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Beim Lösen des Zünders knallt's ein wenig

Bomben-Entschärfung Beim Lösen des Zünders knallt's ein wenig

Die am Ortenberg gefundene Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg ist entschärft. Ganz geräuschlos ging die Bomben-Entschärfung am Ortenberg allerdings nicht vonstatten:

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Mitarbeiter des Dienstleistungsbetriebs der Stadt Marburg bereiten einen Schutzwall für die Entschärfung eines Blindgängers am Ortenberg vor.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Um kurz nach 14 Uhr begann die Entschärfung der Fliegerbombe. Gerhard Gossens, Leiter des Kampfmittelräumdienstes beim Regierungspräsidium Darmstadt hatte zuvor noch eine Info an die Anwohner gegeben: Es werde während der Entschärfung einen kleinen Knall geben, der sich anhört wie eine Explosion. Es bestehe jedoch kein Grund zur Sorge. Das Geräusch gehe von einem Gerät aus, das den Zünder löst, damit die Mitarbeiter ihn mit wenig Kraftaufwand entfernen können.

"Es ist alles gut und nach Plan gelaufen, jetzt ist die Bombe transportfähig", erklärte Gossens am Nachmittag. In einem für Gefahrgut zugelassenen Fahrzeug transportierten die Mitarbeiter einer Spezialfirma die entschärfte Bombe ab. "Sie kommt in eine Entsorgungsanlage in ein anderes Bundesland, weil wir in Hessen Sprengstoff nicht mehr selbst entsorgen."

Die Entschärfung hatte sich zunächst noch eine Weile verzögert. Bei den Vorbereitungen des Schutzwalls war einer der beiden Radlader ausgefallen. Gegen Mittag waren dann drei Radlader im Einsatz, die die mit Sand gefüllten "Big Packs" zum Fundort der Bombe transportieren - jeder einzelne dieser Säcke wiegt rund 1,5 Tonnen, erklärte Sabine Preisler, die Pressesprecherin der Stadt Marburg.

Am Donnerstagmittag wird in Marburg am Ortenberg eine Fliegerbombe aus dem  Zweiten Weltkrieg entschäft. Als Schutzmaßnahme für die anliegenden Wohngebäude errichteten Mitarbeiter des DBM einen Schutzwall aus Sandsäcken.

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Nachdem alles für die Entschärfung vorbereitet war, hielt Gossens Rücksprache mit der Polizei. Um sicherzugehen, dass sich kein Mensch mehr in dem betroffenen Stück Wald aufhielt, hatte ein Hubschrauber der Polizei die Gegend mit einer Wärmebildkamera abgesucht. Die Beamten gaben dann wiederum ein Zeichen, nachdem sie das Gefahrengebiet komplett abgesperrt hatten.

Insgesamt waren rund 50 Einsatzkräfte während der Entschärfung im Einsatz, berichtet Preisler. Darunter zwei Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes des RP Darmstadt, zwei Mitarbeiter eines Entschärfungsteams einer Spezialfirma, sechs Mitarbeiter des Dienstleistungsbetriebs Marburg sowie zahlreiche Mitarbeiter der Stadt, von Hessen Forst, Polizei, Ordnungsamt und Feuerwehr.

Bereits gestern haben die Mitarbeiter des Kampfmittelräumdiensts die Reste einer teilweise detonierten Fliegerbombe abtransportiert, berichtete Gossens. Die Bombe hatte keinen Zünder mehr. Deshalb konnte sie ohne größeren Aufwand abtransportiert werden.

von Philipp Lauer

Hintergrund

Über den genauen Zeitpunkt der Entschärfung werden  die Anwohner im Gefahrenbereich rund 250 Meter um den Fundort vor dem Start noch einmal per Lautsprecher informiert. Während der Entschärfung müssen sie sich in ihren Häusern aufhalten. Wenn etwas schief geht, könnten Teile der Fliegerbombe in der Umgebung gestreut werden.

Lautsprecherdurchsage verkündet Ende

Nach der Entschärfung wird es für die Anwohner eine Entwarnung per Lautsprecher geben. Durch den Bau der Sandschutzmauer als Dämmung bei einer möglichen Druckwelle kann eine aufwändige Evakuierung vermieden werden, von der auch Kliniken, eine Schule und ein Altenheim betroffen gewesen wären. Der Gefahrenbereich kann laut Kampfmittelräumdienst im Radius auf 250 Meter begrenzt werden.

Betroffen sind rund 30 bis 40 Häuser unter folgenden Adressen: Dürerstraße ab Hans-Sachs-Straße aufwärts, An der Schäferbuche, Kindergarten Haus Tabor und Spielplatz, Im Gefälle 46. Die Stadt Marburg verteilte gestern Nachmittag Flyer zum Vorgehen an die betroffenen Anlieger. Für die Anwohner in Lenaustraße und der Violastraße konnte die Stadt Entwarnung geben.

Bereits Ende August war am Ortenberg eine Fliegerbombe gefunden worden. Anders als damals liegt die jetzt geortete Bombe zwar 1,20 Meter tief im Waldboden, der Zünder ist jedoch gut zugänglich. Die Bombe kann durch Ausbau des Zünders entschärft und danach abtransportiert werden. Eine kontrollierte Sprengung wie Ende August ist somit nicht notwendig.

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