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„Bei Freunden ist die Religion egal“

Fbs-Projekt „Bei Freunden ist die Religion egal“

„Moslems sind Menschen“ oder „Gemeinsam stark sein“, steht auf den Schildern, die sich die Kinder in der Familienbildungsstätte selbst gebastelt haben. In einem christlich-muslimischen Ferienprojekt spielen und lachen sie zusammen.

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Christliche und muslimische Kinder verbrachten eine Ferienwoche gemeinsam in der Evangelischen Familienbildungsstätte. Einige haben Schilder gebastelt, auf denen sie für Toleranz werben.

Quelle: Peter Gassner

Marburg. Yasin (10) konnte einfach nicht einschlafen. „Ich will kein Moslem mehr sein, sonst muss ich Deutschland am Ende noch verlassen“ – mit diesen Worten erklärte er am Mittwochmorgen, warum er am Abend zuvor lange wach gelegen hatte. Im Fernsehen waren wieder einmal die Bilder von den Demonstrationen der Pegida gezeigt worden. Yasin hatte Angst, seine deutschen Freunde zu verlieren.

„Die Kinder bekommen ja auch mit, was in den Nachrichten passiert – man wird ja überall damit konfrontiert“, sagt Anja Badouin. Sie leitet neben Sabreen Younis und Annika Schweizer das christlich-muslimische Ferienprojekt der Evangelischen Familienbildungsstätte (Fbs). Spielerisch sollen die insgesamt 22 Kinder, unter denen 8 Muslime sind, etwas über andere Kulturen und Religionen erfahren und dabei auch Gemeinsamkeiten entdecken.

Denn „wir sind überzeugt, dass akzeptierendes Miteinander in der Gesellschaft im Kindesalter beginnen soll und muss“, meint Fbs-Sprecherin Christine Ristow. Die derzeitige Nachrichtenlage rund um Pegida und den Anschlag auf das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ verlieh dem Projekt nun noch einmal eine zusätzliche Aktualität.

Organisatoren planen Wiederholung des Projekts

„Ich finde es absurd, wenn nach so einem Anschlag in Paris alle Muslime dafür verantwortlich gemacht werden“, sagt der 12-jährige Matthes. Für ihn, wie auch für die anderen Kinder spielt die Religionszugehörigkeit im Alltag eigentlich keine Rolle. „Natürlich habe ich auch schon vor dieser Woche mit Muslimen gespielt“, sagt er. Auch Yasin meint, „bei Freunden ist es egal, welche Religion sie haben“.

Einige der Kinder haben Schilder gebastelt und wollen vor den Eltern zum Abschluss der Projektwoche die Antigida-Demonstration vom Montag nachspielen. Während der Ferienbetreuung besuchten die Kinder die Lutherische Pfarrkirche, den Botanischen Garten und die Moschee in der Marbach. „Es war uns wichtig, verschiedene Lernorte mit reinzunehmen“, erläutert Badouin, die das Projekt auch in den nächsten Jahren jeweils durchführen möchte.

Bereits in den vergangenen beiden Jahren hatte es unter verschiedenen Mottos stattgefunden. In diesem Jahr hieß es „hot and spicy“. Mit verschiedenen Gewürzen wurde dabei experimentiert, gekocht und gebacken. Am beeindruckendsten war für die 8-jährige Lene jedoch der Besuch in der Moschee.

„Es war für mich etwas ganz Neues. Ich fand es zum Beispiel total spannend zu hören, warum manche Musliminnen Kopftuch tragen.“ Sabreen Younis erklärte den Kindern derartige Dinge über die Religion und versuchte zugleich auch zu verdeutlichen, „dass Terroranschläge – wie in Paris – mit dem Islam nichts zu tun haben“. Für die Kinder ist das ohnehin eine Selbstverständlichkeit.

von Peter Gassner

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