wir haben eine völlig andere Satzung, die sich gegen die Diskriminierung richtet“, sagte Dörr (siehe: Satzungen). Es gebe viele Mitglieder mit ausländischen Wurzeln - „und die sind aktiv und integriert“, sagte Dörr.

Wenig Verständnis äußerte auch die Pressereferentin des Schützenkreises Marburg, Dagmar Klimm. „Es gibt Satzungen von anno dazumal, die da teilweise in Nordrhein-Germanien gelten“, sagte sie.

Der Zentralat der Muslime in Deutschland (ZMD) rügte solche Vereinssatzungen als nicht mehr zeitgemäß. „Stets fordert man in der Integrationsdebatte, dass Muslime sich auch in Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und auch Schützenvereinen beteiligen sollen“, sagte der Vorsitzende des ZMD-Zentralrats, Aiman Mazyek. „Wir haben immer gesagt: Integration ist keine Einbahnstraße. An diesem Beispiel wird wieder klar, was damit gemeint ist.“

Auch der Kreisverband des Kyffhäuser, der sich in seiner Satzung zu „einem Volk, Vaterland und Staat, zu den Werten der Tradition und zum Guten der Vergangenheit“ bekennt, sieht sich in erster Linie als Schießsportverband. „Unsere Tradition liegt im Militärischen“, sagte Kreisverbandsvorsitzender Erwin Bittorf, der betonte: „Bei uns gibt es Mitglieder aus allen Himmelsrichtungen.“

von Andreas Arlt

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