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Bimmelbahn quetscht sich durch Gasse

Schlossbahn auf neuer Route Bimmelbahn quetscht sich durch Gasse

Enge Kiste: Die Schlossbahn fährt wegen der Baustelle auf dem Marktplatz seit dieser Woche durch das Kalbstor und die Ritterstraße. Gegenverkehr hat dann keine Ausweich-Chance, fürchten Oberstadt-Anwohner.

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Zentimeterarbeit in der Oberstadt: Die Schlossbahn auf ihrer neuen Route durch das Kalbstor (kleines Foto, unten) und über den Obermarkt – wo die Schranke regelmäßig zugeparkt ist.

Quelle: Björn Wisker

Marburg. Schon im Normalfall ist die Ritterstraße für Autofahrer eine Herausforderung. Jedoch gibt es für Pkw, die sich gegenüberstehen, schmale Rangier- und Ausweichmöglichkeiten. Kommt den Autofahrern auf der Strecke ab sofort die Schlossbahn entgegen, hat das zur Folge, dass sie bis zur Landgraf-Philipp-Straße oder bis zur Mainzer Gasse ausweichen müssen - rückwärts, vorbei an Fußgängern. Denn: „Ein Rückwärtsfahren der Schlossbahn ist technisch nicht möglich“ , heißt es von der Stadtverwaltung auf OP-Anfrage.

Die Situation sorgt für Ärger in der Oberstadt. „Bis das Ding da durchgetuckelt ist, vergehen viele Minuten“, sagt Bärbel Kaufmann. Es gebe auf der ohnehin schmalen Straße noch zusätzliche Engstellen, hervorstehende Steine; sobald ein Lieferfahrzeug am Rand parke, werde die Schlossbahn steckenbleiben - womit die alte Gasse verstopft ist, selbst für Rettungswagen. „Wir sehen die gefährliche Situation, die aus der Umleitung der Schlossbahn durch die Ritterstraße entstanden ist“, sagt Goharik Gareyan, Ortsbeirats-Vorsitzende auf OP-Anfrage.

Laut Straßenverkehrsbehörde gebe es entlang der Oberstadtstrecke aber „genügend Ausweichmöglichkeiten für den Gegenverkehr“, in den meisten Straßenabschnitten sei rechtzeitige Sicht auf den Gegenverkehr möglich. In der Ritterstraße herrsche ohnehin „geringes Verkehrsaufkommen“, Begegnungen mit der Schlossbahn dürften „die Ausnahme darstellen“. Das sehen Anwohner anders: Lieferverkehr, Postautos, Handwerker, so mancher fehlgeleitete Schloss-Tourist fahre durch das Kalbstor. Und einige stellen ihr Auto stundenlang in der Gegend ab, Strafzetteln zum Trotz. Im Ortsbeirat gibt es nun Überlegungen, auch das Be- und Entladen in dem verkehrsberuhigten Bereich vorübergehend zu untersagen. Vor allem vor dem ehemaligen Altenheim in der Ritterstraße stehen regelmäßig Autos, die - selbst mit Strafzetteln versehen - die Straße verengen.

Rat der Stadtverwaltung: Anwohner sollten sich während der Bauarbeiten - ab jetzt bis November - nach dem Fahrplan der Schlossbahn richten, wenn man mit seinem Auto die Oberstadt in Richtung Wilhelmsplatz verlassen wolle. „Stinkesauer macht mich das“, sagt Kaufmann. Um Begegnungen zu verringern oder ganz zu vermeiden, bereitet die Stadt entsprechende Bürger-Informationen vor, zu welcher Uhrzeit genau die Bahn auf dem Abschnitt Sybelstraße bis Oberer Markt unterwegs ist. Die Abfahrtzeiten der Schlossbahn (Deutschhausstraße): mittwochs bis sonntags 10.40, 12.40 und 14.40 Uhr. Problem speziell für Unternehmer, ob nun in der Oberstadt ansässig oder vorübergehend in der Altstadt tätig: Kurzfristige Termine wahrzunehmen, könnte zum Problem werden. Daher fordern Kaufmann - und mit ihr weitere Anwohner -, die Schranke am Obermarkt für die Dauer der Marktplatzbaustelle für alle Oberstädter zu öffnen.

Schranke am Obermarkt wird nicht für alle geöffnet

Das lehnen die Behörden ab, nur die Bimmelbahn dürfe über Markt und Wettergasse in die Stadt fahren. Eine andere Praxis habe „eine Zunahme des gesamten Verkehrs in der Ritterstraße zur Folge“. Somit würde es auch wiederum mehr Begegnungsverkehr mit der Schlossbahn geben. Außerdem könne nicht ausgeschlossen werden, dass dann größere Fahrzeuge die Ritterstraße befahren, die aber am Kalbstor nicht mehr weiterkämen. Zudem habe die Erfahrung gezeigt, dass „bei einer Regelung für alle Anwohner die Schranke die meiste Zeit offensteht“ und damit alle versuchen, den Marktplatz über die Ritterstraße zu verlassen. Die Schranke kann aber auch für die Schlossbahn zum Hindernis werden: wenn sie zugeparkt ist. Etwas, das „recht regelmäßig“ passiere, sagt Michael Wehmer, ein Student, der nahe der Schranke wohnt, zur OP.

Versperrt war der Weg für die Schlossbahn auch am Mittwochmittag. Minutenlang blockierte ein Auto die Strecke, die Touristen mussten aussteigen, der Schlossbahnfahrer warten und sich dann, als der parkende Pkw losfuhr, an seitlich stehenden Lieferwagen vorbeizwängen. „Eng ist für uns relativ, bisher kamen wir noch überall durch“, sagt Herbert Brunett von der Betreiberfamilie, die durch die Umleitung Zeitverzögerungen im Fahrplan und unzufriedene Gäste fürchtet. Die neue Route ist aber laut Stadtverwaltung die einzig mögliche vom Schloss über den Marktplatz in die Stadt.

von Björn Wisker

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