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„Behandle nie deine Schwiegermutter“

Vortrag Dr. Jürgen Schäfer „Behandle nie deine Schwiegermutter“

„Das Buch eröffnet die Chance ein paar Aspekte unserer wichtigen Arbeit vorzustellen“, sagte der Kardiologe und Leiter des Zentrums für unerkannte und seltene Erkrankungen (ZusE) am Uni-Klinikum.

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Dem zahlreich erschienenen Publikum berichtete Autor und Kardiologe Professor Jürgen Schäfer von der Entstehung seines neuen Buches.

Quelle: Arnd Hartmann

Marburg. „Ich bin sehr gerührt, dass so viele Leute heute Abend gekommen sind“, freute sich Professor Jürgen Schäfer über die Fülle an Gästen in der Universitätsbuchhandlung. Anders als sonst üblich stand jedoch nicht das Lesevergnügen in den historischen Hallen, sondern ein spannender Vortrag über das neuste Werk des Medizinprofessors auf dem Programm.

„Ich wünsche uns allen einen interessanten Abend und möchte daran erinnern, dass heute keine Sprechstunde ist“, scherzte Teamleiterin Barbara Amend zu Beginn der Veranstaltung. Mit dem großen Zulauf an Menschen hatten wohl selbst die Organisatoren nicht gerechnet. Während von draußen noch Interessierte ihre Nasen gegen die Fensterscheibe drückten, erklärte Professor Schäfer, wie sein neues Werk überhaupt entstanden ist. Bereits im August 2013 gab es die Intention ein derartiges Buch zu schreiben. Bis zum Frühjahr dieses Jahres habe aber die Skripterstellung mit medizinischer Ausgestaltung gedauert.

Dass das Buch letzten Endes bei der Verlagsgruppe Droemer-Knaur erschienen ist, darüber freute sich Schäfer besonders. Hillary Clinton und Altbundeskanzler Helmut Kohl seien nur einige prominente Autoren des Verlages, „doch ich schaue wesentlich freundlicher auf dem Cover aus“, witzelte der Mediziner. „Ich möchte mit meinem Buch einfach zeigen, wie spannend, aber auch gefahrengeneigt die Medizin sein kann.“ Dass mit dem Infotainmentcharakter bewusst auf eine auflockernde Wissensvermittlung gesetzt wurde, soll gerade den Studierenden zugutekommen: „Von Hollywood in den Hörsaal, vom Hörsaal ans Krankenbett.“

Besonders stolz ist Schäfer deshalb auf seine Kollegen von Forschung und Lehre, ohne welche die tägliche Arbeit nicht machbar wäre. „Die Stärke des ganzen Konzepts liegt darin, dass erfahrene und diskussionsfreudige Menschen an einem Tisch sitzen.“

„Was können wir von Dr. House also lernen?“, fragte Schäfer ins Publikum. „Behandle nie seine Schwiegermutter“, beantwortete er gleich selbst mit Augenzwinkern in Bezug auf einen Ausschnitt der Fernsehserie. Vor allem sollte die Arbeitsdiagnose immer hinterfragt, überprüft und zusammengefügt werden.

Selbst die Fiktion eines Drehbuches kann auf so manchen Realitätsfall richtig zutreffen, wie der Autor anhand von einigen Fallbeispielen aus der Serie erläuterte. „Die Macht der Medien“, in Bezug auf die internationale Berichterstattung seines „Dr.-House-Seminars“ an der Philipps-Universität aus dem Wintersemester 2008/2009 bereut er aber nicht. „Mir war es wichtig, dass dieses Thema bekannt wird, dank des prominenten Fernsehtitels.“ Trotzdem bedaure er die „fehlende Honorierung“ der medizinischen Leistung an den Kliniken heute. „Es ist dabei vollkommen schnurz ,ob das privatisierte oder landesgeführte Einrichtungen sind.“

Das Problem für die zeitintensive Forschungsarbeit liege in dem DRG-Abrechnungssystem und unfairen Fallpauschalen. „Es ist ein Systemproblem, in dem einfach keine Freiräume für eine komplexe Diagnosestellung existieren, was nicht zuletzt auch ein Kliniksterben in Deutschland zur Folge hat“, mahnte Schäfer.

„Wir sind aber deshalb nicht besser in unserer Arbeit als die Kollegen in anderen Kliniken“, verdeutlichte er zum Ende seines Lichtbildvortrages, bevor sich die geduldigen Zuhörer ein persönlich signiertes Exemplar sichern konnten.

von Arnd Hartmann

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