Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Behörden bleiben wachsam

Probleme in der Oberstadt Behörden bleiben wachsam

Ein Toter, Schwerverletzte, Angst und Wut: Die 
Gewalt-Eskalation in der Oberstadt im Oktober 2014 schockierte viele Marburger, Polizei-
 Patrouillen sollten die 
Gegend sicherer machen. Wie ist die Jahresbilanz?

Voriger Artikel
Uni und Stadt kämpfen gegen Feier-Exzesse
Nächster Artikel
„Es ist schön, dass uns jemand zuhört“

Wochen der Gewalt: Vor einem Jahr gab es in der Oberstadt mehrere Messerstechereien und Konflikte.

Quelle: Ricarda Schick

Marburg. Dauerhafte Streifen von einem Sicherheitsdienst in der Oberstadt, verstärkte Polizei- und Ordnungsamtspräsenz zu Semesterbeginn, vorerst keine Veränderung der Sperr
zeiten in Kneipen: Das sind einige Folgen der Gewalt-Eskalation in der Oberstadt vor einem Jahr.

Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2014 weist „trotz der sicherlich schlimmen Einzelfälle des letzten Jahres“, wie Polizeisprecher Martin Ahlich auf OP-Anfrage sagt, für Marburg einen Rückgang der Straftaten von 5116 auf 4730 aus. Diese Reduzierung spiegele sich auch in der Entwicklung der Straßen- und Gewaltkriminalität in der Universitätsstadt wider.

„Eine verstärkte Präsenz der Polizei dient der Prävention und vermittelt nach bisherigen Erfahrungen ein positives Sicherheitsgefühl. Wir sind zuversichtlich, dass dies auch trotz der jüngsten Vorkommnisse – Einbrüche und Überfall in einer Wohnung – für die Oberstadt so eingetreten ist“, sagt Ahlich. Seit vergangenem Mai habe es pro Monat weniger als ein Dutzend Anwohner-Beschwerden bei der Polizei gegeben – wegen Partylärm und Nachbarschaftsstreits, nicht aufgrund von Gewaltvorfällen.

Doch speziell zur nun beginnenden Vorlesungszeit fürchten Anwohner eine Rückkehr der Probleme. „Nur weil nicht mehr so intensiv darüber gesprochen wird, sind die Probleme ja nicht verschwunden. Gerade jetzt wo das Semester wieder beginnt, wird es sehr voll, viele Menschen sind unterwegs und es könnte wieder was passieren“, sagt Christopher Moss, Anwohner und aktiv in der Oberstadt-Bürgerinitiative. Durch die zeitweilig verstärkte Polizeipräsenz habe sich „das subjektive Sicherheitsempfinden vieler in der Gegend aber nicht sehr verbessert“, sagt Moss.

Streifgänge sind 
reduziert worden

„Wir beobachten die Situation und reagieren bei einer Veränderung der Situation flexibel. Die Anzahl der nächtlichen Streifengänge in der Oberstadt kann bei Bedarf jederzeit erhöht werden“, sagt Sabine Preisler, Sprecherin der Stadt auf OP-Anfrage. Zu Beginn der Vorlesungszeit, speziell in der Orientierungswoche in den vergangenen Tagen, sei die Oberstadt-Präsenz der Sicherheitskräfte „selbstverständlich verstärkt“ worden.

Bilanz der Stadt ein Jahr nach der Sicherheits-Offensive: „Polizei, Ordnungsamt und Sicherheitsdienst stellten während ihrer intensiven Streifengänge im Herbst 2014 nur eine sehr geringe Anzahl von Störungen fest. Aus diesem Grund ist die Anzahl der Streifengänge reduziert worden“, sagt Preisler.

Bilanz der Polizei: „Die Oberstadt ist kein Brennpunkt.“

Bilanz von Anwohner Moss: „Die Lage hat sich nach dem Aufruhr beruhigt. Ich denke, dass die zum Glück in der Intensität einmaligen Gewaltgeschehnisse viele Leute für die Probleme sensibilisiert hat.“

Bilanz der Arbeitsgemeinschaft der Stadtteilgemeinden (Arge): „Diese schlimmen Sachen waren der Anlass, dem Vernachlässigungs-Gefühl der Oberstädter Beachtung zu schenken und den Problemen entgegenzutreten“ sagt Marianne Wölk, Arge-Vorsitzende. „Sicherheitsängste, Wohnqualitätsverlust: Die Stimmung drohte zu kippen.“ Aber nach vielen Gesprächen und Workshops auch mit Gastwirten und Fachschaften, sei „ein guter Weg eingeschlagen worden“.

Bilanz von Andrea Suntheim-Pichler, BfM-Stadtverordnete: „Keiner kann – trotz Verstärkung der Sicherheitsbemühungen – verhindern, wenn Menschen, aus welchen Gründen auch immer, zur Gewalt neigen.“ Für das „Image der Stadt“ sei es „grundsätzlich nicht gut“, wenn das Thema „immer weiter aufbereitet“ werde.

von Björn Wisker

 
Gerichtsprozess
Der dritte Verhandlungstag im Totschlagsprozess gegen einen Studenten, der im Oktober 2014 sein Opfer mit einem Messerstich getötet haben soll, beginnt am Montag, 12. Oktober, 9 Uhr im Landgericht.
 
 
 Umfrage: Fühlen sie sich im Ausgehviertel Oberstadt sicher?

 

Angelika Meister (57):
„Man hat das Gefühl, dass jeder Halbstarke heute in Marburg mit einem Messer rumläuft. Die Vorstellung, gerade bei den vielen Besoffenen am Wochenende, finde ich schon beunruhigend.“

 

Rufus Tacke (25):
„Man sollte die Kirche mal im Dorf lassen, was Probleme in der Oberstadt angeht. Da passiert nicht mehr, eher weniger als in belebten, beliebten Vierteln anderer Städte.“

Herbert Engelmann (60):
„Vorsichtig zu sein, das kann nie schaden. Das gilt für die Oberstadt, für Marburg, wie für jede andere Stadt auf der Welt, in der man lebt oder die man besucht.“

 

Manfred Schmidt (54):
„Letztes Jahr sind in kurzer Zeit viele schlimme, brutale Dinge passiert, aber so etwas kommt einmal in 20 Jahren vor. Die Stadt ist aber nicht unsicherer geworden.“

Anna-Sophie Eckert (22):
„Ich passe nachts, wenn ich unterwegs bin, schon besser auf, wer mir so begegnet. Gerade als Frau. Aber Angst habe ich in Marburg nirgendwo, da gibt es viel gefährlichere Städte.“

Umfrage/Fotos: Björn Wisker

 
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Uni und Stadt kämpfen gegen Feier-Exzesse

Jubel, Trubel, Heiterkeit: Bei den Orientierungseinheiten der Erstsemester an der Philipps-Universität wird in jedem Semester gefeiert. Doch die Partys der „Neuen“ eine Woche vor dem Semesterstart sind häufig mit Lärm und Alkohol-Exzessen verbunden. Vor allem für die Wintersemester, wenn besonders viele „Erstis“ neu an die Hochschule kommen.

mehr

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr