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„Baugenehmigung da - Halleluja“

100 Jahre Diakonissen-Mutterhaus „Baugenehmigung da - Halleluja“

Rund 250 Gäste konnte die Schwesternschaft des Diakonissenhauses am Sonntag auf dem Hebronberg begrüßen. Die Schwestern erinnerten an das Leben auf dem Berg vor 100 Jahren.

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Die Schwestern luden die Besucher auch in ihre privaten Räume ein.

Quelle: Ina Tannert

Wehrda. Zum großen Jubiläum öffneten die Schwestern den Gästen Tür und Tor, luden die Besucher zu einem Rundgang durch das Mutterhaus und gaben seltene Einblicke in das Leben der Gemeinschaft, damals wie heute.

Rund 250 Gäste besuchten den Festgottesdienst und warfen einen Blick hinter die historische Kulisse der Gemeinschaft. Eine dezentrale Hausausstellung mit zahlreichen alten Fotos führte die Betrachter zurück in die Vergangenheit und demonstrierte die frühere Raumaufteilung des Mutterhauses. So wandelte sich der ehemalige hauseigene Verlag samt Buchhandlung in ein Empfangszimmer, während die alte Näherei und Schreibstube zu Büroräumen umgestaltet wurden.

Ein weiterer Raum der Verwaltung war einmal ein Wohnzimmer für die Erholungsschwestern, also die Diakonissen von außerhalb, die im Urlaub das Mutterhaus besuchten. Das Bild zeigt einen einladenden, lichtdurchfluteten Raum samt bequemen Sitzgelegenheiten neben einem großen Ofen, der für Wärme und Behaglichkeit gesorgt haben sollte. Regelmäßige Ruhepausen und Entspannung während der Ferien lag schon damals im Sinne der Gemeinschaft, „Erholung war immer wichtig“, berichtete Schwester Christa Reichmann, die durch die Ausstellung führte. Generell war das Mutterhaus nicht nur für die Bewohnerinnen, sondern immer auch für viele Gäste hergerichtet, Fotos zahlreicher früherer Gästezimmer erinnern an einen regen Besucherstrom. „Gastfreundschaft und Herbergen war schon immer ein Auftrag der Schwestern“, sagte Reichmann. Reichte der Platz nicht aus, überließen die Diakonissen den Besuchern ihre eigenen privaten Räume.

"Winderzeuger erhalten"

Neben den alten Fotografien belegen zahlreiche historische Dokumente einen lebendigen Alltag innerhalb des Hauses. Unterlagen aus den alten Hebron-Blättern, ein reger Schriftverkehr innerhalb der Schwesternschaft und diverse Aufträge aus der Zeit der Erbauung ihres neuen Heims vor 100 Jahren stellte die Gemeinschaft aus. Unter tatkräftiger Mitarbeit der Schwestern begann der Bau des Mutterhauses auf dem Berg zu Beginn des Ersten Weltkrieges. „Viele Leute staunen darüber, es war ein Wagnis, das die Schwestern mit großem Gottvertrauen eingingen“, erklärte Verwaltungsleiter Willi Feldkamp. Viele gut erhaltene Schreiben erinnern an die hürdenreiche Bauphase, als besonders aussagekräftige Erinnerung entpuppt sich dabei ein kurzes Telegramm der Schwestern vom 21. Mai 1915 über den Stand der bereits verzögerten Baugenehmigung. Kurz und knapp heißt es in diesem: „Baugenehmigung da - Halleluja“. Die Erleichterung über die endgültige Erlaubnis für den Bau des Mutterhauses ist in den wenigen Worten fast spürbar, „die Baugenehmigung war lange überfällig, die Begeisterung sehr groß“, schließt Oberin Renate Lippe aus den historischen Dokumenten. In kürzester Zeit konnte das Gebäude fertiggestellt und im August 1916 eingeweiht werden.

Auch die Einrichtung des neuen Mutterhauses ist bestens dokumentiert, von der Bestellung Tausender Glühbirnen bis hin zu einem Auftrag über ein Gebläse für die hauseigene Orgel. Der Hersteller bat um Bestätigung der Lieferung - „Winderzeuger erhalten“ konnten die Schwestern eine Woche später zufrieden zurücktelegrafieren.

Als Höhepunkt der Jubiläumsfeier gab Organistin Ka-Young Lee ein Konzert an der nach wie vor gut erhaltenen historischen Orgel. Das geruhsame Fest ließen Schwestern und Besucher bei einer gemeinsamen Kaffeetafel am Nachmittag ausklingen.

von Ina Tannert

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