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Besonderer Schutz für die Schwächsten

Neue OP-Serie Besonderer Schutz für die Schwächsten

Unsere Kinder benötigen unsere Hilfe und haben daher auch Rechte. Doch nur Wenige kennen diese UN-Konvention. In der neuen OP-Serie erklären wir, warum es extra Kinderrechte gibt und wie sie sich im Landkreis auswirken.

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Quelle: Patrick Pieul

Marburg. In unserer Gesellschaft sind sie die Schwächsten. Kinder führen keine Kriege, verseuchen kein Wasser, gehen nicht freiwillig auf den Strich oder auf den Plantagen arbeiten.

  • - Jedes Jahr sterben in Südasien eine Million Kinder, weil sie Mädchen sind. Sie werden schlechter umsorgt, weil ein Junge stärker ist und mehr Geld verdient.
  • Weltweit müssen rund 158 Millionen Kinder auf Plantagen oder Baustellen arbeiten. Schule kennen sie nicht. Harte Schuftereien bestimmen ihr Leben.
  • Weltweit gibt es 40 Millionen Kriegsflüchltlinge. Die Hälfte von ihnen: Kinder.

Wir brauchen aber nicht nur auf entfernte Länder blicken. Bei uns im Landkreis gibt es Kinder, die nicht das Leben führen können, das sie sich wünschen. Das hat nichts mit Geld zu tun. Jedes Kind hat das Recht auf Bildung, gewaltfreie Erziehung, elterlicher Fürsorge, Schutz vor wirtschaftlicher und sexueller Ausbeutung - es hat das Recht auf Gesundheit.

Seit 1989 gibt es ein weltweit gültiges Grundgesetz: Die UN-Konvention über die Rechte des Kindes. Damit haben Kinder ein Anrecht auf ausreichende Versorgung und auf Schutz.

In der OP-Serie wollen wir gemeinsam mit Renate Oberlik, der Vorsitzenden des Kinderschutzbundes, und dem Kinder- und Jugendparlament Marburg erklären, was Kinderrechte bewirken - anhand von Geschichten und Erlebnissen bei uns im Landkreis.

Im ersten Teil erklärt Renate Oberlik die Grundidee hinter der UN-Konvention:

Warum Kinderrechte? Warum setzten sich Erwachsene, hochrangige Politiker aus allen UN-Staaten zusammen, um sich über die Rechte von Kindern Gedanken zu machen und diese in einem Papier, der „UN-Konvention über die Rechte der Kinder“ zusammenzufassen? Reichen die Menschenrechte nicht aus, denn Kinder sind ja schließlich auch Menschen?

Die Antwort ist einfach: Kinder sind Menschen mit besonderen Bedürfnissen, dem Bedürfnis nach Schutz, dem Bedürfnis nach Entwicklung und dem Bedürfnis nach Beteiligung. Entsprechend wurden die Kinderrechte, die jetzt vor 20 Jahren von der Bundesrepublik Deutschland unterzeichnet wurden, eingeteilt in Schutzrechte, Entwicklungsrechte und Beteiligungsrechte. Diese Rechte sollen dafür sorgen, dass Kinder lernen, ihre eigenen Interessen je nach ihrem Reife- und Entwicklungsgrad, zu vertreten und damit zu selbstbewussten Menschen und mündigen Staatsbürgern zu werden. Denn Kinder sind per se abhängige Menschen, abhängig von ihren Eltern oder den diese vertretenden Erwachsenen. Kinder, die ihre Rechte kennen, sind besser geschützt, sie sind bereit, sich für ihre eigenen Interessen und die ihrer „Mitkinder“ und „Mitmenschen“ einzusetzen. Und Erwachsene, die die Rechte der Kinder kennen, werden eher bereit sein, die Interessen der Kinder wahrzunehmen und die Kinder bei einer guten und gesunden Entwicklung zu unterstützen.

Wir werden immer wieder, wenn es um Kinderrechte geht, gefragt: Kinderrechte sind ja schön und gut, aber haben die Kinder nicht auch Pflichten? Ja, eine Menge sogar, und fast alle Kinder nehmen sie auch täglich wahr, bei Schulbesuch, bei der Hilfe im Haushalt usw. Und da, wo Kinder diese eigentlich selbstverständlichen „Pflichten“ nicht wahrnehmen und sich verweigern, ist etwas in ihrer Entwicklung schief gelaufen: Die für die Entwicklungsbedingungen der Kinder Verantwortlichen sind in der Wahrnehmung ihrer Pflichten den Kindern gegenüber gescheitert, weil sie in einer immer komplizierter werdenden Welt selber nicht zurecht kommen.

Noch immer steht das Erwachsenenrecht häufig vor dem Kinderrecht. Noch immer ist Schule viel zu häufig ein Ort der Demütigung für Kinder, noch immer werden Erwachsenen-Medikamente an Kinder ausgegeben, noch immer leben viele Kinder in unserem reichen Land in Armut und müssen mit den Auswirkungen dieser Situation klarkommen, und noch immer werden Kinder von Erwachsenen misshandelt und missbraucht und bei Trennung und Scheidung scheint das Recht der Kinder gegenüber dem Elternrecht viel zu oft zu kurz zu kommen.

Die Kinderrechte sind jedoch ein Baustein zur Demokratieentwicklung. Im § 42 der UN-Übereinkunft steht: Die Vertragsstaaten verpflichten sich, die Grundsätze und Bestimmungen dieses Übereinkommens durch geeignete und wirksame Maßnahmen bei Erwachsenen und auch bei Kindern bekannt zu machen. Dazu möchten wir als Kinderschutzbund zusammen mit dem Kinder-Jugend-Parlament mit dieser Reihe „Kinderrechte“ beitragen.

von Carsten Bergmann

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