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Bei erneuter Anklage müssen Vater und Sohn ins Gefängnis

Aus dem Landgericht Bei erneuter Anklage müssen Vater und Sohn ins Gefängnis

Im Wesentlichen bestätigte die 4. Strafkammer des Landgerichts Marburg in einer Berufungsverhandlung das ursprüngliche ­Urteil des Amtsgerichts.

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Die beiden Angeklagten mussten sich vor dem Landgericht Marburg verantworten.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Vor Gericht standen erneut ein 48-jähriger 13-facher Marburger Familienvater und sein 21 Jahre alter Sohn. Beiden wurde gefährliche Körperverletzung zur Last gelegt. Bereits früh gab der Jüngere der beiden zu, die gegen ihn erhobenen Vorwürfe begangen zu haben.

Als überaus schwierig erwies sich hingegen die Wahrheitsfindung für den Vorsitzenden Richter Dr. Thomas Wolf und seine Beisitzerin Jaqueline Kempfer sowie den Schöffen im Verfahren gegen den Vater. Ihm wurde zur Last gelegt, am 22. Mai 2014 am Krummbogen, Nähe Aral-Tankstelle, mit einem Stock auf den Kopf einer volltrunkenen Person eingeschlagen zu haben.

Die Verhandlung mit insgesamt 15 geladenen Zeugen musste gleich mehrfach unterbrochen werden, weil Verwandte nicht aussagen wollten, Zeugen nicht erschienen waren und andere Zeugen sich nur noch bruchstückhaft an die Tat vor mehr als zwei Jahren erinnern konnten. Eine Zeugin behauptete sogar, sich an überhaupt nichts mehr erinnern zu können, und auch der Geschädigte konnte gar nichts zum Sachverhalt aussagen. Als Hauptentlastungszeuge der Verteidigung trat der Fahrer jenes Fahrzeugs auf, der den führerscheinlosen angeklagten Vater zum Tatort gefahren hatte und sich als „Blutsbruder“ des Angeklagten bezeichnete, was wiederum seine Aussage in einem zweifelhaften Licht erscheinen ließ.

Erfreulich die klaren Berichte eines Ehepaars aus Offenbach, die zu einem Seminar nach Marburg gekommen waren und recht präzise den Tathergang beschreiben konnten. Die Versuche der beiden Pflichtverteidiger Thomas Strecker und Sascha Marks, diese beiden Aussagen, die in Kleinigkeiten voneinander abwichen, zu erschüttern, blieben erfolglos.

Beachtlich auch die Vorstrafenregister von Vater und Sohn, welche die gegen sie erhobenen Vorwürfe während ihrer Bewährungszeit aus anderen Straftaten begangen hatten.

Viel Zeit nahmen sich sowohl Staatsanwalt Nicolai Wolf wie auch die beiden Verteidiger, die familiären Verhältnisse der Angeklagten zu beleuchten. Der Sohn ist inzwischen selbst Vater geworden, hat eine Teilzeitarbeit angenommen und ist nicht mehr straffällig geworden.

Richter: „Mit dem Arsch auf der Klinge entlang“

Ähnliches gilt für den Vater, der zwar keiner geregelten Tätigkeit nachgeht, sich aber um jene drei seiner straffällig gewordenen Kinder intensiv kümmert und sich müht, sie auf den rechten Pfad zurückzuführen.

Nach einstündiger Unterbrechung wurde der zweitägige Prozess mit dem Urteil abgeschlossen. Der Sohn wurde zu einem Jahr und zehn Monaten Haft sowie 100 Stunden Sozialarbeit verurteilt, die wegen der positiven Sozialprognose auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde.

„Das war mit dem Arsch auf der Klinge entlang“, beschrieb Richter Dr. Wolf das Urteil zum Vater, der für den Stockschlag ein Jahr Haft und 200 Stunden Sozialarbeit bekam. Auch diese Strafe wurde auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Eine erneute Anklage bedeute zwangsläufig eine Haftstrafe, ließ der Vorsitzende Richter zum Abschluss keine Zweifel aufkommen.

von Heinz-Dieter Henkel

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