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Bewegung und gute Ernährung helfen

Bluthochdruck Bewegung und gute Ernährung helfen

Am Sonntag ist Welthypertonie-Tag. Der Marburger Mediziner Professor Joachim Hoyer erläuterte im Gespräch mit der OP, was Sie alles zum Thema Bluthochdruck wissen sollten.

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Professor Joachim Hoyer misst den Blutdruck bei seiner Sekretärin Ingrid Kienbaum. Regelmäßige Blutdruckmessungen sollten mindestens einmal pro Jahr erfolgen.

Quelle: Manfred Hitzeroth

Marburg. Das Motto des Welthypertonie-Tags am 17. Mai lautet „Bewegung, Entspannung und gesunde Ernährung“. Alle drei Faktoren sind mitentscheidend dafür, die Entstehung von Hypertonie (Bluthochdruck) zu vermeiden, erklärt Professor Joachim Hoyer vom Marburger Uni-Klinikum im Gespräch mit der OP. Hoyer ist einer der deutschlandweit führenden Experten in der Bekämpfung und Erforschung von Hypertonie.

Eine schlechte Ernährung, zu viel Stress im Job sowie zu wenig Bewegung: das sind die Hauptfaktoren dafür, dass es zu Bluthochdruck kommen kann. Seit Jahren wird in Präventionsprogrammen und Aufrufen dafür geworben, dem entgegenzusteuern.

Doch auch Professor Hoyer weiß, dass solche Kampagnen wie jetzt wieder anlässlich des Welthypertonie-Tags nicht immer sehr erfolgreich sind. „Für viele ist es schwer, die Ratschläge umzusetzen“, sagt Hoyer. Er appelliert jedoch, dass man zunächst einmal mindestens an einem dieser Risikofaktoren arbeiten sollte.

Wenig Salz und tierische Fette

In Bezug auf die gesunde Ernährung geht es vor allem darum, bei Übergewicht eine Gewichtsreduktion zu erreichen. Wenig Salz und tierische Fette, dafür viel Obst und Gemüse, kaltgepresste Öle und fettarme Milchprodukte: das sind die wichtigsten Anregungen für eine gesündere Ernährung, die den Bluthochdruck zu vermeiden hilft. Ausreichend Bewegung bedeutet, sich mindestens vier Mal in der Woche 30 Minuten zu bewegen – beim Radfahren, Laufen oder Schwimmen. Ausdauersportarten wie Fahrradfahren, Schwimmen, Wandern, Nordic Walking, Joggen und Skilanglaufen sind fur Hypertoniker besonders gut geeignet, weil sie den Blutdruck unter Belastung nur wenig erhöhen.

Entspannung und weniger Stress: Diesen dritten Faktor in den Griff zu bekommen, auch das ist leider nicht so ganz einfach von der Theorie in die Praxis umzusetzen.

Dass die Präventionstipps für eine Vermeidung von Hypertonie prinzipiell sehr ähnlich sind wie die Tipps zur Schlaganfall-Vermeidung, das kommt nicht von ungefähr. „Bluthochdruck ist neben Zigarettenrauchen, fettem Essen und Übergewicht einer der häufigsten Risikofaktoren für die Schlaganfall-Entstehung“, erklärt Professor Hoyer. Und das Vorhofflimmern, das einem Herzinfarkt vorausgeht, beruht zu rund 10 Prozent ebenfalls auf Bluthochdruck. Auch das Risiko für Gefäßverkalkungen sowie Augen- und Nierenschäden steigt mit erhöhten Blutdruckwerten.

Da Bluthochdruck keine spezifischen Symptome verursacht, fällt er meist erst in einem fortgeschrittenen Stadium auf und muss häufig medikamentös behandelt werden. Welche Medikamente am besten geeignet sind, müssen Arzt und Patient gemeinsam herausfinden. Bereits geringfügig erhöhte Blutdruckwerte erhöhen die Gefahr für Folgeerkrankungen und müssen ärztlich abgeklärt werden. Das Herz pumpt das Blut durch den Körper und versorgt so Gewebe und Organe mit lebenswichtigen Stoffen. Damit das Blut jeden Bereich im Körper erreichen kann, muss es unter Druck durch die Gefäße hindurchfließen. Dieser Druck wird Blutdruck genannt.

Bluthochdruck liegt vor, wenn wiederholt Blutdruckwerte über 140 zu 90 mm/Hg durch einen Arzt gemessen werden. Um sicherzugehen, dass man keinen zu hohen Blutdruck hat, sollte man regelmäßig – mindestens einmal im Jahr – seinen Blutdruck messen lassen. Dabei sollte man jeder Messung eine Ruhephase von mindestens einer Viertelstunde vorangehen lassen, erläutert Professor Hoyer. In diesem Zeitraum sollte der Arm schon einmal ruhig senkrecht angewinkelt liegen.

Gezielte Therapien am Klinikum

Während die Patienten mit nur leicht erhöhtem Blutdruck oder mittleren Bluthochdruck meistens Fälle für die niedergelassenen Ärzte sind, werden im Marburger Uni-Klinikum diejenigen Patienten mit schweren Hypertonie-Formen behandelt, deren dauerhafter Hochdruckwert über 160 mm/Hg oder in einzelnen Fällen sogar über 180 liegt. Im sogenannten Hypertonie-Zentrum des Uni-Klinikums arbeiten Mediziner aus der ­Nephrologie (Nierenheilkunde), Neurologie, Endokrinologie, Kardiologie und Gynäkologie zusammen. Nicht nur bei Nierenerkrankungen, sondern auch bei Herz-Kreislauferkrankungen sowie bei Schwangerschaften kann Bluthochdruck eine wichtige Rolle spielen.

Im Klinikum gibt es gezielte Therapien für die Hypertonie-Patienten, die „dauerhaft eingestellt werden müssen“, wie Hoyer erläutert. Neben einer Kombination von Medikamenten werden dort verschiedene Zusatzmethoden angewendet wie beispielsweise einen Schrittmacher, der an der Hals-Schlagader eingesetzt wird.

von Manfred Hitzeroth

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