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Betrunkener wirft mit Aschenbecher

Aus dem Gericht Betrunkener wirft mit Aschenbecher

Weil er kein weiteres Bier mehr bekam, warf ein 
alkoholkranker ehemaliger Marburger einen schweren Aschenbecher in den Thekenbereich einer städtischen Bar, verfehlte nur knapp mehrere anwesende Gäste.

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Der Angeklagte hatte einen schweren Aschenbecher in Richtung der Theke geworfen.

Quelle: Archiv

Marburg. Im September vergangenen Jahres tourte der Mann durch verschiedene Marburger Kneipen, konsumierte erhebliche Mengen Alkohol. „Etwa 15 Bier und ebenso viele Kurze“, glaubte der Beschuldigte sich während der Verhandlung zu erinnern.

Nachdem ihm der Barmann einer Kneipe in der Oberstadt weiteren Alkohol verweigert hatte, rastete der Betrunkene aus, fing an die Anwesenden anzupöbeln. Er griff nach einem schweren Aschenbecher aus Glas und schleuderte diesen in Richtung Theke. Nur knapp flog das Geschoss an mehreren Gästen vorbei, zerschlug lediglich einige Gläser.

Zeugen widersprechen dem Angeklagten

An den genauen Verlauf des Abends konnte sich der Beschuldigte nicht mehr erinnern, meinte jedoch den Aschenbecher in Richtung einer Gästegruppe geworfen zu haben, von denen er sich beleidigt fühlte. Trinke er übermäßig Alkohol, gerate er regelmäßig außer Kontrolle, „ich wollte aber nicht wirklich jemanden verletzen“, beteuerte der Mann.

Mehrere Zeugen stellten die Situation etwas anders dar. Das Wurfgeschoss habe der plötzlich aggressive Mann gezielt und grundlos in seine Richtung geworfen, „er holte aus wie ein Baseballspieler“, sagte ein Zeuge. Nur durch viel Glück und ein schnelles Ausweichmanöver sei er nicht getroffen worden. Eine vorangehende Auseinandersetzung habe es nicht gegeben, „es war als würde ein Schalter umgelegt“.

Dass sich der Mann auffällig verhalten habe und danebenbenahm, sei nicht zum ersten Mal passiert, teilte ein Mitarbeiter der Gaststätte mit. Aus diesem Grund erhielt er bereits zuvor Hausverbot. Eine Alkoholkontrolle wurde von der alarmierten Polizei nicht durchgeführt, „er wirkte nicht betrunken“, erklärte einer der Beamten.

„Ich wollte nicht, 
dass es eskaliert“

Wegen einer scheinbaren Suchtproblematik sowie weiterer psychischer Probleme befindet sich der Täter derzeit in Therapie. Mehrfach wurde der ehemalige Marburger bereits wegen Eigengefährdung in die Psychiatrie eingewiesen, leide unter Depressionen, Schizophrenie sowie einer Borderline-Problematik. „Ich trank damals täglich und sehr viel“, so der Angeklagte.

Heute habe er seinen Konsum zurückgeschraubt, lebt derzeit in einer betreuten Wohngemeinschaft für psychisch Kranke in Nordhessen und bekomme sein Leben langsam wieder in den Griff. Sein Verhalten bedaure er, „ich wollte nicht, dass es eskaliert“.

Mit dem massiven Wurfgeschoss habe er „bedingt in Kauf genommen, jemanden schwerwiegend zu verletzen“, betonte Oberamtsanwalt Peter Heinisch. Zu seinem Glück sei keiner der anwesenden Gäste getroffen worden. „Das hätte im wahrsten Sinne des Wortes auch ins Auge gehen können“, mahnte auch Strafrichter Dominik Best.

Die Geldstrafe in Höhe von 80 Tagessätzen zu je 10 Euro stellte das Gericht unter Vorbehalt. Als Bewährungsauflage muss der Mann fünf Therapiesitzungen absolvieren. Diesen „letzten Warnschuss“ sollte der Verurteilte zu seinem eigenen Wohl nutzen, den eingeschlagenen Weg der Besserung weiter gehen, riet der Richter.

von Ina Tannert

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