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Bauern erwarten durchschnittliche Erträge

Ernte Bauern erwarten durchschnittliche Erträge

Die Hauptsaison der Getreideernte ist gekommen - bedingt durch den milden Winter schon einige Wochen früher als in anderen Jahren. Wenn der Getreidepreis gut ausfällt, können die Landwirte zufrieden sein.

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Trafen sich zum Erntegespräch in Großseelheim: (von links) Kreislandwirt Martin Henz, Gastgeber Ludwig Klingelhöfer, Kreisbauernverbands-Vorsitzender Erwin Koch, Erster Kreisbeigeordneter Marian Zachow, Hessens Bauernpräsident Friedhelm Schneider, Ackerbauexperte Herbert Becker und Anja Püchner, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbands.

Quelle: Carina Becker

Großseelheim. Die Erträge sind gut, das stellten Fachleute der heimischen und der hessischen Landwirtschaft gestern Vormittag in Großseelheim heraus. Dabei ergeht es den hiesigen Bauern sogar noch etwas besser als denen im Süden Hessen, wie Herbert Becker, der Marburger Ackerbaufachmann beim Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen, herausstellte.

Zuvor gab Friedhelm Schneider, Präsident des Hessischen Bauernverbands, der für das Erntegespräch auf dem Hof Klingelhöfer aus dem Main-Kinzig-Kreis angereist war, die prognostizierten Erntezahlen bekannt. „Wir rechnen in Hessen mit einer Durchschnittsernte um die zwei Millionen Tonnen Getreide“, sagte er und verwies darauf, dass dieses Ergebnis nur zu schaffen sei, „wenn das Wetter jetzt gut bleibt“.

In diesem Zusammenhang verwies er auf heftige Niederschläge in der zweiten Juli-Woche, von denen Marburg-Biedenkopf weitgehend verschont blieb, die allerdings in anderen Regionen zu Hagelschäden führten. Schneider nannte Zahlen der Vereinigen Hagelversicherung, laut der über Hessen verteilt rund 3 500 Hektar als geschädigt gemeldet wurden. Betroffen seien 230 Betriebe „von der Wetterau über Gießen und Marburg bis Kassel“. Vor allem der erntereife Raps soll betroffen gewesen sein.

Der Raps fiel in diesem Jahr nicht nur durch Hagelschäden auf, sondern auch durch ungewöhnlich frühe Reife, wie die Fachleute berichteten. Der Raps sei in Hessen auf einer Anbaufläche von gut 63 000 Hektar gut über den Winter gekommen, allerdings aufgrund der großen Trockenheit mit lückenhaften Beständen. An das durchschnittliche Ertragsniveau der Vorjahre mit 37 Dezitonnen je Hektar heranzukommen werde schwierig.

Beim Silomais hofft Schneider, dass er seinen trockenheitsbedingten Wachstumsrückstand bis zur Ernte im September noch aufholen kann. Was den Winterweizen angeht, die in Hessen mit einer Anbaufläche von fast 166 000 Hektar mit Abstand wichtigste Getreideart, dürfen die heimischen Landwirte zuversichtlicher sein als die im Süden des Landes, „weil es hier in der Kornfüllungsphase immer mal wieder geregnet hat“, hob Schneider hervor.

Vorjahresertrag wird wohl nicht erreicht

Wegen der Trockenheit im Juni werde der überdurchschnittliche Vorjahresertrag von 85 Dezitonnen je Hektar in den meisten Gebieten wohl nicht erreicht.

Beim Winterroggen hingegen gehen die Prognosen von Erträgen aus, die bei einer Anbaufläche von 3 300 Hektar mit einer Ernte von rund 54 Dezitonnen pro Hektar stabil bleiben könnten, sagte Schneider. Bei Winter- und Sommergerste auf einer Anbaufläche von 66 500 Hektar gehen die Prognosen, gemessen an den Vorjahren, ebenfalls von durchschnittlichen Erträgen aus, berichtete Schneider und sprach von rund 65 Dezitonnen je Hektar.

Zur Marktsituation erläuterte Schneider, dass die Börsennotierungen und somit die Erzeugerpreise bei Getreide und Ölsaaten aufgrund weltweit guter Ernteerwartungen unter Druck stünden. Dies sei allerdings noch kein Grund, „die Preise jetzt schon schlecht zu reden“, hielt er den Befürchtungen des heimischen Kreisbauernverbands-Vorsitzenden Erwin Koch entgegen.

Koch berichtete, dass der Preis pro Doppelzentner Weizen (100 Kilo) vor zwei Jahren bei 20 Euro gelegen habe - nun sei eine Talfahrt auf 15 Euro zu befürchten. „Dann wäre kein Deckungsgrad zu erwarten und auch kein Mindestlohn für unsere Arbeit.“

Dabei wünschte sich Koch, dass der Beruf des Landwirts als „wichtigster Beruf der Erde“ auch in der Gestaltung der Erzeugerpreise Wertschätzung erfahre. Schließlich sei es einer leistungsfähigen Landwirtschaft zu verdanken, dass weltweit - wenn auch nur theoretisch - für jeden Menschen täglich 294 Gramm Weizen zur Verfügung stünden.

von Carina Becker

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