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"Barrieren in den Köpfen abbauen"

Netzwerk für Inklusion "Barrieren in den Köpfen abbauen"

Das Netzwerk für Inklusion junger Erwachsener stellt Untersuchungsergebnisse der vergangenen Monate vor und zieht ein positives Resümee.

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Mitglieder des Netzwerks für Inklusion junger Erwachsener stellten die neue Dokumentation vor: Dr. Heinz Willi Bach vom Deutschen Verein der Blinden- und Sehbehinderten in Studium und Beruf (von links), Cornelia Schlerf von der Aids-Hilfe Marburg, Ute Mölter von der Blista, Naxina Wienstroer vom Verein zur Förderung der Inklusion behinderter Menschen, Bernd Duve-Papendorf vom Sozialverband VdK Hessen-Thüringen, Volkhard Wolff vom Integrationsfachdienst, Kerstin Hühnlein von der städtischen Behin

Marburg. Nach neun Monaten intensiver Forschung, Zusammenarbeit mit den Partnern und Diskussionen mit Betroffenen und Arbeitgebern blickt das Marburger Netzwerk für Inklusion junger Erwachsener zufrieden auf ein erstes positives Resultat zur Lage auf dem regionalen Arbeitsmarkt. Die junge Organisation, in der sich zahlreiche soziale Verbände miteinander vernetzen, setzt sich für stärkere wirtschaftliche Integration von Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen sowie für mehr öffentliche Aufklärung ein.

Zu diesem Zweck untersuchten die Netzwerkpartner die aktuelle Lage am Arbeitsmarkt, ermittelten Problemfelder und Reibungspunkte, brachten Arbeitsuchende mit Behinderung und Arbeitgeber in einen Dialog und entwickelten mit diesen zusammen Lösungsstrategien.

Die Ergebnisse der Marktanalyse, Bedarfsermittlung und Untersuchung des regionalen Integrationspotenzials konnten nun in einer umfassenden Broschüre zusammengefasst werden. Die Zukunftsperspektiven sind zum Großteil positiv, teilte das Netzwerk mit. Die wachsende Bereitschaft der Arbeitgeber, sich mit benachteiligten Mitarbeitern zusammenzusetzen und umzudenken, sei gestiegen.

Menschen mit Behinderung werden unterschätzt

Der Personalbedarf auf dem Arbeitsmark ist vorhanden, die Möglichkeit, diesen zu deckeln und benachteiligte Menschen zu integrieren, ebenfalls. Es fehle nur der letzte, ausschlaggebende Schritt, mehr Offenheit und Respekt und der Abbau der Barrieren in den Köpfen der Wirtschaftswelt. Vorbehalte und Vorurteile im Wirtschaftsleben seien nach wie vor tief verwurzelt.

Die unrealistische Angst vor den potenziellen Arbeitnehmern mit Handicap, die man „nie wieder loswird“ herrsche noch vor. Die Bundesrepublik sei beim Thema Inklusion anderen Ländern gegenüber deutlich im Rückstand und könne mehr leisten, sagte Dr. Heinz Willi Bach vom Deutschen Verein der Blinden- und Sehbehinderten in Studium und Beruf.

Die Analysen zeigten deutlich, dass Menschen mit Behinderung nach wie vor unterschätzt werden. Das Augenmerk der Arbeitswelt richtet sich auf das vorhandene Handicap, nicht auf die tatsächlichen Fähigkeiten, betonten die Netzwerkpartner. Umfragen ergaben, dass Betroffene sich vor allem Perspektiven wünschen, die Chance sich zu beweisen, ihre Ressourcen mit einzubringen und berufliche Qualifikationen auszuleben.

Auf der anderen Seite erwarten die Arbeitgeber neben einer schulischen Grundausbildung unter anderem sozialkompetente Schlüsselqualifikationen wie Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit, Teamfähigkeit oder Motivation.

Ziele und Wünsche beider Seiten liegen nicht weit voneinander entfernt, betonten die Partner. Dem Wettbewerbsdruck auf dem Arbeitsmarkt standzuhalten und gleichzeitig Mitarbeiter mit Handicap zu integrieren, sei möglich.

Dafür brauche es nur ein gewisses Maß an Flexibilität, Unterstützung individueller Bedürfnisse und eine aktive Beschäftigungspolitik. „Benachteiligte Menschen werden immer noch gehindert, am Arbeitsleben teilzunehmen, es fehlt unter anderem eine nachhaltige Arbeitsplatzgestaltung“, sagte Iris Demel vom Paritätischen Wohlfahrtsverband.

Bedarf an Aufklärung ist nach wie vor groß

Die Inklusion sei noch nicht in den Köpfen und Herzen der Menschen angekommen.

Die Untersuchungsergebnisse zeigen auch, wie groß der Bedarf an Aufklärung sowohl auf der Seite der Betroffenen wie auch der Unternehmen noch ist. „Marburg ist ein sozialer, toleranter Ort, aber Menschen mit Behinderungen brauchen eine größere Lobby“, sagte Volkhard Wolff vom Integrationsfachdienst.

Zu wenige Betroffene wie auch Arbeitgeber wissen, an welche Stellen sie sich bei Problemen wenden können sowie welche regionalen Förder- und Unterstützungsstrukturen existieren.

Auch nach Ablauf der neunmonatigen Förderung durch die Aktion Mensch wollen die Kooperationspartner ihre Arbeit weiterführen, das Netzwerk als Schnittstelle zwischen benachteiligten Menschen und Arbeitswelt weiter ausbauen, verstärkt auf Arbeitgeber zugehen und weitere „Barrieren in den Köpfen der Gesellschaft abbauen“.

Die detaillierte Dokumentation „Vision Inklusion - Arbeit für alle in Marburg“ ist bei Arbeit und Bildung, Krummbogen 3, erhältlich.

von Ina Tannert

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