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Bauern klammern sich an letzten Strohhalm

Landwirtschaft Bauern klammern sich an letzten Strohhalm

Mit Milch lässt sich kaum noch Geld verdienen. Mit der Schweinemast sieht es wenig besser aus. Nach einer Superernte steht nun das gleiche Dilemma bei den Getreide- und Energiepflanzenpreisen bevor.

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Quelle: Landwirt Heinrich Weigel erntet mit dem Mähdrescher sein Sommergerstefeld bei Albshausen ab. <+OP-Foto>Nadine Weigel

Marburg. Woran noch klammern, wenn nicht an den letzten Strohhalm? In der gegenwärtigen Situation bleibt der heimischen Landwirtschaft kaum etwas anderes übrig. Und so denken die Bauern über neue Einnahmequellen nach und lenken ihr Augenmerk dabei etwa auf den Brennwert von Stroh.

„Auf die Produktion von Nahrungsmitteln allein können wir nicht mehr setzen, aber wir könnten in Sachen Energie viel mehr tun“, sagte Erwin Koch, Vorsitzender des Kreisbauernverbands, gestern während einer Pressekonferenz zur Erntesituation.
Durch die Biodiesel-Besteuerung brach der Markt in sich zusammen, der Rapspreis ging um 50 Prozent zurück. „Die Politik ist einfach viel zu kurzfristig in ihren Überlegungen.“ Und deshalb nutzt die bevorstehende Raps-Superernte – die heimischen Landwirte werden wohl um die 40 Doppelzentner pro Hektar einfahren – den Produzenten recht wenig. Denn es gibt kaum mehr Abnehmer für die Pflanze, von der 55 Doppelzentner für die Herstellung von 2.500 Litern Biodiesel nötig sind.

Auf 65 Hektar pflügte Erwin Koch, der einen landwirtschaftlichen Betrieb in Diedenshausen unterhält, in diesem Sommer Stroh unter – „damit hätte man 100.000 Liter Heizöl ersetzen können“, erklärte er. Der Energiewert liege bei etwa 1.000 Euro pro Hektar. Nun sind die regenerativen Energien zwar stark im Kommen, aber die technischen Voraussetzungen sind vielerorts eben noch nicht gegeben.

In Mardorf, Mengsberg, Wollmar und Fronhausen sollen Biogas-Anlagen entstehen. In Langendorf werde die Strohfeuerung bereits in einem landwirtschaftlichen Betrieb praktiziert, und für die Hinterland-Halle in Dautphetal ziehe der Landkreis den Einbau einer entsprechenden Anlage in Erwägung. „Durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz gibt es nun einen guten finanziellen Anreiz dafür“, erklärte Gerd Daubert.

Fachleute rechnen in diesem Jahr mit der dritten Rekordernte innerhalb von fünf Jahren. Der Hessische Landesbetrieb Landwirtschaft geht in den Gunstlagen von 55 Doppelzentnern Wintergerste pro Hektar aus – das wären fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Aktuell verkaufen die Landwirte dieses Getreide zu einem Preis von unter 9 Euro pro Doppelzentner, um die 16 Euro erzielten sie 2008. „Die Menge macht’s einfach nicht, denn wenn die Lager noch voll sind, können wir kein Getreide verkaufen“, erklärte Erwin Koch und verweist auf den Preisverfall durch die sinkende Nachfrage.

von Carina Becker

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