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Bausteine des Lebens, neu zusammengesetzt

Ministerpräsident besucht Synmikro Bausteine des Lebens, neu zusammengesetzt

Leuchttürme mögen im Sprachgebrauch der hessischen Landespolitik außer Mode gekommen sein – das Marburger Loewe-Zentrum für Synthetische Mikrobiologie (Synmikro) ist tatsächlich einer.

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Dr. Knut Drescher (hinten), der Leiter der Max-Planck-Forschungsgruppe Bakterielle Biofilme, informiert Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier über seine Forschung.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) konnte sich davon selbst ein Bild machen: Er informierte sich am Donnerstag über die Arbeit des seit 2010 bestehenden Zentrums, in dem mehr als 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Philipps-Universität Marburg und des Max-Planck-Instituts für terrestrische Mikrobiologie Marburg in mehr als 30 Arbeitsgruppen die Grundlagen der Synthetischen Mikrobiologie erforschen.

Das Zentrum ist eines der weltweit größten Zentren synthetisch-mikrobiologischer Forschung. Die Landesregierung hat Synmikro im Rahmen ihres Forschungsförderungsprogramms Loewe mit bislang 44 Millionen Euro unterstützt – nicht mitgerechnet die Investitionskosten für den Forschungsneubau. 250 Menschen haben hier ihren Arbeitsplatz gefunden. 2019 soll das Zentrum einen neuen Bau beziehen. Für die 6200 Quadratmeter sind Baukosten in Höhe von 60 Millionen Euro veranschlagt.

„Einmalig“, so Uni-Präsidentin Professorin Dr. Katharina Krause, ist, dass in dem neuen Forschungszentrum von Synmikro die Philipps-Universität und Max-Planck-Institut gleichermaßen untergebracht sind – früher war es undenkbar, dass eine universitäre und eine private Arbeitsgruppe gemeinsam gefördert werden.

Bouffier bekennt sich zur Spitzenforschung

Damit ist auch schon eines der Prinzipien erklärt, die die Loewe-Förderung des Landes fordert: Loewe (steht für Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz) fördert nach dem Willen Bouffiers nicht nur herausragende wissenschaftliche Forschung, sondern insbesondere auch eine intensive Vernetzung von Wissenschaft, außeruniversitärer Forschung und Wirtschaft.

Der Ministerpräsident wollte seinen Besuch aber nicht nur als Bekenntnis zur Fortsetzung des Loewe-Programms verstanden wissen, sondern auch als Bekenntnis zur Spitzenforschung. „Die Forschungen von heute sind die Lebensbedingungen von morgen“, sagte der Ministerpräsident, gleichwohl brauche die Wissenschaft aber starke Fürsprache auch von der Politik: „Wissenschaft und Wissenschaftsförderung sind nicht ‚in‘“.

Stark vereinfacht gesprochen geht es bei der synthetischen Mikrobiologie darum, zu verstehen, wie sich Tausende Organismen in einer Zelle organisieren – und wie man deren Eigenschaften durch einen Eingriff von außen verändern kann, wie Professor Dr. Victor Sourjik vom Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie erläuterte.

Sourjik beschäftigt sich vor allem mit der Untersuchung von Bakterien und der möglichen Veränderung ihrer Funktionsweisen: Was kann man beispielsweise tun, um ihnen Biosensoren einzubauen – mit dem Ziel, dass sie Umwelteinflüsse wahrnehmen – das ist eine der Fragestellungen, die Sourjik untersucht.

Ethiker arbeitet im Synmikro-Team mit

Wenngleich es bei diesen und anderen Fragestellungen sehr stark um Grundlagenforschung geht, ist doch die Frage der Anwendbarkeit zentral, machte der Geschäftsführende Direktor des Zentrums für Synthetische Mikrobiologie, Professor Dr. Bruno Eckhardt, deutlich.

Auch aus diesem Grund arbeitet im Synmikro-Team ein Ethiker mit – schließlich geht es bei der synthetischen Mikrobiologie ebenfalls um die Veränderung, vielleicht auch um die Schaffung von Leben: Kleinste Bausteine werden auseinandergenommen und neu zusammengesetzt. Ein sehr anwendungsorientiertes Arbeitsgebiet bei Synmikro ist die Erforschung von Biofilmen.

Biofilme bestehen aus einer Schleimschicht, in der Mikroorganismen wie Bakterien eingebettet sind, eine Art „bakterieller Wohngemeinschaft“, wie Arbeitsgruppenleiter Dr. Knut Drescher erläuterte. Spannend: Biofilme sind resistent gegen Antibiotika.

Dreschers Arbeitsgruppe erforscht, wie sich die Eigenschaften des Biofilms ändern: etwa durch Veränderungen an der Zusammensetzung einzelner Bakterien oder ihrer Umgebung. Erkenntnisse, die hier gewonnen werden, können angewendet werden bei der Mundhygiene, bei Kläranlagen, beim Pflanzenwachstum oder beim Infektionsschutz.

von Till Conrad

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