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Beschaffungsfahrten führen zu Urteil gegen Dealer

Aus dem Landgericht Beschaffungsfahrten führen zu Urteil gegen Dealer

Vier Jahre und zehn Monate Freiheitsentzug für diverse Drogengeschäfte sowie die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt: Das ist die Strafe für einen mehrfach vorbelasteten Drogendealer.

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Die Erste Strafkammer des Marburger Landgerichts verurteilte einen mehrfach vorbestraften 27-Jährigen zu einer Haftstrafe.

Quelle: Patrick Lux / dpa

Marburg. Mit einem Lächeln, das äußerst erleichtert wirkte, nahm der 27 Jahre alte Angeklagte das Urteil am vergangenen Donnerstag auf. Er wird die U-Haft wohl nicht mehr verlassen und von dort direkt in den Maßregelvollzug überführt werden.

Regelmäßig hatte der Beschuldigte in den vergangenen Jahren Beschaffungsfahrten nach Marburg organisiert, somit kiloweise Amphetamin-, Kokain- und Haschisch-Deals initiiert, kleinere Mengen an Drogen selber verkauft ( die OP berichtete). Entsprechend lautete das Urteil der bereits abgespeckten Anklage: vier Fälle unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge, vorsätzliches, unerlaubtes Handeltreiben in zwei Fällen, unerlaubter Erwerb und Besitz von Betäubungsmitteln in mehreren Fällen, Geldfälschung sowie vorsätzliches Fahren ohne Fahrerlaubnis.

Die Beweisaufnahme des Prozesses fußte vor allem auf dem Geständnis des Angeklagten. Daran habe die Kammer „keine Zweifel, betonte der Vorsitzende Richter Dr. Marco Herzog. Vor allem bei den besonders schweren Delikten machte der Beschuldigte „sehr detailreiche und werthaltige“ Angaben und Korrekturen und belastete sich damit selber.

Der Wiederholungstäter weist mehrere einschlägige Vorbelastungen auf. Er hat bereits Dutzende Delikte und Haftstrafen auf dem Kerbholz. Diese konnten ihn bisher „nicht auf den richtigen Weg zurückführen“, bemängelte der Richter. Die in die Wege geleiteten Deals, aus denen er diverse Drogen für den eigenen Bedarf abzweigte, sprächen Bände und trügen die „Charakteristik der Abhängigkeit, es handelt sich im Wesentlichen um Beschaffungskriminalität“.

Verteidiger vergleicht Mandanten mit Filmfigur

Von einer strafmildernden Beihilfe-Tat könne dabei keine Rede sein, hatte bereits Staatsanwalt Dr. Kurt Sippel am ersten Verhandlungstag festgestellt. Der Angeklagte habe den Kontakt zu den Händlern zustande gebracht. „Er hat sich dazwischen geschaltet, um etwas daran zu verdienen“, so der Anklagevertreter, der eine Gesamtstrafe von fünfeinhalb Jahren gefordert hatte.

Näher am endgültigen Urteil blieb die Verteidigung: Eine Besonderheit im Fall seines Mandanten sei die lange Einnahme von Crack gewesen, samt einem „immensen Verbrauch“ der besonders suchtanfälligen Droge, hatte Verteidiger Stefan Adler betont.

Er verglich den Angeklagten mit der Filmfigur Walter White, dem Drogenkoch aus der bekannte TV-Serie „Breaking Bad“. Im Gegensatz zu diesem habe der Angeklagte kein planmäßiges Vorgehen an den Tag gelegt. Viel eher sei sein Mandant „wie ein Lotsenfisch den Großen hinterher geschwommen“, um vom großen Ganzen einen Bissen abzubekommen, stellte der Verteidiger den Mann eher als Mitläufer vor.

Den jahrelangen Drogenmissbrauch des 27-Jährigen sah auch die Kammer als Hauptursache seines illegalen Verhaltens. Der tägliche Konsum kostete den Mann am Ende Hunderte Euro am Tag, diesen Bedarf konnte er gar nicht mit legaler Arbeit decken – „das macht die ganze Sache nicht erlaubt, aber etwas nachvollziehbarer“, zeigte der Richter Verständnis.

Die schwere Suchtproblematik des Beschuldigten hatte bereits ein Sachverständiger bestätigt, aus dieser komme der Mann ohne fremde Hilfe nicht mehr heraus. „Ich sehe die Therapie als letzte Chance“, stimmte auch der Angeklagte zu.

von Ina Tannert

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