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Berghofener siegt für Conterganopfer

Klage Berghofener siegt für Conterganopfer

Seit 1981 ist Olaf Truxer als contergangeschädigt anerkannt, doch seit fast drei Jahren hat die Conterganstiftung seine Rente gestrichen: Die Gesundheitsschäden seien keine Folgen von Contergan. Dagegen klagte Truxer.

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Das Schlafmittel Contergan wurde für Olaf Truxer zum Schicksal. Seit 30 Jahren erhält er Conterganrente.Fotos: Mark Adel /Archiv

Quelle: Mark Adel WLZ-FZ

Berghofen. Mit Unterstützung des VdK hatte Olaf Truxer Erfolg: Während der Verhandlung vor dem Kölner Verwaltungsgericht hat die Stiftung am Dienstag die Ablehnung des Rentenbescheids zurückgenommen.

"Ich habe drei Jahre in Angst gelebt"

Der VdK wertete diesen Ausgang der Verhandlung als einen „großen Erfolg für die Contergangeschädigten“. Geklagt hatte das 49-jährige VdK-Mitglied Olaf Truxer aus Berghofen. Dem 1980 als Contergangeschädigten anerkannten Mann (im Sinne des § 12 Abs. 1 ContStifG.) war von der Conterganstiftung mit Bescheid vom 29. Juli 2011 die Conterganrente aberkannt worden. Er hatte eine höhere Rente beantragt, nachdem sich sein Zustand verschlechtert hatte. Olaf Truxer kann endlich wieder ruhig schlafen.

„Ich habe drei Jahre in Angst gelebt“, sagt er. „Wenn der Briefträger kam, habe ich mit schlechten Nachrichten gerechnet. Ohne die Rente wäre ich ein Sozialfall.“

Die fachärztliche Begutachtung aufgrund eines Revisionsantrags des Geschädigten habe ergeben, dass die Gesundheitsschäden von Olaf Truxer keine Folgen von Contergan seien, begründete die Conterganstiftung damals - nachdem Truxer die Rente bereits 30 Jahre lang erhalten hatte. „Der gleiche Arzt hat mich schon drei-, viermal untersucht und jedes Mal die Conterganschädigung attestiert“, berichtete er. Für den Berghofener kam die Ablehnung deshalb völlig unerwartet. „Ich sei schwerbehindert, aber nicht contergangeschädigt“, habe das Gutachten ergeben.

„Wir sind überglücklich“

Gegen den Bescheid der Stiftung legte der Sozialverband VdK Hessen-Thüringen Widerspruch ein. Da dieser erfolglos war, reichte die Rechtsanwältin Karin Buder-Heckert von der VdK-Bezirksgeschäftsstelle in Marburg Klage beim Sozialgericht in Köln ein mit dem Ziel, dem Kläger weiterhin Conterganrente ab dem 1. September 2011 zu gewähren. Und damit wendete sich das Blatt. Das Kölner Verwaltungsgericht hob den Bescheid auf, die Conterganstiftung nahm ihre Ablehnung zurück. Olaf Truxer bekommt weiterhin Conterganrente. Aus Sicht des Bundes Contergangeschädigter und Grünenthalopfer war das Verfahren von hoher Bedeutung.

„In diesem Verfahren geht es um die Frage, ob und wann Contergangeschädigte beim Stellen eines Revisionsantrags darauf vertrauen können, dass die Conterganstiftung ihre Conterganschädigung nicht in Zweifel ziehen kann“, teilte der Verband in einem offenen Brief mit. So sieht es auch Olaf Truxer. Hätte das Gericht gegen ihn entschieden, „währen auch viele andere betroffen gewesen und hätten Angst gehabt, sich beim Arzt untersuchen zu lassen“. Karin Buder-Heckert, die VdK-Anwältin, die Olaf Truxer auch vor dem Verwaltungsgericht Köln vertrat, sagte nach dem Richterspruch: „Wir sind überglücklich über diese Entscheidung, für meinen Mandanten wie für alle Contergangeschädigten in Deutschland ist das ein großer Erfolg.“

Doch das Urteil kann die gesundheitlichen Folgen nicht lindern. Die Schmerzen in Rücken und Armen nehmen zu. „Es verschlechtert sich von Jahr zu Jahr, weil die Arthrose immer mehr in die Knochen geht.“ Seit vier Jahren ist er deshalb arbeitsunfähig und Frührentner.

Hintergrund
  • Der Contergan-Skandal war einer der aufsehenerregendsten Arzneimittelskandale in der Bundesrepublik Deutschland und wurde in den Jahren 1961 und 1962 aufgedeckt.
  • Das millionenfach verkaufte Beruhigungsmedikament Contergan, das den Wirkstoff Thalidomid enthielt, konnte bei der Einnahme in der frühen Schwangerschaft Schädigungen in der Wachstumsentwicklung der Föten hervorrufen. Dabei kamen weltweit etwa 5000 bis 10000 geschädigte Kinder auf die Welt. Allein in Deutschland sollen nach Angaben des Bundesverbands Contergangeschädigter etwa 5000 missgebildete Kinder zur Welt gekommen sein, etwa 40 Prozent seien allerdings kurz nach der Geburt oder schon im Säuglingsalter gestorben.

von Mark Adel

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