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Bauern wollen mehr Rat und weniger Bürokratie

Landwirtschaft Bauern wollen mehr Rat und weniger Bürokratie

In einer offenen Diskussionsstunde stellte sich Landrätin Kirsten Fründt (SPD) den Fragen, Wünschen und der Kritik heimischer Landwirte.

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Mit Bildern von Feldfrüchten im Hintergrund: Zwischen Kohl und Zwiebel diskutierten Kreisbauernverbands-Vorsitzender Erwin Koch und Landrätin Kirsten Fründt diskutierten mit heimischen Landwirten über die Zukunft der Landwirtschaft im Kreis.

Quelle: Ina Tannert

Damshausen. Am vergangenen Dienstag trafen sich der Kreisbauernverband Marburg-Kirchhain-Biedenkopf, der Verein landwirtschaftlicher Fachschulabsolventen und Vertreter des Landkreises zu einem offenen Frage-Antwort-Abend in Damshausen. In einer angeregten Diskussionsrunde besprachen Landwirte und Landrätin Kirsten Fründt verschiedene Aspekte der Landwirtschaft und ließen nicht zuletzt etwas Dampf ab.

In einer kurzen Einführung besann sich der scheidende Verbandsvorsitzende Erwin Koch auf die vergangenen Jahre und kritisierte die anhaltende Tendenz eines „Gesundschrumpfens der Region und der Landwirtschaft“. Diese Parole treffe auf die Region nicht zu, „geschrumpft ist sie, aber nicht gesund“, monierte Koch. Die Bauern des Kreises wünschen sich daher eine stärkere Unterstützung seitens der Verwaltung.

Der Kreis sehe sich als Partner der Landwirte, betonte Landrätin Kirsten Fründt, selber studierte Agraringenieurin, und versprach eine starke Zusammenarbeit.

Nach ihrer bisherigen Erfahrung befinde sich der Kreis in diesem Punkt „auf einem guten Weg“, sei stolz auf eine engagierte Agrarverwaltung. Auf die Frage des Verbandes nach einem Erhalt der Agrarkulturlandschaft konnte die Verwaltungs-Chefin allerdings nicht das ersehnte große „Ja“ geben, sondern nur „ein kleines ja“. Die Agrarkulturlandschaft sei sowohl gesellschaftlichen wie industriellen Strömungen unterworfen, die Landwirte seien nicht mehr so frei in ihrer Entwicklung, vom Weltmarkt oder von geforderten Quoten, stellte Fründt klar.

Der Landkreis sei wiederum gezwungen geltendes EU-Recht umzusetzen, daran lasse sich nichts ändern, erklärte die Landrätin und verwies auf verschiedene Förderprogramme mit dem Ziel eines Erhalts der Kulturlandschaften und prägenden Strukturen der Regionen.

Mehrfach drehte sich die Debatte an diesem Abend um den regionalen wie den globalen Markt. Das größte Problem sei der harte Wettbewerb der Branche auf dem Weltmarkt, mit dem kaum mitzuhalten sei, betonte Koch. Dieser dominiere und bedrohe zunehmend gerade die durch regionale Besonderheiten - etwa Höhenunterschiede auf den Flächen - produktionsschwächeren Betriebe. Es sei schlimm genug, dass überhaupt Lebensmittel an der Börse gehandelt werden. Doch auf die unabänderliche Herausforderung des Weltmarktes müsse man eingehen wie auch auf den erfreulich wachsenden Bedarf an regionalen Produkten, antwortete Fründt.

Fründt: „Die Türen stehen Ihnen offen“

Besonderes Interesse herrschte seitens der Bauern an einer verstärkten Aufklärung über allgemeine und neue Gesetze oder Förderungen für die Landwirtschaft. Die Vorgaben, insbesondere die Kontrollen des EU-Rechts stießen nach wie vor auf Verwirrung und Misstrauen, der Bedarf an Hilfe sei groß, erklärte Koch. Viele Bauern fühlten sich von der Agrarverwaltung zu scharf kontrolliert. „Und meckerst du, kommt gleich die verschärfte Kontrolle. Dies führt zu Unsicherheiten“, prophezeite Koch. Hinzu käme eine über-strenge, zu detaillierte und zeitaufwendige Bürokratie. Der Verband würde hier eine vereinfachte Regelung begrüßen. Die Kontrollen würden nach den gesetzlichen Vorgaben umgesetzt, erklärte Fründt. Um einen aktuellen Stand des EU-Rechts zu bekommen, riet sie den Bauen, die Beratungsangebote des Kreises über Fördermaßnahmen wahrzunehmen und versprach, die Beratungsangebote aufrecht zu erhalten. „Die Türen stehen Ihnen offen“, so die Landrätin.

Kritik wurde ebenfalls beim Thema Ausgleichsmaßnahmen laut. Der landwirtschaftliche Flächenverbrauch als Ausgleichsmasse nehme den Bauern ihre wirtschaftliche Grundlage weg, „hektarweise wird bestes Ackerland im Sinne eines fälschlich verstandenen Naturschutzgedankens vernichtet“, monierte Koch.

Die Verwaltung verstehe dieses bekannte Problem, der Kampf um die Ressource Ackerland sei weit verbreitet, stimmte Fründt zu. Der Kreis habe es jedoch nicht immer in der Hand, wo Ausgleichsfläche geschaffen wird und wo nicht.

Weitestgehend einig war sich die Versammlung, was das Potential des Landkreises in Hinblick auf erneuerbare Energien angeht.

Das feste Ziel des Masterplanes des Kreises, bis zum Jahr 2040 eine vollständige Umstellung und hundertprozentige Versorgung von Strom, Wärme und Mobilität mit erneuerbaren Energien zu erreichen, „gilt nach wie vor“, versprach die Landrätin und nahm Stellung zur anhaltenden Kritik über weitere Windräder im Kreis. Die damit einhergehende „Verschandelung der Landschaft“ lohne sich einfach und sei immer noch besser zu ertragen als eine erneute Verlegung von kilometerlangen Überlandleitungen für den Stromtransport, betonte Fründt.

Zudem soll nach Wunsch des Kreises demnächst durch eine wissenschaftliche Untersuchung geprüft werden, wie regionale Produkte für die Bioenergiegewinnung vermarktet werden können.

Die potenzielle Möglichkeit, Getreide zur Energiegewinnung als nachhaltigen „Strom vom Feld“ anzubauen und damit gleichzeitig die Vielfalt der landwirtschaftlichen Nutzfläche zu erweitern, stieß auf großes Interesse bei den Landwirten.

von Ina Tannert

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