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Befragung für Mai geplant

Windkraft Befragung für Mai geplant

Die Stadtwerke werden ihre Planungen für den Bau von Windrädern auf dem Lichten Küppel stoppen und das Projekt verwerfen, wenn die Marburger mehrheitlich dagegen stimmen.

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Windräder nahe einem Waldgebiet wie diese sind auch auf dem Lichten Küppel geplant.

Quelle: Archiv

Moischt. Eine Bürgerbefragung werde als „unverbindliche Meinungsäußerung“ kommen und soll wohl im Mai durchgeführt werden. Das teilte Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) mit.

Sollten sich die Bürger darin gegen den Bau der zwei 140 Meter hohen Anlagen nahe Moischt entscheiden, würden die Stadtwerke „in diesen Anlagenort nicht weiter investieren“, versprach Kahle während der Ortsbeiratssitzung in Moischt am Mittwochabend.

Mehrere Bewohner äußerten dort ihre Sorge über die geplante Umfrage. Insbesondere im Hinblick auf die zu erwartende Schall- und Schatten-Belastung mache es keinen Sinn die Befragung zu gleichen Teilen im gesamten Stadtgebiet durchzuführen, ohne die Meinung aus den direkt betroffenen Stadtteilen hervorzuheben.

Diese sollten bei der Umfrage „stärker zählen und sichtbar gemacht werden“, betonte unter anderem Rudolf Gerber und sprach sich für mehr Mitspracherecht der betroffenen Ortsteile aus. „So kann man öffentliche Vorhaben aber nicht umsetzen“, widersprach Kahle. Die Stadt könne die festgelegten Regeln einer Bürgerbefragung nicht außer Kraft setzen.

Der drohende Lärm und der mögliche Schattenwurf versetzt die Moischter besonders in Sorge. Kahle und Stadtwerke-Geschäftsführer Rainer Kühne erläuterten daher die aktuellsten Berechnungen und Gutachten-Details.Der stärkste Schattenwurf, der bei beiden Windrädern für über 30 Stunden pro Jahr auftrete, „liegt ausschließlich in unbebauten Gebieten“, sagte Kühne. Die weitergehende Beschattungsfläche im Umkreis reiche bis in das Gebiet der Innenstadt, sei jedoch „nicht als Schatten wahrnehmbar“.

Gutachten soll spätestens im Oktober fertig sein

Thema Lärm: Die Hauptbelastung bei der Schallausbreitung gehe von den Generatoren der Windkrafträder aus. Kühne erläuterte, dass diese im Umkreis im Rahmen einer Skala zwischen 50 Dezibel – was etwa einer „normalen Unterhaltung in einem Meter Entfernung“ entspreche – bis 20 Dezibel, was „einem Blätterrascheln“ entspreche, gemessen werde.

Die Schallbelastung für Moischt liege im mittleren bis geringen Bereich, „zwischen Atemgeräuschen und ruhiger Wohngegend“, betonte der Geschäftsführer. Diese Werte werden jedoch nicht direkt gemessen, sondern gehen aus fest gelegten Parametern hervor. Nach diesen Berechnungen würden die vorgeschriebenen Lärmwerte in allen Bereichen unterschritten, Infraschall werde dabei nicht erfasst, teilte Kühne mit.

Das „subjektive Empfinden“ könne sich jedoch durchaus von den konstanten Werten unterscheiden. Dass die Windkraftanlagen wirklich so leise sein werden wie beschrieben, glaubten viele der bei der Sitzung anwesenden Anwohner nicht. Trotz aller Statistik, könne die Realität anders aussehen, es sei möglich, „dass tatsächlich mehr ankomme als die Zahlen versprechen“, sagt etwa Marc Prause. Auch Dr. Elisabeth Reetz aus Schröck, die ebenfalls an der Sitzung teilnahm, kritisierte die Berechnungen, welche „die Wirklichkeit nicht widerspiegeln“ würden.

Bis spätestens Oktober soll das  Gutachten fertig sein, teilten die Stadtwerke mit.

Vor der Befragung will die Kommune für Interessierte eine Fahrt zu einer vergleichbaren Anlage (Hohenahr, Lahn-Dill-Kreis) organisieren.

von Ina Tannert und Björn Wisker

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