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Bevölkerungsstruktur durchmischen

OB-Wahlkampf Bevölkerungsstruktur durchmischen

Bei einer Podiumsdiskussion im Waldtal äußerten sich die OB-Kandidaten unter anderem zur  Wohnraum-Situation im Stadtteil, dem öffentlichen Nahverkehr und der Unterbringung von Flüchtlingen.

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An der Podiumsdiskussion im St.-Martin-Haus im Waldtal nahmen alle Kandidaten teil. Marius Beckmann (Die Partei) hatte – wie immer – sein pinkes Einhorn mit.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Im St.-Martin-Haus entwickelte sich eine muntere Diskussion, an der auch das Publikum lebhaft teilnahm. Zwar waren sich die OB-Kandidaten in vielen grundlegenden Dingen einig, hatten jedoch unterschiedliche Positionen zu Detailfragen.

Neuer (sozialer) Wohnraum im Waldtal und in Marburg

Sozialer Wohnungsbau soll über das gesamte Stadtgebiet verteilt werden und nicht auf einige Außenstadtteile wie den Richtsberg oder eben das Waldtal abgewälzt werden – so sahen es die Diskussionsteilnehmer unisono. Lediglich der parteilose Kandidat Rainer Wiegand wollte dazu keine Aussage treffen, da er als Oberbürgermeister nur in dem Rahmen handeln könne, den ihm das Stadtparlament vorgebe.

Jan Schalauske (Linke) verwies zwar auf Studien, nach denen es wichtig sei, Sozialwohnungen über die Stadt zu verteilen und nicht an einem Standort zu konzentrieren. Dennoch sei es auch für das Waldtal, in dem der Anteil des sozialen Wohnungsbaus bereits hoch ist, gut, wenn dort ein Teil von neugeplanten Wohnungen entstehe. Dies gehe nämlich – etwa durch Barrierefreiheit – einher mit der Verbesserung der Lebensqualität im Quartier. In diesem Fall müsse jedoch darauf geachtet werden, „dass dort auch Bewohner des Waldtals einziehen können und nicht Personen von außerhalb bevorzugt werden.“ Unterstützung erhielt Schalauske vonseiten Dr. Elke Neuwohners (Grüne). Auch sie ist der Ansicht, dass Wohnungsbaugesellschaften wie die städtische Gewobau nicht rein betriebswirtschaftlich denken sollten, sondern „in der Pflicht“ seien, mehr zu bauen und dabei verstärkt größere Wohnungen für Wohnprojekte oder Familien bereitzustellen. Dies müsse „besser gemacht werden, als zum Beispiel im Ginseldorfer Weg“.

Dr. Thomas Spies (SPD) gab zu bedenken, dass „mehr Wohnraum auch mehr Verdichtung bedeutet“. Daher müsse man im Bezug auf das Waldtal „gucken, wie viel der Stadtteil verträgt“. Entscheidend sei dort: „Der Anteil von barrierefreiem Wohnraum muss steigen – da müssen die Häuser hier wieder dem Standard angenähert werden.“ Dirk Bamberger (CDU) sieht im Waldtal „keine Potenziale mehr, zu verdichten“. Das Viertel zeichne sich durch „Naturnähe“ aus. Neuer Wohnraum könne nur zulasten der Gärten und Wälder entstehen. „Ich weiß nicht, ob die Leute das wollen“, so Bamberger. Auch er sieht „großen Sanierungsbedarf beim Bestand“, der energetisch saniert und barrierefrei gemacht werden müsse.

„Ich mag Bäume“, sagte Marius Beckmann (Die Partei), der Bamberger daher zustimmte. Potenzial für mehr Wonhraum sehe er nur „in Hausbooten, falls die geflutete Oberstadt Schule macht“, oder in Mehrgenerationen-WGs. Das Modell, dass Studenten günstig oder umsonst bei älteren Menschen wohnen, ihnen dafür im Alltag behilflich sein könnten, sei ein mögliches Zukunfts-Konzept.

Bamberger erkennt im Waldtal zudem „großes Potenzial als Wohnstandort attraktiver zu werden“, aufgrund der Nähe zu den Lahnbergen. Er wolle dort „keinen Verdrängungswettbewerb“ entstehen lassen, sieht aber Chancen auf eine stärkere Durchmischung in der Wohnstruktur.

Bei der Frage nach einer möglichen Sozialwohnungs-Quote für neue Bauvorhaben, sprachen sich Schalauske und Beckmann dafür aus. Spies und Bamberger erklärten, sich eine solche Regelung zumindest vorstellen zu können.

Öffentlicher Nahverkehr (Busanbindung ins Waldtal)

Für eine Busanbindung vom Waldtal in die Innenstadt wollen sich alle Kandidaten einsetzen. Nachdem die Linie 3 nicht mehr bis zur St.-Martin-Straße fährt, gibt es nur noch eine Verbindung über den Ortenberg, wogegen die Waldtal-Bewohner eine Unterschriftenaktion mit 276 Stimmen gestartet hatten. Diese Liste „unterstreicht die Notwendigkeit dieser Verbindung“, sagte Schalauske. Aus seiner Sicht „ist der ÖPNV nicht betriebswirtschaftlich zu organisieren“. Auch Neuwohner glaubt, dass „bei der Daseinsfürsorge die Wirtschaftlichkeit eine untergeordnete Rolle spielen muss“. Es sei nachvollziehbar, wenn bei den Stadtwerken immer wieder ein neuer Blick auf die Linienführung geworfen werde, so Spies. „Manchmal werden bei den Planungen dann aber bestimmte Bedarfe nicht mitgedacht“, ergänzte Neuwohner. Spies will eine erneute Anbindung ebenfalls „entschieden unterstützen“.

Für Bamberger ist „unerheblich, welche Linie ins Waldtal fährt“, er wolle sich aber dafür einsetzen, dass es eine Anbindung in die Innenstadt gebe. Auch Beckmann und Wiegand wollen mehr Busse in Außenstadtteile fahren lassen. „Die Linie 3 soll es gefälligst wieder geben“, sagte Beckmann.

Unterbringung von Flüchtlingen

Alle Kandidaten wollen Flüchtlinge auf das gesamte Stadtgebiet verteilen und nicht den ärmeren Vierteln die Aufnahme überlassen. Beckmann und Wiegand wollen sogar eine größere Konzentration in der Oberstadt und im Südviertel. Neuwohner und Spies hoben in diesem Zusammenhang speziell für das Waldtal die Bedeutung des geplanten Nachbarschaftszentrums hervor.

von Peter Gassner

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