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Barrierefreier Angelsteg eröffnet

Fischereiverein Barrierefreier Angelsteg eröffnet

Ein Traditionsverein denkt an die Zukunft: Der Angelsteg wurde so umgebaut, dass nun Rollstuhlfahrer und Menschen mit Gehbehinderung sicher an der Lahn fischen können.

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Auch das Land Hessen förderte den neuen Angelsteg. Der Vorsitzende des Fischereivereins Jürgen Schwarz (rechts) zeigte Hessens Finanzminister Dr. Thomas Schäfer den Umbau.

Quelle: Alexander Graf

Marburg. Der Fischereiverein Marburg und Umgebung eröffnete am Freitag seinen neuen barrierefreien Angelsteg an der Lahn. Der hessische Finanzminister Dr. Thomas Schäfer (CDU) und Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) lobten den Verein für seine nachahmenswerte Inklusion von Menschen mit Behinderung. „Heute Morgen haben die ersten Rollstuhlfahrer den Steg getestet und sie waren begeistert“, schwärmt Jürgen Schwarz, Vorsitzender des Vereins. Der Verein hat sich damit einen lang gehegten Wunsch erfüllt und ermöglicht es damit nun Rollstuhlfahrern und allen anderen Anglern mit Gehbehinderungen, sicher an der Lahn zu fischen. Einzig eine asphaltierte Zufahrt müsse noch gebaut werden, damit die Angler in Zukunft mit dem Auto direkt ans Ufer kommen können.

Sicherheit hat Vorrang

Laut Schwarz kam der Verein unter anderem auf die Idee, diesen Steg zu bauen, da immer wieder gehbehinderte Touristen, welche an der Lahn angeln wollten, anfragten, wo denn geeignete Stellen für sie wären. Der Verein selbst hat gehbehinderte Mitglieder, denen man das Angeln ebenfalls erleichtern wollte.

„Das führte bei uns dazu, dass wir die Leute nicht ohne schlechtes Gewissen ans Ufer schicken konnten. Die Gefahr von Unfällen ist einfach immer da“, erklärt Schwarz. Ende 2013 fiel dann der Entschluss in einer Vereinssitzung: Ein barrierefreier Steg soll gebaut werden. Nachdem die Planungen im Frühjahr abgeschlossen waren, begann im Juli 2014 der Bau. Dabei hört man aus dem Verein, dass es gar nicht so einfach war, eine Firma zu finden, die das Projekt mit allen Sicherheitsvorkehrungen durchführen konnte.

Nachdem aber auch dieses Problem ausgeräumt war, stand dem Bau nichts mehr im Wege, da auch von der Stadt keine bürokratischen Steine in den Weg gelegt wurden.

Rund 20000 Euro verschlang das Projekt, für einen Verein eine große Summe. „Wir hätten das Ganze auch alleine verwirklicht, hätten damit aber bis an unsere Grenzen gehen müssen, doch die Hilfsbereitschaft unserer Mitglieder war wahnsinnig. Dennoch sind wir natürlich froh, dass letztlich zwei Drittel der Mittel von außen gespendet wurden“, erzählt der Vorsitzende.

Blista-Schüler profitieren

Die Stadt Marburg, welche sich Barrierefreiheit auf die Fahne geschrieben habe, habe das Projekt großzügig unterstützt. Weitere Großspender waren die Sparkasse Marburg-Biedenkopf sowie das Land Hessen. Daher war Finanzminister Dr. Thomas Schäfer bei der Eröffnung. „Der Fischereiverein hat das geschafft, was in vielen Bereichen unserer Gesellschaft noch viel zu wenig Thema ist. Er hat sich die Verwirklichung von Barrierefreiheit auf die Fahnen geschrieben, das Vereinsleben steht für Inklusion statt Ausgrenzung, für Gemeinschaft statt Gleichgültigkeit. Das verdient Anerkennung und Dank“, so der Minister.

Dabei ist der Verein durchaus konsequent, denn das Vereinsheim ist schon seit längerem barrierefrei. Doch nicht nur die Angler profitieren von dem Projekt. Der Steg verfügt auch über eine neue Anlegestelle, welche vor allem für die Schüler der Blindenstudienanstalt gebaut wurde. Diese unternehmen auf der Lahn therapeutische Kanufahrten und ihnen wurde nun das Ein- und Aussteigen deutlich erleichtert.

Schwarz glaubt an den Erfolg des Baus und daran, dass immer mehr Vereine dem Beispiel folgen werden. „Barrierefreiheit ist ein gesellschaftliches Thema und die Vereine sollen und dürfen sich da nicht rausnehmen. Von wie vielen Menschen der Steg letztlich genutzt wird, wird sich natürlich erst in der nächsten Saison zeigen, doch ich bin da sehr optimistisch.“

Vor einigen Tagen wurde der Fischereiverein Marburg und Umgebung bereits mit dem Jürgen-Markus Preis der Universitätsstadt Marburg ausgezeichnet. Dieser würdigt Engagement für Barrierefreiheit und ist für die Vereinsmitglieder eine Bestätigung. „Wir haben das Richtige getan“, so Schwarz.

von Alexander Graf

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