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Blackout führt zu Freispruch

Aus dem Amtsgericht Blackout führt zu Freispruch

Weil sie angeblich eine Schlägerei anzettelten, dabei zwei junge Männer verletzten, mussten sich zwei Marburger vor dem Amtsgericht verantworten. Eine Mitschuld 
konnte beiden nicht 
nachgewiesen werden.

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Zur Schlägerei am Rudolphsplatz gab es vor Gericht keine eindeutigen Zeugenaussagen.

Quelle: dpa

Marburg. Weder die Geschädigten noch andere Anwesende der nächtlichen Prügelei am Rudolphsplatz konnten eine Beteiligung der Angeklagten ausreichend bezeugen. Die Beschuldigten wurden deshalb von allen Vorwürfen freigesprochen.

Dass es Mitte September vergangenen Jahres eine wilde, folgenschwere Schlägerei zwischen fünf bis acht beteiligten Männern gab, daran besteht kein Zweifel. Die beiden Opfer erlitten diverse Verletzungen, darunter ein Schädelhirntrauma, mehrere Platzwunden am Kopf und im Gesicht sowie schmerzhafte Schwellungen am ganzen Körper.

Laut Anklage leierten die beiden Beschuldigten die Auseinandersetzung in den frühen Morgenstunden an, sollen die beiden Opfer zu Boden geschlagen und mehrfach getreten haben. Vor Gericht machten sie keine Angaben zur Sache. Beide hielten sich nachweislich am Tatort auf.

Geschädigter konnte Täter nicht genau erkennen

Angeblich begann einer der Bekannten die beiden entgegenkommenden Männer anzupöbeln, zu beleidigen und anzurempeln. Es folgte eine Rangelei, zu der weitere Personen aus der Gruppe der Angeklagten hinzukamen.

Dann erlischt das Erinnerungsvermögen der beiden stark alkoholisierten Geschädigten. „Ich hatte einen totalen Blackout“, sagte einer der Zeugen. Erwacht sei er erst wieder auf dem Boden liegend, während mehrere Männer auf ihn eintraten. Die Täter habe er nicht genau erkennen können.

Sein Freund meinte, einen der beiden Angeklagten, einen angeblich bekannten Marburger Schläger, gesehen zu haben. Beide Opfer mussten im Krankenhaus behandelt werden. Auch einer der Angeklagten erlitt in dieser Nacht eine Platzwunde am Kopf, sein Kumpel telefonierte aus der Klinik heraus mit der Polizei, gab die Anwesenheit der beiden am Rudolphsplatz zu, nicht jedoch die Vorwürfe.

Andere Zeugen konnten ebenfalls nur wenig zur Aufklärung des Falles beitragen, einige berichteten von Hilferufen aus der versammelten, laut pöbelnden Gruppe heraus. Welcher der Beteiligten wen und auf welche Weise geschlagen oder getreten hatte, konnte keiner der Zeugen genau erklären. „Einer lag am Boden, zwei andere liefen weg“, sagte eine Frau. Ein weiterer Anwesender meinte, beide Angeklagten aus einiger Entfernung gesehen zu haben, wie sie auf einen Dritten einschlugen.

Staatsanwalt plädiert für Freispruch

Die vermeintliche Schlussfolgerung zweifelte die Verteidigung an und verwies auf gewisse Ungereimtheiten in der polizeilichen Aussage des Zeugen. „Das hört sich aber ganz anders an als damals“, empörte sich Verteidiger Dr. Dietmar Ricke.

Die beiden Geschädigten seien „übel zusammengeschlagen“ worden, die Frage, ob die beiden Angeklagten daran beteiligt waren, konnte vor Gericht jedoch nicht geklärt werden, fasste Oberstaatsanwalt Holger Willanzheimer die Beweisaufnahme zusammen.

Wenig aussagekräftige Vermutungen der Zeugen „reichen da nicht aus“, sagte der Anklagevertreter und befürwortete einen Freispruch. Dem schlossen sich Verteidigung wie auch Strafrichterin Melanie Becker an. „Tathandlungen sind von keinem der Anwesenden festgestellt worden“, ein Freispruch sei hier der einzige Weg, schloss die Richterin.

von Ina Tannert

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