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Bett statt Baum für kranke Kinder

Weihnachten in der Klinik Bett statt Baum für kranke Kinder

Weihnachten mit Familie und Freunden feiern – dieses Glück haben an Heiligabend nicht alle. 40 Kinder können wegen teils schweren Krankheiten nicht nach Hause, verbringen die Feiertage in der Klinik. Ärzte, Pfleger und Eltern versuchen, den Jungen und Mädchen trotzdem eine schöne Zeit zu bereiten.

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Die dreijährige Melina ist an einer schweren Bronchitis erkrankt und muss Weihnachten in der Marburger Kinderklinik verbringen. Kinderkrankenpflegerin Selina Majewski (links) und Mutter Susanne Kreidel wollen ihr trotzdem ein schönes Fest am Krankenbett ermöglichen.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. Weihnachtsbaum schmücken, gemeinsam Geschenke auspacken, Musik hören, singen, Leckereien kosten oder Spiele spielen – an Heiligabend zu Hause sein, dieser Wunsch geht heute für einige kranke Kinder in Erfüllung.

Doch wie Dutzende Erwachsene auf anderen Stationen, müssen 40 junge Patienten die Weihnachtstage im Krankenhaus verbringen. Besonders die chronisch kranken Patienten in den pädiatrischen Abteilungen sind davon betroffen.

Für diese haben sich die Mitarbeiter etwas Besonderes ausgedacht, um auch im Krankenzimmer eine heitere Weihnacht haben zu können und für einige Stunden nicht an den Schrecken der bisweilen schweren Krankheit denken zu müssen.
„Weihnachten wird dann einfach in die Klinik verlegt und das Beste daraus gemacht“, sagt Katharina Eidam, eine erfahrene Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin. Auch sie wird die Feiertage an ihrem Arbeitsplatz verbringen. Alle Mitarbeiter der verschiedenen Kinder-Stationen legen sich zum Fest besonders ins Zeug, um ihren Schützlingen ein Lächeln in die Gesichter zu zaubern. Pfleger und Ärzte versorgen sich schon im Vorfeld mit kleinen Aufmerksamkeiten, der Krankenhauskindergarten bereitet unzählige Geschenke vor. Unter einem festlich geschmückten Weihnachtsbaum aus Plastik – ein echter Baum ist aufgrund der Keimbelastung nicht geeignet – warten allerhand bunte Päckchen auf die Kinder, gemeinsames Singen und Spielen darf dabei natürlich auch nicht fehlen.

Darauf kann sich auch die kleine Melina freuen. Die Dreijährige ist an einer schweren Bronchitis erkrankt, bekommt schlecht Luft und muss über die Feiertage auf der Infektionsstation bleiben. Mutter Susanne Kreidel hat ihr Bett direkt neben dem ihrer Tochter und das Familienfest bereits kurzerhand umgeplant. Anstatt wie geplant zu Oma und Opa zu fahren, feiert die Verwandtschaft mit Melina in der Klinik.

Während viele Patienten der Kinder-Intensivstation oder der Frühchenabteilung über die Feiertage in der Klinik bleiben müssen, sieht es auf anderen Stationen schon besser aus. So haben etwa die Mitarbeiter der chirurgischen Station in diesem Jahr tolle Nachrichten für ihre Pfleglinge: Sehr wahrscheinlich können alle Patienten das Weihnachtsfest zu Hause mit ihren Familien feiern.

Am Tag vor Heiligabend: größte Visite des Jahres

Die Chirurgie konnte glücklicherweise auf Operationen rund um die Feiertage verzichten. Im Rahmen der medizinischen Möglichkeiten plant die Station im Voraus, damit die Kinder zu Weihnachten zumindest für einige Zeit nach Hause können. „Wir bemühen uns, dass so wenig Kinder wie möglich hier bleiben müssen“, erklärt Krankenschwester Katharina Eidam.

Für die Kinder, die im Krankenbett bleiben müssen, gab es dafür bereits am Dienstag eine besondere Überraschung: Das Highlight in der Kinderstation ist jedes Jahr die traditionelle Weihnachtsvisite am 23. Dezember. So wanderten die Mitarbeiter aller Stationen der Kinder- und Frauenklinik durch die Patientenzimmer und verbreiteten Weihnachtsstimmung wo sie konnten, freute sich Pflegedienstleiterin Erika Hallenberger.

Zahlreiche Krankenpfleger, alle fünf Chefärzte und die Pflegedienstleitung versammeln sich jedes Mal an Weihnachten zur „größten Visite des Jahres“.

Während sich die Kinder über Geschenke, Spielzeug und Kuscheltiere, gespendet von gemeinnützigen Vereinen und Firmen der Region, freuen konnten, erhielten die großen Patien­tinnen bunte, von der Klinik
organisierte Blumensträuße.

Weihnachten hat eben keinen festen Standort und ist nicht nur im eigenen Wohnzimmer, sondern gerade auch in der Kinderklinik eine besondere Zeit, sind sich alle Mitarbeiter einig.

von Ina Tannert

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