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Betrugsprozess: Porsche trotz Pleite

Aus dem Amtsgericht Betrugsprozess: Porsche trotz Pleite

Auch wenn er als zahlungsunfähig galt – von einem seiner Porsche wollte sich der Autofan scheinbar nicht trennen.

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Die Verhandlung fand vor dem Amtsgericht Marburg statt.

Quelle: Thorsten Richter (Archiv)

Marburg. Im Zuge des Insolvenzverfahrens der Firma legte der mehrfach angeklagte Kaufmann bereits vor einigen Jahren die eidesstattliche Versicherung ab. Dem zuständigen ­Gerichtsvollzieher verschwieg er dabei allerdings den Besitz ­eines Sportwagens.

Darüber hinaus zahlte er mehrere private Darlehen nicht ­zurück. Einige Bekannte hatten dem Geschäftspartner vor rund drei Jahren Geld geliehen, mehr als 35000 Euro. Dabei soll der Kreditnehmer den Eindruck erweckt haben, diese auch zurückzahlen zu können. Das erwies sich als falsch, seine „finanzielle Leistungsfähigkeit spiegelte er vor“, heißt es in der Anklageschrift. Daher ist er ebenfalls wegen gewerbsmäßigen Betruges angeklagt.

Eine falsche eidesstattliche Versicherung abgegeben zu haben, gab der 45-Jährige vor dem Marburger Schöffengericht zu. Den Vorwurf des Betrugs wies er dagegen von sich: Er habe seine Kreditgeber nicht täuschen wollen, ging damals noch davon aus, dass er die Rechnung durch den Verkauf von geerbten Grundstücken begleichen könne, „er wollte das Geld zurückzahlen“, teilte sein Verteidiger Kai Guthke mit.

Anwalt: Mandant wurde selbst übers Ohr gehauen

Sein Mandant sei einfach nicht in der Lage gewesen, die Darlehen zu bezahlen. Der Grund: Der Mann sei selbst übers Ohr gehauen worden. Die bereits belasteten und von Zwangsverkauf bedrohten Grundstücke wurden längst, in Absprache mit der Bank, weiterveräußert, „mit Gewinn“, sagte der Rechtsanwalt. Jedoch hätten die beauftragten Verkäufer dem ehemaligen Besitzer weder eine Abrechnung geschickt, noch dem Angeklagten seinen Anspruch am Mehrerlös ausgezahlt.

„Er hat mit dem Geld aber gerechnet“, wollte damit die ­Kredite zurückzahlen, erklärte­ Guthke. Das Schöffengericht hat nun zu klären, ob eine Forderung seitens des Angeklagten tatsächlich vorlag, er in betrügerischer Absicht handelte oder nicht.

Die aktuellen Straftaten, die der Mann Mitte 2013 sowie im Sommer 2014 begangen haben soll, resultieren aus einem aufwendigen Verfahren rund um die Firmenpleite. Mitte 2012 stand der Mann als ehemaliger Geschäftsführer bereits vor Gericht, unter anderem wegen falscher eidesstattlicher Versicherung und Veruntreuung in 79 Fällen.

Der Ex-Chef meldete Ende 2010 Insolvenz an – mindestens fünf Monate zu spät, wie das Marburger Landgericht feststellte. Denn seit der Zahlungsunfähigkeit der Firma im Sommer 2010 schaffte der Geschäftsführer, nach Überzeugung des Gerichts, rund 260000 Euro an Firmenvermögen auf die Seite, prellte somit Gläubiger wie Mitarbeiter, deren Sozialversicherungsbeiträge zum Teil nicht mehr bezahlt werden konnten. Mit dem Geld bezahlte er private Rechnungen, unter anderem die Miete für eine Marburger Villa, mehrere Porsche und Ferrari. Die exklusiven Fahrzeuge verschwieg der Mann dem Insolvenzverwalter.

Zeuge nicht erschienen, Verhandlung vertagt

„Es lebe die Leidenschaft“, war wohl zu jener Zeit sein Motto, wie Staatsanwalt Oliver Rust es ausdrückte. Der Anklagevertreter hatte dreieinhalb Jahre Haft für den Beschuldigten gefordert.

Die Kammer entschied sich damals, nach einem vollen Geständnis des Angeklagten, für zwei Jahre im offenen Vollzug, samt einer Geldstrafe von knapp 38000 Euro.

Seit Oktober muss sich der ­Geschäftsmann nun erneut vor dem Amtsgericht verantworten. Da zum wiederholten ­Male ein wichtiger Zeuge in dem Prozess nicht vor Gericht erschien, wurde die Verhandlung auf ­Mitte ­Januar vertagt.

von Ina Tannert

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