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Betrüger sammeln für sich selbst

Falsche Spendensammler Betrüger sammeln für sich selbst

Gerade zur Weihnachtszeit wollen viele Menschen Gutes tun. Doch es gibt Betrüger, die das ausnutzen - indem sie vorgeben, Spenden für soziale Projekte zu sammeln.

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Zur Weihnachtszeit ist die Spendenbereitschaft besonders groß. Das nutzen aber auch Betrüger aus.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Der Anrufer behauptete, er rufe im Namen der Deutschen Blindenstudienanstalt (Blista) an. „Wollen Sie für die Blinden spenden?“ Scheinbar ein soziales Anliegen, doch die angerufene Marburgerin wurde­ stutzig. Zu Recht, wie sie später im Gespräch mit einer ­Blista-Mitarbeiterin erfuhr: Der unbekannte Anrufer ist ein Betrüger. Weil sie schon während des Gesprächs am Montag Verdacht schöpfte, sagte sie dem Mann, sie wolle zwar gerne spenden, aber nicht am Telefon - und legte den Hörer auf.

„Genau die richtige Reaktion“, sagt Polizeisprecher Martin­ ­Ahlich. Bei der Polizei ist die Blista-Masche zwar noch nicht bekannt, allerdings sei es nichts Neues, dass Betrüger durch ­falsche Vorspiegelungen am ­Telefon Geld ergattern wollen.

„Das hehre Ziel erreichen die Spenden so nicht“

Die Blista sammelt grundsätzlich nicht auf diese aufdringliche Weise Spenden, betont Dr. Imke Troltenier, Leiterin der Blista-Öffentlichkeitsarbeit. Andererseits kann die Blista Unterstützung gut gebrauchen: „Ob ‚Rat und Hilfe für erblindende Senioren‘, Sportangebote oder Ferienfreizeiten für blinde und sehbehinderte Schülerinnen und Schüler - viele wichtige Bereiche unserer Arbeit werden teilweise oder sogar ausschließlich durch Spenden und Förderbeiträge finanziert“, sagt Troltenier. Dass ein Betrüger den Namen der Blista missbraucht, um für die eigene Tasche zu sammeln, ist da besonders ärgerlich. Wer wirklich der Blista spenden will, findet Informationen darüber auf ihrer Internetseite ­(www.blista.de).

„Es kommt immer wieder vor, dass Leute vorgeben, für Hilfsbedürftige oder Hilfsorganisationen zu sammeln“, berichtet Polizeisprecher Ahlich. Nicht nur am Telefon, auch in der Stadt werben regelmäßig Betrüger mit falschen Behauptungen um Spenden. „Das gibt es auch hier in Marburg zuhauf“,­ sagt Ahlich. Die Betrüger gehen­ ­dabei oft raffiniert vor. Mit ­professionell aussehenden Spendenlisten oder beispielsweise einer Obdachlosenzeitung geben sie sich den Anschein von Seriosität. Das Geld soll angeblich Behinderten, Obdachlosen oder Menschen in Katastrophenregionen zugute­ ­kommen. Wer nicht herzlos sein möchte, zückt da leicht die Geldbörse - und geht so wahrscheinlich einem Sammelbetrüger auf den Leim: „Das hehre Ziel erreichen die Spenden so nicht“, warnt Ahlich.

Mehrfach traten in den vergangenen Monaten in Marburg Gruppen von Sammlern auf, die angeblich ein Projekt für Behinderte unterstützten. So nahm die Polizei vor drei Wochen zwei junge Männer und eine 16-Jährige vorübergehend fest, die am Mensa-Steg offenbar für die eigene Tasche gesammelt hatten.

Hinter Bettlern können Banden stecken

Ähnliche Fälle hatte es zu Anfang des Jahres auch in Cappel und Wehrda gegeben. Zum Teil gaben die Betrüger vor, selbst taubstumm oder gehbehindert zu sein.

Neben den falschen Spendensammlern bitten in Marburg auch Bettler um milde Gaben - doch auch hier ist Vorsicht geboten. Einige Bettler seien­ ­„zumindest teilorganisiert“, sagt Ahlich. Diese Menschen würden „irgendwo hingefahren, dort ausgeladen und hinterher wieder eingeladen“. Wer ihnen Geld gibt, unterstützt damit ­also eventuell eine Bande.

Für potenzielle Wohltäter hat die Polizei einen einfachen Rat: „Wer wirklich für Hilfsbedürftige spenden möchte, ist gut beraten, das über die bekannten Hilfsorganisationen und deren Konten zu tun“, empfiehlt Polizeisprecher Ahlich.

von Stefan Dietrich

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