Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
„Bakterien sind die wahren Herrscher“

Kabarettist Vince Ebert „Bakterien sind die wahren Herrscher“

Der Wissenschafts-Kabarettist Vince Ebert trat als Stargast beim Kongress der Mikrobiologen auf und schlug seine Zuhörer im vollbesetzten Audimax mit intelligentem Witz in seinen Bann.

Voriger Artikel
Windrad-Zwist dreht sich weiter
Nächster Artikel
Gehörntes Vieh kann gefährlich werden

Kabarettist Vince Ebert hielt einen kurzweiligen Vortrag im vollbesetzten Audimax.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Ein Mikrobiologen-Witz gefällig? Vince Ebert versucht es so; „Kommen zwei Koli-Bakterien an die Bar und  verlangen zwei Drinks. Der Wirt will sie aber nicht bedienen.  Da kontern die Bakterien: Wir arbeiten seit Wochen in der Küche.“ Das Publikum, das aus den Teilnehmern der Marburger Mikrobiologie-Tagung an der Universität besteht, reagiert mit begeistertem Lachen.

Anlässlich des 30. Geburtstags der Vereinigung der allgemeinen und angewandten Mikrobiologie (VAAM) hat es sich der Verband etwas kosten lassen, den deutschlandweit bekannten Kabarettisten für das Abend-Programm  des vorletzten Tages zu verpflichten.

Denn es ist ein Ziel des Verbands, das Thema Mikrobiologie öffentlichkeitswirksamer zu präsentieren. „Der macht die beste Werbung für Mikroben“, hat VAAM-Sprecherin Anja Störiko festgestellt. Und der Diplom-Physiker Vince Ebert erfüllt die in ihn gesetzten Erwartungen auch bei seinem 45-minütigen „Kabarett-Vortrag“, einem Ausschnitt aus seinem aktuellen Programm mit dem Titel „Evolution“,  bei dem Fachkongress in Marburg.

So hält er ein flammendes Plädoyer für die Bakterien, „die wahren Herrscher auf diesem Planeten“. Denn dies seien alles andere als primitive Lebensformen, betont Ebert. Darmbakterien seien beispielsweise dabei, im menschlichen Darm „die Drecksarbeit“ zu machen.

Bakterien haben keinen Kuschelfaktor

Das einzige „Image-Problem“ für die Bakterien  sei es allerdings, dass sie nicht einen so hohen Kuschelfaktor hätten wie solch niedlich aussehende Tiere wie die Panda-Bären. Während Ebert das sagt, sieht man im Hintergrund an der Projektionswand ein überdimensionales Foto, das zahlreiche eher schlicht aussehende und nicht besonders kuschelig wirkende Exemplare eines Bakteriums zeigt.

Doch dem mangelnden Kuschelfaktor zum Trotz wirbt Ebert mit Verve für die aus seiner Sicht unterschätzte Spezies und bringt die fast 1000 Mikrobiologen sogar dazu, ihm im Chor die Worte „Danke, Bakterien“ nachzusprechen. Nach dieser eindrucksvollen Gruppen-Performance ist es natürlich schwierig, noch etwas draufzusetzen.

In den Folgeminuten verlässt Ebert auch ein wenig das Thema Mikrobiologie und schweift ein wenig ab, unter anderem zur Frage, wie wichtig Kreativität und Querdenken sowie der Faktor Zufall für den wissenschaftlichen Erfolg sind. Aus seiner Sicht sind sie sogar essentiell und wichtiger als Planungen und Wissenschaftsbürokratie. Und so endet Ebert nach seinem meist sehr humorigen und kurzweiligen Vortrag mit einem weiteren Appell an die versammelte Forscher-Schar, und zwar der Aufforderung, öfter einmal auch um die Ecke zu denken.

von Manfred Hitzeroth

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr