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Ausstellung

Beklemmende Einblicke in Zeit der Massenmorde

"Ausmerzung der Schwachen – Eugenik und NS-Euthanasie im 20. Jahrhundert" – das ist der Titel einer jetzt eröffneten Ausstellung im Staatsarchiv am Friedrichsplatz.
Einblicke in das Wesen des Nationalsozialismus liefert die Ausstellung zu den Themen Euthanasie und Zwangssterilisation im Hessischen Staatsarchiv. Foto: Björn-Uwe Klein

Einblicke in das Wesen des Nationalsozialismus liefert die Ausstellung zu den Themen Euthanasie und Zwangssterilisation im Hessischen Staatsarchiv.

© Björn-Uwe Klein

Marburg. Der Begriff stammt aus dem Griechischen: „Euthanasie“ bedeutet so viel wie „guter“ oder „schöner“ Tod. Eine verharmlosende Bezeichnung für Verbrechen im Namen der Volksgesundheit. Die Opfer waren Menschen, die als „schwachsinnig“ oder „erbkrank“ galten und im Nationalsozialismus als belastend und schädlich für die Gesellschaft stigmatisiert wurden. Sie kamen in sogenannte „Heilanstalten“, in denen Tausende qualvoll starben: durch Verhungern, Vergiftung, Vergasung oder Menschenversuche. Dieser Massenmord fand auch in Hessen statt: In Hadamar gab es eine Anstalt, in der während der NS-Zeit mindestens 14 500 Menschen umgebracht wurden. Gemordet wurde auch in der Landesheilanstalt Haina.

Die Geschichte der Euthanasie ist bestimmt von den Zielen der Ausmerzung und Auslese. Darauf bezieht sich der Titel der Ausstellung im Staatsarchiv – er lautet: „Auslese der Starken – Ausmerzung der Schwachen“. Es sei mal wieder an der Zeit gewesen, jüngere Geschichte zum Ausstellungsthema zu machen, sagte Archivdirektor Andreas Hedwig bei der Eröffnung. Schon seit längerem habe man das Thema im Blick gehabt. Hedwig: „Wir hoffen, zu weiterer Forschung zu animieren.“ Ähnlich äußerte sich Archivrat Dirk Petter, Kurator der Ausstellung: „Gelingt es der Ausstellung, jenseits dieses Gefühls der Enttäuschung und Bedrückung zu weiterem Nachdenken über das Gezeigte anzuregen, so hat sie ein ganz wesentliches Ziel erreicht.“

Rund 110 Besucher kamen zur Eröffnung der Ausstellung, die eine Vielzahl an Briefen und Dokumenten enthält: beklemmende Einblicke in das Wesen des Nationalsozialismus. Die Ausstellung informiert über Täter und Opfer. Und sie zeigt, dass die Euthanasie-Programme im Dritten Reich eine lange Vorgeschichte hatten. Diesen Aspekt hob auch Professor Udo Benzenhöfer in seinem Einführungsvortrag hervor. Benzenhöfer ist Direktor des Senckenbergischen Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin der Goethe-Universität Frankfurt. Seit einigen Jahren erforscht er die Geschichte der Euthanasie, über die er mehrere Bücher geschrieben hat. Die in der Ausstellung gezeigten Dokumente rücken die nationalsozialistischen Gewaltexzesse, zu denen auch die Zwangssterilisation angeblich „erbkranker“ Menschen gehörte, in den Mittelpunkt.

Ebenso jedoch werden Exponate zu den Frühformen eugenischen Denkens zu Beginn des 20. Jahrhunderts sowie zur Strafverfolgung der nationalsozialistischen Verbrechen nach 1945, zum Umgang mit den Opfern und zur heutigen Erinnerungskultur präsentiert. Die zum überwiegenden Teil aus den Beständen des Hessischen Staatsarchivs Marburg stammenden historischen Quellen werden durch Leihgaben des Archivs der Philipps-Universität Marburg, des Archivs des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen und der Marburger Uni-Bibliothek ergänzt.

  • Öffnungszeiten bis 24. Oktober: montags und freitags von 8.30 bis 16.30 Uhr, dienstags bis donnerstags von 8.30 Uhr bis 19 Uhr.

von Björn-Uwe Klein


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