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Blista-Feier beschließt Jubiläumsjahr

Festakt Blista-Feier beschließt Jubiläumsjahr

Mit einem Festakt für geladene Gäste feiert die in Marburg ansässige Blindenhilfseinrichtung am 22. September ihren 100. Geburtstag.

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Bereits beim Louis-Braille-Festival im Georg-Gaßmann-Stadion feierte die Deutsche Blindenstudienanstalt ihr 100-jähriges Bestehen. Jetzt folgt der offizielle Festakt in der Stadthalle.

Quelle: Nadine Weigel (Archiv)

Marburg. Nicht nur die in Marburg ansässige Blindenstudienanstalt, sondern auch der Deutsche Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf (DVBS) bestehen 2016 seit 100 Jahren. Und so feiern beide Organisationen gemeinsam am 22. September mit einem Festakt in der Stadthalle (Erwin-Piscator-Haus) ihr Jubiläum.

Es ist für die Blista der letzte große Akt in diesem Jubiläumsjahr. Schon bei der großen Ausstellung im Marburger Schloss sowie beim sehr gut besuchten Louis-Braille-Festival für Bewegung, Spiel und Sport im Georg-Gaßmann-Stadion standen die Bildungseinrichtung für Blinde und Sehbehinderte sowie ihre Schüler und Lehrer drei Tage lang im Mittelpunkt.

Und jetzt wird es ganz offiziell: Am Donnerstag, 22. September, haben sich viele prominente Gäste angekündigt. So wird Ex-Bundespräsident Horst Köhler, dessen Tochter vor einigen Jahren auch Blista-Schülerin war, ein Grußwort halten. Die Blista mache beeinträchtigten Menschen Mut, ein gutes und selbstbestimmtes Leben zu führen und fördere gleichzeitig den Dialog mit den Sehenden, meint Köhler.

Weitere Gastredner sind die Bundesbehindertenbeauftragte Verena Bentele sowie Hessens Sozialminister Stefan Grüttner.

Für Blista-Direktor Claus Duncker vereint ein Foto alles, was er mit dem Jubiläum verbindet. Das Foto zeigt auf einem großen Blumenbeet in der Wiese blühende gelbe Narzissen, die die Zahl 100 in Punktschrift bilden.

Dieses Blumenbeet symbolisiert für Duncker jedenfalls „die herausragende Pionierarbeit der Gründer“ und die lange Tradition der Bildungs- und Unterstützungsarbeit für blinde und sehbehinderte Menschen.

Kriegsblinden Blindenschrift beigebracht

„Jeder, der über diesen Campus geht, spürt, dass die Blista nicht in der Vergangenheit verhaftet, verknöchert und verstaubt ist“, meint der Direktor. Bunt, anregend, unterhaltend und vielfältig sollten die Feiern sein, hofft Duncker.

Im September 1916 - mitten im Ersten Weltkrieg - wurde die Deutsche Blindenstudienanstalt (Blista) in Marburg gegründet.

Damals wurde in der Universitätsstadt Marburg damit begonnen, Kriegsblinde zu behandeln und ihnen die Blindenschrift beizubringen.

Bereits im Jahr 1915 hatte Professor Alfred Bielschowsky, der damalige Direktor der Marburger Universitäts-Augenklinik, Umschulungskurse zur Erlernung der Blindenschrift eingerichtet. Carl Strehl, ein blinder Student, sollte diese Kurse leiten.

Strehl gründete dann auch im März 1916 den Verein blinder Akademiker Deutschlands.

Dessen Hauptziele waren die Beschaffung und Herstellung von wissenschaftlicher Fachliteratur sowie die Studien- und Berufsberatung blinder Akademiker.

Im September 1916 fand dann in der deutschen Hauptstadt Berlin eine Konferenz - unter anderem mit Vertretern von Ministerien, Soldatenverbänden und Augenärzten - statt, bei der beschlossen wurde, die Deutsche Blindenstudienanstalt in Marburg einzurichten. Der erste Direktor der Einrichtung wurde Bielschowsky, als Geschäftsführer wurde Strehl berufen. Längst gilt Marburg als die deutsche Blinden-Hauptstadt.

Seit damals ist die Blista ein deutschlandweit einmaliges Bildungs- und Hilfsmittelzentrum für Blinde und Sehbehinderte, an das auch die Carl-Strehl-Schule, das einzige deutsche Gymnasium für Blinde in Deutschland, angegliedert ist.

von Manfred Hitzeroth

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