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Baustart für Demenz-Hilfe rückt näher

Soziales Projekt Baustart für Demenz-Hilfe rückt näher

Die Bürgerinitiative Sozialpsychiatrie arbeitet mit Hochdruck an einem Konzept für Mittelhessens erste Demenzwohngruppe. Entstehen wird diese auf dem ehemaligen Germanenplatz entlang der Weintrautstraße.

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Quelle: dpa

Marburg. Die BI peilt einen Einzug in das Gebäude für Ende 2014, Anfang 2015 an. „Das Bauantrags- und Genehmigungsverfahren für das gesamte Quartier ist bereits in Gang“, sagt Michael Kessler, Geschäftsführender Vorstand des Vereins. Auf 360 Quadratmetern entsteht eine Wohngemeinschaft für neun Demenzkranke. Zimmergröße: je 15 Quadratmeter für jeden Bewohner. Ein Vorvertrag mit dem Investor - der Germanenplatz GbR - sei bereits unterschrieben worden. Kürzlich plante man den Bau mit dem Investor und Architekten nochmal um. „Die Grundrisse sind abschließend voll an unsere Bedürfnisse angepasst worden“, sagt Kessler.

In der Weintrautstraße sollen Vereinsangaben zufolge weder ein Mini-Altenheim noch eine kleine Mietsiedlung für Rentner entstehen. „Die an Demenz Erkrankten sollen in einer Gemeinschaft frei und selbstständig leben, alles selbst entscheiden“, sagt Thomas Dimroth, Projektmanager und Hausleiter der BI. Medizinisch werde sich ein ambulanter Pflegedienst um die Bewohner kümmern. Die BI stelle kein Betreuungs-Personal, bis auf Aufsichts- und Hilfskräfte sollen die Bewohner unter sich - und mit Angehörigen - alles Alltägliche regeln.

Kostenrahmen ähnlich wie bei der Heimunterbringung

Zwischen 300 und 400 Euro Miete wird die BI für die Zimmer in der WG verlangen. „Der Investor sicherte uns diese Sozialverträglichkeit bereits zu. Und wir sind in Gesprächen mit den Ämtern, bei etwaig Bedürftigen die Kosten für die Unterbringung mitzutragen“, sagt Dimroth. Zu dem Mietpreis - die BI tritt als Vermieter und Koordinatior der Wohnanlage auf - kommen für jeden Bewohner die Kosten für dessen individuellen Pflegeleistungen, die mit dem Spezialdienst ausgehandelt werden. Insgesamt, so Dimroth, orientiere man sich an den durchschnittlichen Kosten für einen Heimplatz: „Das liegt dann so um die 3000, 3500 Euro“, sagt er. „Das heißt aber nicht, dass jeder Bewohner diese Beträge zahlt. Inbegriffen in diese Zahlen sind die Leistungen etwa aus der Pflegekasse“, ergänzt er. Ein Knackpunkt des Konzepts ist die Selektion der Senioren: Wer bekommt einen Platz, wem muss man absagen? „Wir setzen auf einen Mix der Pflegestufen“, sagt Dimroth. In der WG sollen nicht nur Schwer- oder Leichtkranke unter sich bleiben. „Damit die Idee funktioniert, müssen sich die Rest-Fähigkeiten der Bewohnergegenseitig ergänzen“, sagt er. 1400 vergleichbare WGs gebe es deutschlandweit derzeit.

Vom Bund hat die BI bereits eine Förderungszusage von 10 000 Euro erhalten. Gemeinsam mit sieben anderen Marburger Partnern aus dem Sozialsektor fließt dieser Betrag in eine lokale Allianz für Menschen mit Demenz. In diesem Netzwerk soll eine Koordinierungsstelle installiert werden, um zwischen verschiedenen heimischen Initiativen stetigen Erfahrungsaustausch rund um die Krankheit zu garantieren. 500 Euro spendete zudem die Firma Getränkeservice Brusius vorab an die BI.

Angehörige werden mit eingebunden

Bevor die Bürgerinitiative Sozialpsychiatrie den Zuschlag für das Projekt auf dem Ex-Germanenplatz erhielt, gab es Irritationen um den plötzlichen Absprung des ursprünglichen Interessenten LiA. Die Marburger Linke wittert unterdessen ein Schlupfloch, dass dem Projekt gefährlich werden könnte. In einem Antrag an die Stadtverordnetenversammlung fordert die Fraktion, das eine auf 20 Jahre festgeschriebene Nutzungs-Garantie in die Verträge ergänzt wird. „Wenn die BI scheitert, könnten in das Haus kommerzielle Mietwohnungen kommen“, heißt es in dem Antrag. Rückbaumaßnahmen, also ein Auszug des sozialen Projekts und Einzug von klassischen Mietern seien demnach möglich. Das will die Linke mit einem entsprechenden Passus im Vertrag verhindern.

Abhängig ist der WG-Erfolg Kessler zufolge maßgeblich von den Angehörigen der Bewohner. Deren Hilfs- und Organisationsbereitschaft spielen im Konzept eine tragende Rolle. „Sie müssen voll hinter der Idee stehen, dementsprechend bei Problemen mit ihren Verwandten helfen und sich einbringen“, sagt er. Ergänzt werde das Angebot der BI - die als Hauptmieter auftritt - durch freiwillige Helfer, die etwa Freizeitprogramme im Haus gestalten.

von Björn Wisker

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