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Behring als Held in Krankenhausserie

Marburger Medizinhistorikerin berät Drehbuchteam Behring als Held in Krankenhausserie

Zum ersten Mal gibt es im deutschen Fernsehen eine historische Krankenhaus­serie. Einer der Stars der TV-Serie „Charité“ wird Emil von Behring (Matthias Koeberlin) sein.

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Marburg. Die Dreharbeiten für die Fernsehserie „Charité“ haben Ende Oktober unter der Regie von Sönke Wortmann begonnen. Sie spielt in Berlin im Jahr 1888.

„Im Spannungsfeld zwischen bahnbrechender medizinischer Forschung und enormen gesellschaftlichen Umwälzungen ist die Charité auf dem Weg, das berühmteste Krankenhaus der Welt zu werden“, heißt es in der Vorankündigung der ARD zum Start der Dreharbeiten.

„Zu Beginn des wilhelminischen Zeitalters werden dort jährlich bis zu 4000 Patienten versorgt, die vor allem unter Infektionskrankheiten wie Tuberkulose, Diphtherie, Typhus und Cholera oder unter Geschlechtskrankheiten wie der Syphillis leiden.“

Zudem seien dort mehr als 1000 Studenten „von den renommiertesten Medizinern der Zeit ausgebildet. Die Rede ist von den späteren Medizin-Nobelpreisträgern Rudolf Virchow, Robert Koch und Paul Ehrlich sowie Emil von Behring (Foto: Behring-Archiv Marburg).

„Unser Behring spielt eine Hauptrolle“, freut sich die Marburger Medizinhistorikerin Dr. Ulrike Enke. Die Mitarbeiterin der in Marburg angesiedelten Emil-von-Behring-Bibliothek erarbeitet derzeit – finanziell gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft – eine wissenschaftliche Behring-Biographie, die im Jahr 2019 vorliegen soll.

Enke wurde von Drehbuchautorin Dorothee Schön und der Ärztin und Medizinjournalistin Dr. Sabine Thor-Wiedemann als Expertin zu Rate gezogen und nach Hintergründen zu Behrings Lebenslauf befragt. Darin ging es natürlich vornehmlich um die Berliner Zeit des Mediziners.

Von 1888 bis 1894 forschte Behring am von Robert Koch geleiteten Berliner Institut für Infektionskrankheiten, das an die Charité angegliedert war. Nach einem kurzen Zwischenspiel in Halle wechselte Behring dann 1894 an die Marburger Universität. In Marburg wohnte er bis zu seinem Tod im Jahr 1917.

Nachdem er 1901 für die Entdeckung des Heilserums gegen Diphtherie den zum ersten Mal überhaupt vergebenen Medizin-Nobelpreis erhalten hatte, gründete Behring die nach ihm benannten Behringwerke, in denen Arzneimittel produziert wurden. Doch im Mittelpunkt der Fernsehserie steht wie gesagt Behrings Berliner Zeit.

Nähere Aufschlüsse darüber konnte Ulrike Enke den Macherinnen der Serie unter anderem anhand von Briefen aus dem in Marburg gesammelten Behring-Nachlass geben, die der Forscher aus Berlin an seine Schwester Emma geschrieben hatte. Diese Briefe geben auch Aufschluss über die Persönlichkeit Behrings.

Serienstart im Jahr 2017

Der Forscher sei eine auffallende, aber auch schwierige Persönlichkeit gewesen, bilanziert die Behring-Forscherin. Denn er sei eigentlich „kein Teamplayer“ und „kein großer Menschenfreund“ gewesen. Vor allem aber sei es ihm schwer gefallen, Erkenntnisse zu teilen.

Auch wenn der Forscher Behring nicht im Charité-Krankenhaus arbeitete, hatte er doch noch eine sehr wesentliche Beziehung zum Umfeld des berühmten Krankenhauses. So heiratete er Else Spinola, die Tochter von Bernhard Spinola, dem damaligen Verwaltungsdirektor des Krankenhauses.

Man darf gespannt sein, ob die Liebesgeschichte zwischen Behring und seiner späteren Frau auch Eingang in die Fernsehserie finden wird. Voraussichtlich im Jahr 2017 soll die sechsteilige Serie mit jeweils 45-minütigen Folgen in der ARD gezeigt werden.

Im Jahr 2017 wird Behrings Biographie auch in Marburg wieder im Mittelpunkt stehen. Denn dann wird an seinen 100. Todestag erinnert. Und aus diesem Anlass soll auch ein Band in der Reihe „Marburger Stadtschriften“ erscheinen, in dem Dr. Kornelia Grundmann von der Emil-von-Behring-Bibliothek vor allem die Marburger Jahre des Medizin-Nobelpreisträgers beleuchten wird, kündigte Enke an.

von Manfred Hitzeroth

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