Volltextsuche über das Angebot:

26 ° / 13 ° Regenschauer

Navigation:
Behlen will Gesicht des Neuaufbaus sein

FDP-Bundesvorsitz Behlen will Gesicht des Neuaufbaus sein

Seine provokanten Aussagen haben nicht nur politische Gegner gegen ihn aufgebracht. Auch parteiintern hat sich Jörg Behlen damit nicht immer Freunde gemacht. Sein unbeugsamer liberaler Freigeist soll ihn nun zur Nummer eins machen.

Voriger Artikel
Maskierter Mann bedroht Taxifahrer
Nächster Artikel
Schuldenfrei zurück in die Krankenkasse

Jörg Behlen aus dem Ebsdorfer Grund will FDP-Bundesvorsitzender werden.

Quelle: Nadine Weigel

Ebsdorfergrund. Wer wird der neue Bundesvorsitzende der FDP? Wer hat das Zeug, die Liberalen wieder auf Kurs zu bringen, sie wieder zu einer festen Macht in Wahlkämpfen auf Landesebene und natürlich erst recht für den Bundestag werden zu lassen?

Der 34-jährige Christian Lindner ist stellvertretender Bundesvorsitzender und hat das Glück - oder auch das Geschick bewiesen - seine Person nicht zu eng an das Schicksal der im Bundestagswahlkampf gescheiterten Spitze Philipp Rösler/Rainer Brüderle zu binden. Nach der Wahlniederlage, nach dem Schock, aus dem neuen Bundestag tatsächlich herausgeflogen zu sein, war er es, der die Verantwortung für einen Neuaufbau übernehmen wollte. Als Selbstläufer sozusagen.

Kandidatur geht nicht gegen Lindner persönlich

Doch Lindner kannte zu jenem Zeitpunkt sicher noch nicht den hiesigen Kreisvorsitzenden Jörg Behlen, sonst hätte er wohl seine Worte bedächtiger gewählt. „Es ist die Art und Weise, wie unsere Partei und auch Christian Lindner mit unserer verheerenden Niederlage bei der Bundestagswahl umgegangen sind“, nennt Jörg Behlen den Grund, weshalb er sich überhaupt mit einer Kandidatur beschäftigte. Und weiter: „Meine Kandidatur richtet sich nicht gegen Christian Lindner persönlich. Sie ist das Ergebnis der Frage, welche Konsequenzen man aus dieser Niederlage ziehen muss. Wir müssen uns auf unser Anliegen besinnen und für den Liberalismus einstehen, der uns über all die Jahre ausgezeichnet hat.“ Lindner sei als Mitglied des Vorstands, als stellvertretender Bundesvorsitzender viel zu dicht an jenen gewesen, die vom Wähler nicht gewollt wurden. „Die Niederlage jetzt nur auf die Personalie Rösler zu beschränken, ist nicht fair“, so Behlen.

Lange Zeit hat er sich aufgeregt, wie die FDP-Führung auf Bundesebene agierte. Jetzt hat er die große und wohl einmalige Chance, seine Vorstellung von Liberalismus genau jenem Publikum zu Gehör zu bringen, das sie wenigstens einmal von ihm gehört haben soll. Als Kandidat für den Bundesvorsitz verschafft sich Behlen derzeit einen neuen Bekanntheitsgrad in seiner Partei. Er stellte und stellt sich noch bei verschiedenen FDP-Landesverbänden als Kandidat vor, etwa nächstes Wochenende in Niedersachsen.

Was treibt ihn an, jetzt bis an die Spitze der Partei vordringen zu wollen? Die Überzeugung, dass nur die FDP Liberalismus in die Parteienlandschaft bringen kann. Er kann es nicht ertragen, dass sich die anderen demokratischen Parteien immer wieder „erdreisten“, durch Gesetze und Verordnungen immer tiefer in die Lebenswelt der Menschen einzudringen und sie in bestimmte Richtungen zu zwingen.

„Ganz ehrlich, zieht man heute als junger Erwachsener von zu Hause aus, um dann von der Politik gesagt zu bekommen, dass man einen Mantel anzuziehen hat, wenn es kalt ist?“ Als Schlagworte nennt Behlen nur „Rauchverbot“, „Schadstoffplakette“ und „Glühbirnenverbot“. „Der Mensch wird und soll selbst entscheiden, was er will.“ So reguliere sich der Markt. Wer aber Menschen dazu zwinge, etwas ganz Bestimmtes zu tun oder zu unterlassen, der nehme sie nicht wirklich mit, er gängele sie nur. Deshalb müsse sich die FDP auch gegenüber Brüssel, sprich gegenüber der EU, wieder kritischer aufstellen.

Behlen greift öfter zu drastischen Mitteln

Der „ganz normale Wahnsinn der Regelungspolitik“ hat Behlen schon öfter zu drastischen Mitteln greifen lassen, die ihn nicht alle einfach so durchgehen ließen. Zuletzt eckte er damit an, die Grünen aufgrund ihres „Veggi Days“ auf seiner Facebook-Seite mehrfach als Öko-Faschisten zu bezeichnen.

Auch Dr. Stefan Heck, heimisches Mitglied der neuen CDU-Fraktion in Berlin, fühlte sich von Behlen mehrfach unter der Gürtellinie getroffen. In seinem Bewerbungsgespräch zum Bundesvorsitzenden will er aber ganz einfach nur durch Sachargumente überzeugen, 20 Minuten hat er dafür Zeit.

Ganze 20 Minuten, um die Anhänger von Hoffnungsträger Lindner von sich zu überzeugen.

von Götz Schaub

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr