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Beginn der akademischen Karriere

Promotionspreise Beginn der akademischen Karriere

Geehrt wurden fünf junge Wissenschaftler für ihre herausragenden Doktorarbeiten, die im vergangenen Jahr eingereicht worden waren.

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Professor Michael Bölker (Mitte) überreichte die Preise an Hendrik Baumbach (von links), Florian Neumeier, Michaela Gerlach und ­Joël Charles. Raimo Hartmann konnte nicht teilnehmen, da er erkrankt war.

Quelle: Lisa Rösser

Marburg. „Promotionspreise sind etwas ganz Besonderes, denn die Promotion ist besonders wichtig im Leben von Wissenschaftlern – sie markiert den Beginn der akademischen Karriere.“

So begrüßte Professor Michael Bölker, Vizepräsident der Philipps-Universität für Forschung und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, das Publikum zur Verleihung der Promotionspreise für das Jahr 2015.

Wie üblich wurden dabei besonders herausragende Arbeiten aus vier thematischen Sektionen ausgewählt, die im vergangenen Jahr publiziert worden waren – in diesem Jahr gab es allerdings sogar fünf Preisträger, von denen jeder seine Arbeit kurz und verständlich darstellte. „Teil der Bedingungen war es, mit der Bewerbung eine Zusammenfassung für ein allgemeines Publikum zu verfassen – denn die Forschung soll nicht nur Kollegen erreichen, sondern auch in die Gesellschaft hineinwirken“, erläuterte Bölker.

„Können Geschäftsleute gute Politiker sein?“

So hatte sich Preisträger Florian Neumeier, ausgezeichnet in der Sektion Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, mit der aus heutiger Perspektive doch unerwartet aktuellen Frage beschäftigt, wie es sich auswirkt, wenn Geschäftsleute ohne politische Erfahrung anstatt von klassischen Karrierepolitikern in Regierungsämter gewählt werden – oder anders: „Können Geschäftsleute gute Politiker sein?“

Dazu hatte er sich vergleichend die Amtsphasen von Gouverneuren angesehen, die unter vergleichbaren Umständen ihre Position angetreten hatten. Dabei resümierte Neumeier, dass die Auswirkungen nicht generell negativ sein müssten, jedoch die soziale Herkunft und Biografie eines Kandidaten meist viel ausschlaggebender seien als das Parteibuch: „Wer selbst aus prekären Verhältnissen stammt, legt mehr Wert auf Ausgaben für Soziales und Bildung.“

In der Sektion Philosophie und Kulturwissenschaften wurde Hendrik Baumbach geehrt, der sich mit königlicher Gerichtsbarkeit im deutschen Spätmittelalter beschäftigte. Um zu ergründen, wie Rechtsprechung im Mittelalter durch nur einen König erfolgen konnte, sah er sich Unterlagen aus den Regierungsphasen von insgesamt 21 Königen über einen Gesamtzeitraum von etwa 300 Jahren an und nahm circa 50000 Königshandlungen wenigstens in Augenschein.

Dabei beobachtete er bestimmte grundlegende Prinzipien: So delegierten Könige vor allem später, als das Aufkommen der Fälle stärker wuchs, ihre gerichtliche Autorität beispielsweise an Hofrichter oder profitierten auch davon, dass der Regierungssitz an einen festen Standort verlegt wurde, der dann bessere Organisationsmöglichkeiten bot als dies einem reisenden Hofstaat möglich gewesen war (die OP berichtete in „Forschung Marburg“ am vergangenen Freitag).

Zwei Preisträger wurden für das Jahr 2015 in der Sektion Mathematik und Naturwissenschaften ausgezeichnet, die sich den Preis gewissermaßen teilen. Für den erkrankten Raimo Hartmann, dessen Arbeit in der Nanophysik angesiedelt ist, nahm der Dekan des Fachbereichs Physik, Professor Reinhard Noack, den Preis entgegen.

Tumorzellen werden mit „Leuchtproteinen“ markiert

Die Arbeit von Joël Charles dagegen stammt aus dem Bereich Biologie, genauer der Tumorforschung – konkret mit dem Ziel, den Tierschutz in der Krebsforschung zu verbessern, indem ein neues Verfahren zur Beobachtung der Tumorentwicklung bei Mäusen die Lebensqualität der Versuchstiere entscheidend verbessert.

Während früher für einen Versuch, bei dem zu zehn Zeitpunkten jeweils 10 bis 15 Mäuse zu untersuchen waren, eine hohe Anzahl Versuchstiere sterben mussten, so sind auch neuere Verfahren wie etwa Magnet­resonanztomografie für die Tiere stark stressverursachend und überdies mit hohen Kosten verbunden. Nach der neuen Methode, die Tumorzellen gewissermaßen mit „Leuchtproteinen“ markiert, genügt es, den Tieren gelegentlich eine sehr geringe Menge Blut zu entnehmen, um die Tumorentwicklung zu verfolgen.

Schließlich wurde in der Sektion Biowissenschaften und Medizin die Virologin Michaela Gerlach geehrt, die sich mit dem Zusammenspiel von Virus und Wirtskörper und der Erkennung von Viren beschäftigte.

Der Preis ist in jeder Sektion mit einem Preisgeld von 1000 Euro dotiert und außerdem verbunden mit einem Training in Wissenschaftskommunikation.

von Lisa Rösser

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