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Girls'- und Boys'-Day

Berufsschnuppertag mit Tradition

Einen „etwas anderen Berufswahl-Schnuppertag“ verspricht ein Flyer zur Veranstaltung. Ziel ist es, geschlechterspezifische Berufsbilder abzubauen.
Dr. Kerstin Weinbach (2. von links), Dr. Franz Kahle (2. von rechts), Dr. Christine Amend-Wegmann und Fachdienstleiterin Susanne Hofmann (hinten, von links) sowie weitere Organisatoren und Teilnehmer mit den Plakaten und Flyern. Foto: Nico Arnold

Dr. Kerstin Weinbach (2. von links), Dr. Franz Kahle (2. von rechts), Dr. Christine Amend-Wegmann und Fachdienstleiterin Susanne Hofmann (hinten, von links) sowie weitere Organisatoren und Teilnehmer mit den Plakaten und Flyern.

© Nico Arnold

Marburg. Bereits im jungen Alter sei das Interesse an der Frage nach der Berufswahl bei Mädchen und Jungen gleichermaßen ausgeprägt, erklärt Dr. Christine Amend-Wegmann, interne Frauenbeauftragte der Stadtverwaltung. Deshalb sollen Girls‘- und Boys‘-Day ein „Berufsschnuppertag“ sein, ergänzt Matthias Gnau vom Jugendbildungswerk.

Beide Veranstaltungen haben in Marburg Tradition: Der Girls‘-Day findet bereits zum 13. Mal statt. Der Boys‘-Day, der in Marburg seit 2008 die passende Ergänzung  bildet,  sei im Bundesvergleich herausragend. „Wir sind ein Vorbild für andere Städte“, betont Gnau.

Das Konzept der Veranstaltung ist relativ simpel: Mädchen und Jungen erkunden einen Tag lang Berufe, die traditionell dem anderen Geschlecht zugeschrieben werden. So besuchen beispielsweise Mädchen die Feuerwehr; Jungen gehen unter anderem zum Friseur oder in die Grundschule.

Die Rückmeldung der Kinder und Jugendlichen aus den vergangenen Jahren sei durchweg positiv. Liv Perle (14) erzählt von ihrem Platz im vergangenen Jahr: „Ich war in der Ausländerbehörde. Wir haben gelernt, eine Aufenthaltsgenehmigung auszustellen.“ Auch wenn sie dieses Jahr noch keinen Platz habe, wolle sie auf jeden Fall wieder teilnehmen.

Insgesamt gibt es dieses Jahr mehr als 150 Plätze. Knapp die Hälfte ist bereits vergeben und an Interessierten habe es in den vergangenen Jahren nie gemangelt. „Das sehen wir als Zeichen des Interesses“, sagt Susanne Hofmann, Leiterin des Fachdienstes Jugendförderung.

Neu sei, dass verstärkt Kinder und Jugendliche mit Handicap wie Behinderungen angesprochen werden sollen. Neben den Angeboten aus öffentlichem Dienst und privater Wirtschaft können die Kinder und Jugendlichen auch selbst die Initiative ergreifen und Betrieben vorschlagen, beim Girls‘- und Boys‘-Day mitzumachen. Viele Betriebe seien seit Jahren dabei.

Bei den Mädchen stünden neben der Stadtverwaltung vor allem naturwissenschaftlich-technische Berufe im Fokus. So sollen sie in klassische Männerdomänen hineinschnuppern und neue Stärken und Interessen entdecken, erklärt Sandra Rabung, die das Event mitorganisiert. Der Girls‘-Day sei auch ein Instrument der Frauenförderung.

Nachdenken über die Geschlechterrollen

Schuldezernentin Dr. Kerstin Weinbach (SPD) weist darauf hin, dass Männer im Durchschnitt immer noch mehr verdienen würden als Frauen. Laut einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) haben Mädchen in Deutschland trotz guter Leistungen in Mathematik und den naturwissenschaftlichen Fächern oft weniger Vertrauen in ihre fachlichen Kompetenzen als Jungen. Ein Grund für die geschlechterbedingte Gehaltsdifferenz könnte also in der Schulausbildung zu finden sein.

Deshalb soll der Girls‘-Day den Mädchen die sogenannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) näherbringen. Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) erinnert an die Nobelpreisträgerin Marie Curie. Die Naturwissenschaftlerin ist bis heute die einzige Person, die zweimal mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. „Das verlangt nach einer Wiederholung“, scherzt er.

Auch der Boys‘-Day solle eine Gelegenheit sein, über stereotype Geschlechterrollen in der Berufswelt nachzudenken. So liegt der Schwerpunkt der „Jobangebote“ für die Jungen im sozial-erzieherischen Bereich und im Gesundheitswesen. Dass Jungen nicht nur als Maschinenbauer oder im IT-Bereich arbeiten wollen, zeigt Farouk Elfarra (11). Er nimmt zum ersten Mal am Boys‘-Day teil. „Ich würde gerne in den Kindergarten oder ins Krankenhaus“, sagt er.

Obwohl es sich bei Girls‘- und Boys‘-Day offiziell um zwei verschiedene Veranstaltungen handelt, sind die Gemeinsamkeiten deutlich. Auch die Abläufe ähneln sich. Beide beginnen vormittags mit einer offiziellen Begrüßung, später erkunden die Kinder und Jugendlichen ihre Arbeitsfelder. Abschließend folgen eine Auswertung und der gemeinsame Abschluss.

von Nico Arnold


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