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Besetzer fordern günstigen Wohnraum

Alte Fronhofschule Besetzer fordern günstigen Wohnraum

Die Lage spitzt sich zu. Knapp 150 Aktivisten haben nach der Demonstration die ehemalige Schule an der Schulstraße besetzt und wollen auf die prekäre Lage auf dem Marburger Wohnungsmarkt aufmerksam machen.

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Besetzt! Ein großes Banner hängt an dem Fenster der alten Fronhofschule. 150 Aktivisten haben das Haus in der Schulstraße 14 in Beschlag genommen.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Ein Jahr lang hat Student Michael Franke in Marburg eine Wohnung gesucht. Nur mit Glück, wie er sagt, habe er eine Unterkunft gefunden. Andere hätten nicht so viel Glück. Und genau für die setzt sich der 24-Jährige ein und ist Teil der 150 Hausbesetzer der alten Fronhofschule.

Soziale Zentren, günstigen Wohnraum, öffentliche Gebäude nicht in die Hand von Privatinvestoren geben - drei Ziele, die das Plenum der Hausbesetzer einfordert. Die Fronhofschule haben die Aktivisten deswegen ausgewählt, weil sie ihrer Meinung nach ein Musterbeispiel für die Wohnungsnot, den Mietwahnsinn und die Zurückdrängung des öffentlichen Raumes stehen. „Statt aus diesem zentralen Bau günstigen Wohnraum zu schaffen, verkauft die Stadt das an einen Privatinvestor“, klagt Franke und erhält Unterstützung von Jan Schalauske, Stadtverordneter von der Partei Die Linke.

Lagerfeuer in der ehemaligen Schule

„Die Stadt sagt immer, sie wolle alle städtischen Liegenschaften an die Wohnbaugesellschaft vergeben, verkauft aber dieses Gebäude an ein wohlhabendes Ehepaar. So geht das nicht.“

Nur wenige Meter weiter sind vier junge Männer dabei, in einer alten Waschtrommel ein Lagerfeuer zu machen. Ein wenig Schutz gegen die Eiseskälte. Im Inneren des Gebäudes haben sich die Aktivisten auf den unterschiedlichen Etagen verteilt. Im Eingang stehen Getränke, Obst und Gemüse. Mit großen Gaskochern werden die Mahlzeiten zubereitet. Zum Glück laufen die Heizungen des alten Schulgebäudes, das von Bauarbeitern aktuell entkernt und für die Neugestaltung vorbereitet wird. Mit den Eigentümern stehen die Besetzer in Kontakt.

Friedlicher Protest mit Workshops und Kursen

Die Polizei wurde nicht gerufen. Mit Gewalt haben sich die Demonstranten auch nicht den Zugang verschafft. „Die Tür war offen“, sagt Michael Franke, der betont, die Besetzer legen großen Wert auf eine gewaltfreie Aktion. „Wir wollen mit unsere Aktion skandalisieren, für das große Problem aufmerksam machen.“ Sämtliche Versuche seien bisher gescheitert. Nun wollen die Männer und Frauen mit einem neuen Extrem Aufmerksamkeit erreichen.

Im Haus selbst finden verschiedene Kurse und Workshops rund um das Thema sozialer Wohnraum statt. Alle Neugierigen sind herzlich eingeladen, an den Veranstaltungen teilzunehmen. „Das Haus steht für jeden offen“, sagt ein anderer Besetzer. „Wir wollen nicht nur wohnen, sondern auch leben“, heißt es von den Aktivisten. „Dafür braucht es mehr selbstverwaltete und öffentliche Räume, die auf nicht nicht kommerzieller Basis für politische Arbeit, Veranstaltungen, Theater, Bandproben oder einfach als Aufenthaltsort gibt.“ Die Besetzer stellen klar: „Wir stehen natürlich für Verhandlungen oder Gespräch bereit.“

von Carsten Bergmann

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„Wir sind sehr wütend - Und das nicht ohne Grund!“, lautete das Motto der 250 Demonstranten, die von einem Großaufgebot der Polizei durch Marburg begleitet wurden. Zum Ende eskalierte die Situation.

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