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Bauboom geht weiter

Wohnungen Bauboom geht weiter

Wie können in Marburg genügend Wohnungen geschaffen werden? Diese Frage stand am Donnerstag im Mittelpunkt einer gemeinsamen Sitzung von drei Ausschüssen des Stadtparlaments.

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Regina Höbel stellte die Ergebnisse der „Inwis“-Wohnungsmarktanalyse vor.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Es war ungewöhnlich, dass sich die Mitglieder des Bauausschusses, des Sozialausschusses sowie des Haupt- und Finanzausschuss im Vorfeld des  Stadtparlaments gemeinsam trafen. Aber es ging auch um eine wichtige Frage der Marburger Kommunalpolitik: die Folgerungen aus der vom Magistrat in Auftrag gegebenen Wohnungsmarktanalyse, die das Beratungsinstitut „Inwis“ bereits im Oktober vergangenen Jahres vorgestellt hatte.  Dabei erhielten die Abgeordneten aber prinzipiell keine neuen Informationen.

„Diese Studie hatte eine zwei Jahre andauernde Vorgeschichte“, erläuterte Bürgermeister Dr. Franz Kahle. Ein wichtiger Grund dafür seien die stetig steigenden Studierendenzahlen  an der Marburger Universität gewesen, die mittlerweile zu einem historischen Hoch von mehr als 27 000 Studenten geführt hätten. Dieses habe gravierende Effekte auf den städtischen Wohnungsmarkt gehabt.

Vor allem in der Innenstadt gebe es zu wenig Wohnraum zu attraktiven Preisen. Deswegen werde bereits seit einiger Zeit gegengesteuert. Insgesamt seien in Marburg – die neuen Gebäude privater Investoren und gemeinnütziger Wohnungsbaugesellschaften zusammengerechnet – in den vergangenen fünf Jahren mehr als 1 000 Wohnungen an den Markt gegangen. Ein Ende des Baubooms ist noch nicht in Sicht. Doch eine spürbare Entlastung auf dem Wohnungsmarkt habe es trotzdem noch nicht gegeben.

Die „Inwis“-Studie sei von der Stadt Marburg aber auch in Auftrag gegeben worden, um von unabhängigen Fachleuten zu erfahren, ob in Marburg eventuell zu viel neue Wohnungen  gebaut würden.

Regina Höbel und Janine Constant von „Inwis“ stellten die zehn Schlussfolgerungen ihrer Studie sowie die Kernpunkte ihrer seit einigen Monaten vorliegenden Ergebnisse vor, über die  sie auch bereits öffentlich beim „Runden Tisch“ zum Thema Wohnungsnot berichtet hatten. In Marburg sei die Beteiligung bisher so vielfältig gewesen wie in keiner anderen Stadt, lobte Höbel besonders, dass ein so großer und breiter Kreis an Personen für das Thema Wohnungen Interesse zeige.

Bis 2020 gibt es einen Wohnungsbedarf von 1 600 neuen Wohnungen in Marburg. Davon sollte rund die Hälfte aus Mietwohnungen bestehen.Und bis 2018 sollten unter dem Motto „Sozialer Wohnungsbau“ rund 450 besonders preisgünstige Wohnungen neu auf den Wohnungsmarkt kommen. Aber auch Handlungsbedarf in Sachen barrierearme Wohnungen hat die Studie festgestellt.

Bau von rund 900 Wohnungen ist auf dem Weg

Zudem gibt es eine Reihe von Detail-Ideen wie die Förderung von Baugemeinschaften und Wohnprojekten wie dem Generationenwohnen oder die Modernisierung von Wohnquartieren, die in den 50er und 60er Jahren errichtet wurden. In der Umsetzung der Vorgaben sieht Stadtplaner Reinhold Kulle die Stadt insgesamt auf einem guten Weg, wie er in einem leicht überarbeiteten Kurzvortrag erklärte, den er auch schon beim Runden Tisch gehalten hatte.

Vor allem in der Nordstadt habe das Thema „Neue Wohnungen“ aufgrund einer intensiven Stadtentwicklungspolitik an Dynamik gewonnen. Bereits jetzt gebe es rund 1100 Wohnungen.

Zudem sei  der Bau von rund 900 Wohnungen auf dem Weg. Als Beispiel für diese „in der Pipeline“ befindlichen Vorhaben nannte Kulle vor allem die drei großen Standorte Vitos-Gelände (Psychiatrie) an der Cappeler Straße, Nordstadt und Stadtwald. Jetzt gebe es allerdings so gut wie keine weiteren bebaubaren Baulücken in der Kernstadt.

Nachholbedarf gebe es in der Stadt aber nach wie vor in Sachen „barrierefreie Wohnungen“ sowie „Sozialer Wohnungsbau“. Die gewünschten Zahlen bei Sozialwohnungen könnten allerdings mit Hilfe der Neubauten am Vitos-Gelände vielleicht besser erreicht werden. Bisher  noch gar nicht in der Wohnungsmarktanalyse einberechnet gewesen  sei allerdings der zusätzliche Wohnbedarf für bis zu 300 Flüchtlinge.

Nach den beiden Vorträgen wurden zwar  mehrere  Nachfragen gestellt, eine politische Bewertung durch die Stadtverordneten soll aber erst im Parlament erfolgen.

von Manfred Hitzeroth

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