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Bauern beklagen sinkende Milchpreise

Protest in Heskem Bauern beklagen sinkende Milchpreise

Der Milchmarkt steckt in einer Krise. Ein Bauer bekommt noch rund 27 Cent pro Liter - die Produktion kostet 47 Cent. Mit Mahnfeuern haben Milchbauern in ganz Deutschland auf die Probleme und die Ursachen hingewiesen.

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30 Milchbauern machten in Heskem-Mölln mit Fackeln auf die Preiskrise auf dem Milchmarkt aufmerksam.Foto: Patricia Kutsch

Quelle: Patricia Kutsch

Mölln. Um die Öffentlichkeit auf die Krise aufmerksam zu machen, in der die Milchbauern derzeit stecken, hat der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) zu Mahnfeuern aufgerufen. Zum Tag der Milch versammelten sich am Montagabend auch in Mölln mehr als 30 Milchbauern, um Fackeln zu entzünden. „Diese Krise wird vermutlich schlimmer als die letzten“, warnte Dieter Müller vom Landesvorstand des BDM.

Der Milchpreis fällt dramatisch, die Verschuldung der Betriebe steigt - denn pro Liter Milch bekommen die Bauern nur noch durchschnittlich 27 Cent, während die Produktion 47 Cent kostet. Zu Spitzenzeiten Anfang 2014 haben die Bauern laut Müller 40 Cent bekommen.

Schuld an dieser Krise ist laut Müller die Abschaffung der Milchquote zum 1. April. Diese Quote regelte bisher in ganz Europa, welcher Landwirt wie viel Milch liefern durfte. Die deutschen Bauern durften 31 Milliarden Kilogramm Milch liefern. Wer mehr Milch lieferte, musste eine Strafe - die Superabgabe - zahlen. Im Vorgriff auf die Abschaffung der Milchquote haben laut Müller die deutschen Milchbauern im vergangenen Jahr 4,5 Prozent mehr Milch produziert, als es die Quote erlaubte. Damit zahlen die deutschen Landwirte die höchste Superabgabe der deutschen Geschichte: 300 Millionen Euro. Seit April muss ein Milchproduzent nicht einmal mehr Landwirt sein. „Der Milchmarkt wird liberalisiert“, erklärt Stefan Mann vom Bundesvorstand des BDM.

Mehr Milch, weniger Absatz

Insgesamt wurde laut Mann in Deutschland zwei Monate nach Abschaffung der Quote bereits fünf Prozent mehr Milch geliefert, als im Vergleich zum Mai 2014. Zugleich stottere aber der vom Bauernverband gewünschte Export: Das Russland-Embargo gelte bis August und treffe vor allem den Lebensmittel-Export. Auch der Hauptabnehmer China habe den Import stark reduziert, setze vermehrt auf eigene Produktion.

Die Milchbestände wachsen also, der Absatzmarkt fehlt. Der BDM fordert daher ein EU-weites Programm, das bei künftigen Krisen auf dem Milchmarkt sofort greife. „Wir fordern die Beobachtung des Markts über die Monitoring-Stelle der EU“, sagt Mann. Die solle eine Frühwarnung herausgeben, sobald die Marktnotierung an der Milchbörse nach unten gehe - also noch lange, bevor der Verkaufspreis sinke.

Dann sollten Lösungswege gesucht werden, wie private Lagerhaltung oder Kälbermastprogramme. Verschärft die Marktkrise sich weiter, sollen die Milchbauern eine Strafe zahlen, die trotz Krise mehr produzieren als zuvor. Das Geld solle zugunsten der Bauern gezahlt werden, die ihre Produk­tion gesenkt haben.

„Die Zahlung muss wehtun“, betont Mann. Außerdem solle nur im Krisenfall regulierend mit solchen Maßnahmen eingegriffen werden. „Ist die Krise aufgehoben, darf jeder wieder so viel produzieren, wie er will“, erklärt Müller. „Dieses Programm geht an die Wurzel, setzt vorne an“, ergänzt Mann. Er gibt aber auch zu: „Bei der jetzigen Krise gibt es keinen Ansatzpunkt mehr, um unseren Vorschlag einzubringen. Aber wir müssen ihn jetzt diskutieren.“

Regionale Milch, fairer Preis

In den vergangenen Jahren habe es keine Bewegung in der Politik gegeben, um den Milchbauern zu helfen. Es sei die dritte Krise in fünf Jahren. „Viele Milchbauern mussten seither Konsequenzen ziehen und aufhören - oder die Banken haben die Konsequenzen gezogen.“ Die Milchkuh sei im Landkreis mittlerweile eine Rarität.

„Wegen der fallenden Preise ist es problematisch, die Milchbetriebe nachhaltig in die Zukunft zu führen“, betonte Kurt Werner, Kreisvorsitzender des BDM. „Die Landwirte sind das schwächste Glied auf diesem liberalen Milchmarkt.“ Fackeln entzündeten in Mölln auch Landwirte des Kreisbauernverbands. „Alle Landwirte müssen an einem Strang ziehen, denn es geht darum, die Milchbetriebe zu erhalten“, erklärte die Geschäftsführerin Anja Püchner.

Vom sinkenden Milchpreis profitieren Verbraucher, die im Discounter einkaufen: Milch bei Aldi und Lidl ist seit November 15 Cent günstiger geworden. Wer Markenprodukte kauft, spürt hingegen wenig vom Preisverfall. Wer Produkte der Marburger Traditionsmolkerei oder die „Faire Milch“ kauft, der sorgt laut Mann dafür, dass die Milchbauern einen fairen Preis bekommen. Bei manch anderen Markenprodukten profitiere der Molkerei-Eigentümer.

Der Verkauf von Produkten der Marburger Molkerei könnte laut Stefan Mann allerdings besser sein. Irgendwann falle die regionale Produktion weg, wenn der Kunde das Angebot nicht nutzt, warnte er.

von Patricia Kutsch

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