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Betriebsgenehmigung ist beantragt

Ionenstrahl-Therapieanlage Betriebsgenehmigung ist beantragt

Die Vorbereitungen für die Behandlung von Krebs-Patienten am Marburger Ionenstrahl-Therapiezentrum (MIT) laufen auf Hochtouren. Losgehen soll es wie geplant im Oktober.

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Ein im Aufbau befindlicher Bestrahlungsplatz im Marburger Ionenstrahl-Therapiezentrum auf den Lahnbergen im Frühjahr.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. „Wir streben an, noch im Oktober die ersten Patienten zu behandeln“, bestätigt Professor Dr. Thomas Haberer, der wissenschaftlich-technische Direktor des MIT. Das Ministerium habe die Unterlagen für die Betriebsgenehmigung erhalten. „Wir hoffen nun, dass die Abläufe in der Behörde zu unserem Zeitplan passen“, sagt Haberer.

Will heißen: Für die beiden ersten der insgesamt vier Behandlungsplätze sind die Ionenstrahlen eingerichtet. Sie sind bereit für ein intensives Testprogramm, das derzeit läuft. Für die beiden anderen Plätze ist die Strahlführung noch nicht fertig, die technische Inbetriebnahme dauert noch.

Geplant ist laut Professor Haberer (kleines Foto: Richter), dass im Frühjahr 2016 der dritte Behandlungsraum fertig ist. Hier soll die um 45 Grad geneigte Bestrahlungsquelle zum Einsatz kommen, die vor allem, so formuliert es Haberer, zur Schonung von  „Risikoorganen“ eingesetzt werden sollen, also für schwer erreichbare Organe, deren Behandlung aber gleichwohl eine optimale Präzision bei der Bestrahlung erfordert.

Im Jahr 2016 kann dann die Zahl der Behandlungen auch deutlich gesteigert werden. Noch unklar ist, wann der vierte Behandlungsplatz in den Patientenbetrieb geht.

Haberer will sich da im Moment nicht festlegen, möglicherweise wird entschieden nach den ersten Erfahrungen bei der Bestrahlung von Patienten - je nach Notwendigkeit, die man danach womöglich etwas präziser einschätzen kann.

Inzwischen, so bestätigt Professor Haberer, ist auch das notwendige Team aus Technikern, Physikern und Medizinphysikern aufgebaut und in Heidelberg intensiv geschult. Die Mannschaft reiche aus, um einen Sieben-Tage-Betrieb zu gewährleisten. „Erfreulich“ findet es Haberer, dass viele Ingenieure und Techniker aus der Region eingestellt werden konnten. 

Für das klinische Personal gibt es einen geschulten Stamm, weiteres Personal wird noch eingestellt. Das ärztliche Personal wird zum einen vom Universitätsklinikum Heidelberg gestellt, zum anderen vom UKGM „ausgeliehen“. Hier gebe es bislang keine Probleme, betont Haberer, der auf die gute Zusammenarbeit zwischen Marburg und Heidelberg hinweist.  „Die Zusammenarbeit entwickelt sich zu einer guten Kooperation.“

Strahlen besonders schonend

Das Marburger Ionenstrahl-Therapiezentrum (MIT) wurde 2014 gegründet. Gesellschafter sind die Universitätsklinik Heidelberg (75,1 Prozent) und das UKGM (24,9 Prozent). Es ist im Gebäude des früher so genannten Partikeltherapiezentrums untergebracht. Die Partikeltherapie  war beim Kauf des UKGM durch Rhön vertraglich vereinbar worden, wurde aber 2011 durch Rhön und Siemens mangels Aussichten auf wirtschaftlichen Betrieb gestoppt.

Bei der Therapie im MIT kommen Protonen speziell für die Behandlung von Kindern und jungen Erwachsenen zum Einsatz, da diese Strahlen besonders schonend sind.

Bei Tumoren, die aus Erfahrung gegenüber der herkömmlichen Radiotherapie besonders strahlenunempfindlich sind, haben sich Kohlenstoffionenstrahlen bewährt. Diese neuen Therapien werden im Rahmen von klinischen Studien weiterentwickelt. Die Kosten für diese Therapien werden von der überwiegenden Mehrzahl der Krankenkassen übernommen.

von Till Conrad

 
Hintergrund

Photonen: kleinste Lichttteilchen in Röntgen- und Gammastrahlen, die aus kleinen Lichtteilchen bestehen. Photonenstrahlung ist heute die am häufigsten eingesetzte Strahlenart in der Krebstherapie.

Protonen: positiv geladene Kerne von Wasserstoffatomen.

Schwerionen: positiv geladene Kerne von Atomen größerer Masse. In Heidelberg kommen Kohlenstoff-, Sauerstoff- und Heliumionen zum Einsatz. Ionenstrahlung gewährleistet die höchstmögliche Präzision und gewährleisten eine höhere medizinische Wirksamkeit als die konventionelle Bestrahlung mit Photonen.

 
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