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„Bildarchiv auf die Lahnberge“

IG-Marss-Forderung „Bildarchiv auf die Lahnberge“

Die „Initiativgruppe Marburger Stadtbild und Stadtentwicklung“ (IG Marss) fordert, die Planungen für das Bildarchiv Foto Marburg auf dem  Uni-Campus sofort einzustellen.

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Auf dem alten Brauereigelände sollen - in unmittelbarer Nachbarschaft zum Forschungsgebäude Deutscher Sprachatlas (hinten) –  Bildarchiv und Seminarräume für Foto Marburg entstehen.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Vorstandssprecher Claus Schreiber hat eine Schreckensvision: „Die Tage des Alten Botanischen Gartens sind gezählt“, glaubt der Stadtbild-Aktivist und gibt daran der Universität die Schuld. Sie habe den Garten systematisch mit Neubauten umgeben. „Selbst unattraktivere Städte als Marburg achten darauf,  dass ihre Plätze und Gärten erhalten und durchlüftet bleiben“, klagt Schreiner.

Neben der neuen Universitätsbibliothek sollen auf dem ehemaligen Brauereigelände der neue Deutsche Sprachatlas entstehen, zwei weitere vierstöckige Bauten für Seminarräume und Bildarchiv Foto Marburg sollen am Pilgrimstein folgen.
Eine „glückliche Fügung“ nennt Bürgermeister und Baudezernent Dr. Franz Kahle (Bündnis 90/Die Grünen) diese Konstellation: „Das passt inhaltlich, und wir haben die Chance, dem weit über Marburg hinaus bekannten Bildarchiv Foto Marburg schnell ein angemessenes Gebäude zur Verfügung zu stellen.“  Die europaweite Ausschreibung für die Architekten ist vergangene Woche erfolgt. Die Baukosten für beide Gebäude sollen rund 17,6 Millionen Euro betragen, insgesamt umfasst das Investitionsvolumen für Bau und Ausstattung 18,7 Millionen Euro. Die Kosten werden je zur Hälfte von Bund und Land getragen. Im Jahr 2020 soll das Gebäude bezugsfertig sein.

Schon lange kämpft die IG Marss gegen die Bebauung des Campus Firmanei, sie kritisiert unter anderem die „Umzingelung“ des Botanischen Gartens und die Schlichtheit der Fassaden.In einem Brief an den Hessischen Wissenschaftsminister Boris Rhein schlägt die IG Marss nun vor, die Planungen für das Bildarchiv Marburg sofort zu stoppen.

Krause: „Wer will das verantworten?“

Stattdessen solle ernsthaft geprüft werden, ob das leerstehende Gebäude der alten Chemie auf den Lahnbergen als Standort für Foto Marburg in Frage kommt. „Ein Bildarchiv, das neben anderen für seine Fotosammlungen von weltberühmter Architektur berühmt ist, wäre sehr gut in einen Bau aufgehoben, der ein Kulturdenkmal für eine besondere Marburger Architektur und Bauweise darstellt“, sagt Schreiner. Es sei zudem  sinnvoll, leerstehende Gebäude neu zu beleben und damit zu erhalten .

„Völlig absurd“ nennt Universitätspräsidentin Professorin Katharina Krause dieses Ansinnen. Wenn man dem Vorschlag folge, müsste, so Krause, die Bundesförderung für die Bebauung des Campus Firmanei zurückgegeben werden, zudem würde der Bau von Foto Marburg aus der Landesförderung herausgenommen. „Wer will das verantworten?“, fragt Krause.

Die Universitätspräsidentin verweist zudem auf den „Masterplan Lahnberge“ aus dem Jahr 2008, der die Grundlage für die bauliche Neuordnung der Philipps-Universität darstellt. Er sieht im Grundsatz vor, dass im Lahntal wie bisher die Gebäude für die Geisteswissenschaften konzentriert sein sollen und die  Lahnberge für Medizin und Naturwissenschaften „reserviert“ sind.

„Die Naturwissenschaften brauchen ausreichend Platz auf den Lahnbergen, um sich zukunftsfest zu entwickeln“, sagt Kahle. Eine andere Nutzung wäre eine „Fehlentwicklung“, ergänzt Kahle und verweist beispielsweise auf den geplanten Umzug der Physik auf die Lahnberge.

Das alte Chemiegebäude auf den Lahnbergen stammt aus den 70er Jahren und darf, da denkmalgeschützt, nicht ohne weiteres abgerissen werden. Die Diskussion um die Nutzung des Gebäudes, das nach der Einweihung des Neubaus für die Chemie leersteht, erhielt neue Nahrung durch einen Vorschlag der lokalen Agendagruppe, die sich vorstellen kann, die alte Chemie umzubauen und für studentisches Wohnen zu nutzen.  Sanierungskosten: geschätzte 130 Millionen Euro.

Uni-Präsidentin Professorin Krause jedenfalls  kann sich eine Nutzung des Gebäudes durch die Unterbringung des Bildarchivs Foto Marburg nicht vorstellen: Die alte Chemie  ist um ein vielfaches größer als der Platzbedarf für das Bildarchiv Foto Marburg.

Der Zeitplan der Universität sieht vor, dass Ende Juni über den besten Entwurf entschieden wird. Baubeginn soll Anfang 2017 sein, 2019 soll das Bildarchiv einziehen können.

von Till Conrad

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