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Berufung erspart nur einen Monat

Aus dem Landgericht Berufung erspart nur einen Monat

Nach einem seiner vier Diebstähle verletzte ein 28-Jähriger, der im 
 Ostkreis lebt, mehrere Menschen gefährlich. 
Seine Berufung gegen das Urteil des Amtsgerichts wurde am Dienstag verworfen.

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Das Landgericht verurteilte einen 28-Jährigen zu einem Jahr und drei Monaten Haft.

Quelle: Michael Werner Nickel / pixelio.de

Marburg. Das Amtsgericht hatte den 28-Jährigen vor gut einem Jahr wegen Diebstahls mit einer Waffe, Körperverletzung und zwei weiteren Diebstählen zu einer 16-monatigen Haftstrafe verurteilt. Dagegen legte er Berufung ein.

Der Angeklagte bestritt nicht, im Februar des vergangenen Jahres in einem Marburger Elektronikmarkt gemeinsam mit einem Komplizen mehrere Playstation-Spiele gestohlen zu haben. Ebenso wenig bestritt er, dass er im April und Mai in einer Parfümerie mehrere Flaschen Parfüm mitgehen ließ.

Im Berufungsverfahren sei es ihm vielmehr ungeheuer wichtig, etwas anderes richtigzustellen. Sein Verteidiger Bernhard Schroer erklärte, sein Mandant wolle die Wahrheit zu dem ihm vorgeworfenen Angriff mit Pfefferspray ans Licht bringen.

Mehrere Menschen mit Gesundheitsproblemen

Bei dem Diebstahl im Elektronikmarkt führte der Angeklagte, der in einer Flüchtlingsunterkunft im Ostkreis lebt, eine Dose Pfefferspray mit sich. Zunächst gelang ihm die Flucht vor dem Ladendetektiv und einem zur Hilfe geeilten Mitarbeiter. Die beiden hielten jedoch seinen Mittäter fest.

Der Angeklagte sei augenblicklich zurückgekehrt und habe versucht, ihn zu befreien. Dazu soll er mit dem Pfefferspray um sich gesprüht haben – Zeugenaussagen zufolge aus nächster Nähe. Genau das bestritt der Angeklagte jedoch vehement und gab eine Distanz von mindestens zwei Metern an.

Der Tathergang wurde also, nicht nur dahingehend, noch einmal neu aufgerollt. Der Ladendetektiv sprach von einer sehr kurzen Entfernung, konnte den Angreifer jedoch erst anhand eines Bildes von der Überwachungskamera identifizieren. Der zur Hilfe geeilte Mitarbeiter habe den Angreifer nicht kommen sehen und das Spray zunächst mehrmals zischen gehört, bevor das Brennen in seinem Gesicht einsetzte. Der Detektiv hingegen sprach von einem durchgehenden Sprühen.

Mehrere Menschen hatten infolge des Angriffs mit Atemnot, Reizungen der Augen und der Atemwege zu kämpfen. Für die Urteilsfindung wog dies wohl schwerer, als die dem Angeklagten so bedeutende Frage nach der Entfernung, aus der er gesprüht hatte.

Richter stellt keine 
günstige Sozialprognose

Im Schlussvortrag hielt es Verteidiger Schroer seinem Mandanten vielmehr zu Gute, dass er seit dem Urteil des Amtsgerichts nicht mehr straffällig geworden ist. Er plädierte dafür, eine Haftstrafe von einem Jahr auf Bewährung auszusetzen.

Staatsanwältin Annemarie Petri betonte, der Angeklagte habe in keinem der Fälle aufgegeben, sich stets beharrlich gewehrt. Auch eine einschlägige Vorstrafe führte Petri in ihrem Plädoyer für eine Haftstrafe von einem Jahr und drei Monaten ohne Bewährung auf.

Der vorsitzende Richter Gernot Christ konnte die für eine Bewährungsstrafe notwendige, günstige Sozialprognose nicht stellen. Die Situation des abgelehnten Asylbewerbers sei perspektivlos. Er sei zwar geduldet, müsse aber mit sehr wenig Geld auskommen.

Für Diebstahl mit Waffen, gefährliche Körperverletzung und zwei weitere Diebstähle drohen dem Mann nunmehr 15 Monate Haft anstatt 16. Die Berufung erspart ihm also vorerst einen Monat. Eine Woche Zeit bleibt ihm noch, um Revision einzulegen.

von Philipp Lauer

 
 
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