Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
"Beim Bund wurde ich erwachsen"

Einer von hier: Markus Appelmann "Beim Bund wurde ich erwachsen"

Mit zwölf Jahren dachte er bereits, den Höhepunkt seiner Karriere erreicht zu haben. Nach einem Interview mit dem Sänger der Band Fools Garden war für ihn klar: besser geht es nicht. Markus Appelmann sollte sich gewaltig irren.

Voriger Artikel
Studenten-Zahlen klettern weiter
Nächster Artikel
Spitzenduell in Schröck

Marburg hat ihn geprägt. Der Sat1-Moderator Markus Appelmann kehrt gern in die seine Studienheimat zurück.

Quelle: Sat1 17.30

Marburg. Kinosessel lösen bei ihm akute Beklemmungsgefühle aus. Sobald das Licht gedämmt wird, fühlt er sich wieder an seine Studienzeit erinnert. Nicht an die enspannte, vogelfreien Jahre. Sondern an seine letzten Semester in Marburg, in denen er für seinen Abschluss der Medienwissenschaften weit über 50 Mal ins Kino gehen musste. Er denkt nicht an die langen, geselligen Abende in seiner Studenten-WG in der Marbach, sondern an die Wochen und Monate vor der Prüfung. Die Tage, in denen ihm die Zeit wegzurennen schien. Zehn Jahre ist das nun her, als er aus Marburg wegzog. Weg aus der Stadt, in der er etwas lernte, was ihm heute noch zu Gute kommt: sich zu organisieren, wenn die Zeit wegzurennen droht.

Mit dem Mikro durch die Pfalz

Markus Appelmann würde sich selbst nicht als zielstrebig bezeichnen. Eher als ein Glückskind. Weil er schon als Zwölfjähriger wusste, wohin ihn sein Leben führen soll. Irrwege blieben ihm erspart. Umwege und harte Lektionen nicht. Als Jugendlicher startete er als rasender Reporter für den offenen Fernsehkanal „Pirmasens“. Mit viel Herzblut, noch mehr Idealismus und verschwindend geringen finanziellen Mitteln zog er mit dem Mikrofon durch die Pfalz. Die Eltern mussten den Nachwuchsreporter von A nach B fahren. „Ich wollten das Sprachrohr der Menschen sein“, erklärt er. Ein Wunsch der bis heute geblieben ist.

Als Sprecher der Sat1 Nachrichtensendung 17.30 (im wöchentlichen Wechsel mit Eva Dieterle) sowie als Gesicht des Wissenschaftsmagazins Planetopia, steht er vor der Kamera. Nicht das Leben im Rampenlicht, sondern die Arbeit im Hintergrund ist es, die ihn antreibt. „Ich bin da voll eingebunden“, erklärt er. Feste Sendetermine machen längere Urlaube kaum möglich - eine Tatsache, an die sich Markus Appelmann gewöhnen musste. „Wenn man diesen Beruf nicht als Stress sieht, sondern die Möglichkeiten dankbar annimmt, dann ist es wunderbar.“ Stress läuft er sich ohnehin einfach von der Seele. Der 36-Jährige entspannt beim Joggen. Die immer gleiche Schrittlänge - das immer gleiche Atemgeräusch.

Sendung aus Sarajewo, Interview mit dem Minister

Schon im Studium hat er seine Runden an der Lahn entlang gedreht. Flussaufwärts und flussabwärts. Hat Gedanken sortiert und Zukunftspläne geschmiedet, manchmal aber auch ein Blick in die Vergangenheit gewagt. Dann war sie wieder da - die Zeit beim Bürgerfernsehen. Als er sich als Schüler für ein Konzert der damals aktuellen Band „Fools Garden“ akkreditierte. Tagelang feilte er an den Interviewfragen. Das Ergebnis: ein zweiseitigen Fragenkatalog, den er kurz vor dem Konzert dem Sänger Peter Freudenthaler stellen wollte.

Die Antworten des Sängers fielen knapp aus - die Enttäuschung bei dem Nachwuchsreporter waren groß. Statt zu schmollen machte er weiter. Es folgte eine Zeit beim Radio-Truppensender der Bundeswehr. Während seine Kollegen ihre Grundausbildung absolvierten und in den Kasernen Dienst schoben, musste er seine Koffer packen. „Das war ein hartes halbes Jahr“, sagt Appelmann nachdenklich.

19 war er da - und plötzlich nicht mehr der „kleine Markus“, sondern das Sprachrohr der Soldaten. Er sendete aus Sarajewo, machte Reportagen, führte Interviews mit dem Bundesverteidigungsminister. „So aktive Hörer wie die Soldaten hat man normalerweise nicht. Aber der Tagesbegleiter vieler Truppenmitglieder ist das Radio“, erläutert der 36-Jährige. „Das war die Zeit, in der ich erwachsen geworden bin.“

Manchmal ein bisschen übermotiviert

Es war auch die Zeit, in der seine Eltern akzeptierten, dass diese „Flause mit den Medien“, die sich ihr Sohn in den Kopf gesetzt hatte, nicht so schnell wieder erübrigen würde. Anders als bei Judo oder beim Fußball ist die Begeisterung für Medien, sowohl technisch als auch inhaltlich, nie abgeflaut. Im Gegenteil. Der Reiz, immer wieder in eine Live-Sendung zu gehen, lässt den 36-Jährigen nicht los. „Ich erinnere mich an das Unglück in Fukushima. Da hatten wir einen Tag Zeit, um die komplette planetopia-Sendung umzugestalten. Nichts war so, wie wir es vorbereitet haben. Wir haben uns einfach von den Ereignissen leiten lassen“, sagt er.

Eine Herausforderung für Appelmann, der sonst alles auf den Punkt plant. Auch schon zu Studienzeiten. „Ich war schon immer einigermaßen strukturiert. Auch wenn das schrecklich langweilig klingt.“

Langweilig? Dieses Wort würden Kollegen und Freunde wohl nicht nutzen, um Appelmann zu beschreiben. Eher unermüdlich. Manchmal sogar ein bisschen übermotiviert. Wie zuletzt bei einem Besuch in Marburg. Ein Termin für das Wissensmagazin Planetopia war der Grund. „Ich wollte dann allen zeigen, wo ich einst gelebt habe. Bei so Anlässen blühe ich auf. Da verhalte ich mich wie ein Fremdenführer.“ Marburg ist für ihn immer wieder eine Rückkehr nach Hause. Ein Wiedersehen mit einer guten Bekannten. „Ich liebe es, dass die Stadt überschaubar ist. Man muss dafür gemacht sein.“ Markus Appelmann - er war es.

Steckbrief:

Name: Markus Appelmann

Geboren:  1978

Was macht er jetzt?  Markus Appelmann arbeitet als Journalist für Sat1 - er moderiert die Nachrichtensendung 17.30 und das Wissensmagazin Planetopia sowie zahlreiche Veranstaltungen. Foto: 17.30 Uhr

Kommt er noch vorbei?  Ja – einige seiner Studienfreunde leben noch hier.

von Marie Lisa Schulz

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr